Stand: 19.05.2020 05:27 Uhr  - NDR 1 Radio MV

Mindestabstand Windräder: Geteiltes Echo aus MV

Einige Windräder am Horizont auf einem Feld. © NDR Foto: Werner Bayer aus Neubrandenburg
Der Mindestabstand von 1.000 Metern zwischen Windrad und Dorf gilt in Mecklenburg-Vorpommern bereits seit Jahren. (Achivbild)

Die Einigung auf eine Regelung der Abstände zwischen Windkraftanlagen und Wohngebieten ist in Mecklenburg-Vorpommern auf geteilte Reaktionen gestoßen. Die Windenergiebranche begrüßte die Einigung im Bund. CDU und SPD hatten sich nach monatelangem Tauziehen darauf verständigt, dass künftig in ganz Deutschland ein Mindestabstand von bis zu 1.000 Metern gilt. Die Länder dürfen aber eigene Regelungen treffen.

Planungssicherheit für Windenergiebranche

Von einem positiven Signal spricht der Vorsitzende des Vereins "Wind Energy Network" aus Rostock, Andree Iffländer. In dem Verein haben sich 120 Unternehmen der Branche zusammen geschlossen. Damit gebe es Planungssicherheit. Und Flächen, die für Windkraftanlagen tauglich sind, würden nicht weiter durch größere Abstände beschnitten, wie sie die CDU gefordert hatte, so Iffländer. Auch dass Genehmigungsverfahren verkürzt werden sollen, sei ein wichtiger Impuls.

Bundesländer können Details selbst regeln

1.000 Meter zwischen Windrad und Dorf - was bereits seit Jahren in Mecklenburg-Vorpommern gilt, soll künftig in ganz Deutschland Standard sein, mit der Ausnahme von Bayern. Doch anders als bisher geplant, kann jedes Bundesland diese Mindestabstandsregelung selbst auslegen. Dabei geht es unter anderem darum, aus wie vielen Häusern eine Siedlung besteht oder ob Abstände auch geringer sein können.

BUND sieht Regelung kritisch

Der Bund für Umwelt und Naturschutz in Mecklenburg-Vorpommern (BUND) dagegen sieht die pauschale Abstandsregelung weiter kritisch. Laut Geschäftsführerin Corinna Cwielag würden Windkraftanlagen so in große, bislang unzerschnittene Gebiete verdrängt, wie zum Beispiel die Friedländer Wiese. Der BUND fordert stattdessen eine größere Transparenz bei der Planung und mehr Beteiligung der Bürger an Windparks.

Änderungen in der Energiepolitik sorgen für Hoffnung

Mecklenburg-Vorpommerns Energieminister Christian Pegel (SPD) nannte die Einigung "extrem wichtig". Zwar gilt der 1.000 Meter Abstand als Empfehlung an die vier Planungsverbände seit vielen Jahren, die weiteren Änderungen in der Energiepolitik sorgen jedoch für Hoffnung. Bei Photovoltaikprojekten wurde wegen des 52 Gigawatt-Deckels in Teilen schon gar nicht mehr begonnen zu planen, heißt es aus dem zuständigen Ministerium. Windkraftprojekte an Land seien an vielen Stellen in langatmige Genehmigungsverfahren verstrickt. Die Abschaffung des Deckels und die Verschlankung von Verwaltungsverfahren würden aus Pegels Sicht zu einer Ermöglichung von neuen Solaranlagen beitragen. "Im Bereich der Photovoltaik erwarten wir damit überhaupt erst wieder ernsthafte Planungsbemühungen für künftige Projekte. Im Bereich der Windkraft gehen wir von Beschleunigungen der Verfahren aus", heißt es.

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NDR 1 Radio MV | Die Nachrichten | 19.05.2020 | 05:30 Uhr

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