Stand: 27.01.2020 16:38 Uhr  - NDR 1 Radio MV

Milchpreis: Lage der Milchbauern weiter kritisch

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Der derzeitige Rohmilchpreis von 32 Cent pro Liter deckt nicht einmal die Produktionskosten der Milchviehbetriebe im Land, sagen Tierhalter. (Archivbild)

Die Lage der Milchbauern in Mecklenburg-Vorpommern ist nach Angaben des Milchkontroll- und Rinderzuchtverbands (MRV) Mecklenburg-Vorpommerns weiter kritisch. Mit dem aktuellen Milchpreis von durchschnittlich 33 Cent zeigten sich die Bauern nicht zufrieden. Zwar sei der in den vergangenen dreizehn Monaten stabil geblieben, allerdings bei weitem nicht kostendeckend. Das müsse sich aufgrund der anstehenden höheren Anforderungen an Tierwohl und Umweltschutz durch das Agrarpaket des Bundes schnell ändern, so ein Vertreter des Verbands der Milchviehhalter. Um wirtschaftlich produzieren zu können, müsse der Milchpreis nach Angaben des MRV bei etwa 40 Cent pro Liter Milch angesiedelt sein, hieß es auf dem Milchbauerntag in Güstrow.

Milchbauern diskutieren Ampelsystem zur Selbstregulierung

Die Milchbauern müssten stärker vor Preiskrisen wie in der Vergangenheit geschützt werden, lautet eine der zentralen Forderungen des Bundes Deutscher Milchviehhalter (BDM). Auf dem Milchbauerntag wurde außerdem der Entwurf eines Ampelsystems zur Selbstregulierung diskutiert. In einer ersten Stufe sollen die Bauern, wenn sich ein weiterer Preisverfall andeutet, selbst reagieren und weniger produzieren, hieß es. Für den so entstandenen Produktionsausfall könnten sie von der EU-Kommission entschädigt werden. Die letzte Stufe sehe vor, von den Landwirten, die dennoch nicht weniger produziert haben, Strafzahlungen zu erheben. Auf diese Art und Weise könne die Produktion den Milchpreisen angepasst werden, um eine Abwärtsspirale zu verhindern.

Agrarpaket verschärfe die Probleme der Milchbauern

Auch das Agrarpaket, das das Bundeskabinett im September auf den Weg gebracht hat, ist Thema beim Branchentreff der Milchviehwirtschaft. Denn es berücksichtige weiter nicht, dass die Produktionskosten der Milch nach wie vor nicht gedeckt seien, so der Bundesverband Deutscher Milchviehhalter (BDM). Die geplante Verschärfung der Düngeverordnung erschwere außerdem die Situation von Mischbetrieben, die wie viele Milchbauern gleichzeitig Ackerbau und Milchproduktion betrieben.

Immer mehr Milchbetriebe geben auf

Dies lasse sich auch an der Zahl der Betriebe in der Milchbranche ablesen. Seit dem Beginn der Milchkrise vor etwa sechs Jahren unterliegt die Milchproduktion in Mecklenburg-Vorpommern einem starken Strukturwandel. Nach Ansicht von Experten habe sich dieser Prozess auch durch die Dürre der vergangenen beiden Sommer und die damit verbundene schlechte Futtersituation in den Betrieben noch beschleunigt. Im Dürresommer 2018 habe landesweit knapp ein Betrieb pro Monat die Milchproduktion eingestellt. Die Zahl der Milchbauern in MV sank seit 2014 bis September 2019 von 633 Betrieben auf nur noch 402.

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"Bauernfeindliches Klima" und zu niedrige Lebensmittelpreise

Sabine Krüger vom MRV-Vorstand sagte am Montag in Güstrow, die Milchbetriebe müssten größer werden, um kostendeckend produzieren zu können. Allerdings widerspräche das dem Wunsch der Kunden nach "überschaubareren Strukturen". Auch Landwirtschaftsminister Till Backhaus (SPD) sagte, er habe das Gefühl, die Stimmung sei gekippt und habe die gesamte Branche erfasst. Krüger beklagte außerdem das ihrer Meinung nach bauernkritische Klima in Deutschland. Die Bauern würden "als Buhmann der Nation" dargestellt, so Krüger.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Radio MV | 27.01.2020 | 15:00 Uhr

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