Stand: 16.02.2019 10:37 Uhr

Milder Winter lockt Kranich, Storch und Co.

In Belitz bei Teterow ist Anfang der Woche der erste Weißstorch aufgetaucht.

Der milde Winter sorgt bei Kranichen, Störchen und Seeadlern in Mecklenburg-Vorpommern für Frühlingsgefühle. "Die ersten Kraniche sind aus den Winterquartieren zurück, und einige Seeadler beginnen zu balzen", sagte der Vorsitzende der Ornithologischen Arbeitsgemeinschaft Mecklenburg-Vorpommern (OAMV), Klaus-Dieter Feige. Vor allem die Kraniche seien derzeit in größeren Gruppen unterwegs. Mit der Sichtung der ersten Weißstörche in Belitz bei Teterow und Güstrow beides (Landkreis Rostock) steht auch für den Storchenbetreuer Stefan Kroll fest: "Das ist jetzt der Beginn der Storchensaison."

"Seit zehn Jahren bleiben sie zunehmend im Norden"

Laut Vogelkundlern überwintern jedes Jahr mehrere Tausend der Großvögel in Mecklenburg-Vorpommern. Die Seeadler täten dies schon immer. "Wir schätzen, dass wieder bis zu 3.000 Kraniche hiergeblieben sind", sagte Kranich-Experte Wolfgang Mewes aus Karow (Ludwigslust-Parchim) - sei es in der Wismarbucht, am Schaalsee, südlich von Röbel oder auch am Radelsee bei Rostock. Dabei war Spanien lange eines der Hauptüberwinterungsgebiete der Vögel. Erst vor 20 Jahren haben sie laut Mewes begonnen, nur noch bis Frankreich zu fliegen. "Seit zehn Jahren bleiben sie zunehmend auch in Norddeutschland."

Der Zug der Kraniche - Ein Naturspektakel

Genug Nahrung auf Feldern

Die Vögel wollen Kräfte sparen und schnell an den Nestern sein. Das sei in milden Wintern wie den letzten Jahren ein Trend für ganz Deutschland, wo mit mehreren Zehntausend Überwinterern gerechnet wird. "Kraniche finden auf Feldern genug Maisreste und andere Nahrung", sagte Feige. Kälte sei für diese Vögel kein Problem, eher eine geschlossene Schneedecke. Im Gegensatz zu kleineren Bodenbrüter wie Kiebitzen und Feldlerchen kommen Kraniche laut Feige mit den landwirtschaftlichen Großstrukturen im Nordosten gut zurecht.

Hälfte aller Kraniche in Deutschland brütet in MV

Mecklenburg-Vorpommern und Brandenburg sind für Kraniche die Hauptbrutgebiete in Deutschland. Während der großen Kranichrast im Herbst zählen Experten sogar mehr als 130.000 Exemplare im Nordosten. Mit rund 4.500 Brutpaaren zieht etwa die Hälfte aller Kraniche in Deutschland ihre Jungen zwischen der Mecklenburgischen Seenplatte und der Ostseeküste auf. Während kleinere Vögel stark mit zugewanderten Raubtieren wie Waschbär, Mink oder Marderhund zu kämpfen hätten, seien die bis zu 1,80 Meter großen Vögel sehr wehrhaft. Manche kämpfen sogar gegen Waschbären oder Füchse bis zum Letzten um ihre Eier und ihren Nachwuchs.

Störche in Belitz und Güstrow aufgetaucht

Auch die ersten Weißstörche haben Anfang der Woche ihre Nester in Mecklenburg-Vorpommern besetzt. Der Storch von Belitz bei Teterow (Landkreis Rostock) gehört seit Jahren zu den ersten Rückkehrern aus dem Winterquartier. Die Inhaberin des Gutshauses Belitz, Barber Bongardt, verwundert das nicht. "Das ist relativ spät", meinte sie. "Wir haben ihn hier schon Ende Januar erlebt." Ein weiterer Storch ist am Montag in Güstrow beobachtet worden.

In Frankreich oder Spanien überwintert

Für Storchenbetreuer Kroll ist das nichts Ungewöhnliches: "Diese ersten Störche haben in Frankreich oder Spanien überwintert. Wir hatten in den letzten Tagen südwestliche Winde, dadurch haben wir auch in anderen Ländern die ersten Rückkehrer", sagte Kroll NDR 1 Radio MV. Allerdings würden jene Störche, die den Winter noch weiter südlich in Afrika verbracht haben, erst gegen Ende März oder Anfang April zurückerwartet. "Die haben einen längeren Weg vor sich", so Kroll.

Bloß kein Schnee

Auch wenn es hierzulande wieder deutlich kälter werden sollte, sei dies für die Tiere kein Problem, meint Kroll. "Sie sind in der Lage, hier Futter zu finden - Regenwürmer zum Beispiel." Nur bei einer geschlossenen Schneedecke könnte es für die Früh-Störche problematisch werden. "Ansonsten fliegen sie wieder ein Stückchen zurück - dahin, wo es etwas milder ist."

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Radio MV | 16.02.2019 | 12:00 Uhr

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