Bei Zietlitz wird an einem großen Solarpark gebaut. © dpa Foto: Jens Büttner

Mehr Solarparks auf landwirtschaftlichen Flächen in MV

Stand: 10.06.2021 12:08 Uhr

Öko-Energie wird in Mecklenburg-Vorpommern vor allem durch Windkraft gewonnen. Der Anteil der Sonnenenergie soll wachsen. Die rot-schwarze Koalition will schnell Nägel mit Köpfen machen.

von Stefan Ludmann, NDR 1 Radio MV Aktuell

Kurz vor der Sommerpause hat der Landtag heute den Weg für einen neuen Kurs freigemacht: Solarparks sollen künftig auch auf normalen Acker- und Wiesenflächen entstehen. Bisher gilt: Photo-Voltaik-Anlagen dürfen nur entlang von Autobahnen oder Bahnlinien aufgestellt werden, auch auf ehemaligen Armee-Flächen oder geschlossenen Deponien ist das möglich. So soll es nicht bleiben. Die rot-schwarze Koalition will Ausnahmen vom Landes-Entwicklungs-Plan (LEP) ermöglichen. Solarparks können künftig - unter bestimmten Voraussetzungen - auch auf eher schlechten Agrar-Böden entstehen.

Backhaus sieht Beitrag zum Klimaschutz

Einzelne Anlage dürfen nicht größer als 150 Hektar sein - das sind gut 200 Fußballfelder. Auf das ganze Land verteilt soll höchstens eine Fläche von 50 Quadratkilometern mit diesen Solarparks bebaut werden - das entspricht der Fläche Greifswalds. Agarminister Till Backhaus (SPD) sagte in der Debatte, Bau-Anträge können sofort gestellt werden, da sei er sich mit Energieminister Christian Pegel (SPD) einig. Die gesamte Anlagefläche, so der Minister, könnten neun bis zehn Kohlekraftwerke ersetzen. Backhaus sieht darin einen wertvollen Beitrag zum Klimaschutz - darauf habe zuletzt auf das Bundesverfassungsgericht die Politik verpflichtet.

Es geht ums Geld und neue Einnahmequellen

Der CDU-Agrarexperte Holger Kliewe sagte, die Landwirte seien daran interessiert, "an dem Wachstumsmarkt der Erneuerbaren Energien" teilzuhaben. Damit macht Kliewe, der selbst Landwirt ist, klar: Es geht ums Geld und neue Einnahmequellen. Kliewe erklärte, die Kommunen müssten mit ins Boot, ohne ihre Zustimmung dürften die Anlagen nicht entstehen. Außerdem könnten Solarparks auch eingeschränkt landwirtschaftlich genutzt werden - beispielsweise als Schafweide.

Ausbau des Solarstroms lange vernachlässigt

Kritik meldete die AfD an: Flächen würden künftig nicht mehr landwirtschaftlich genutzt. Der Abgeordnete Bert Obereiner bezweifelte, dass die Anlagen genügend Strom produzieren, für eine sichere Versorgung sei Solarstrom nicht geeignet. Die Umweltexpertin der Linksfraktion, Mignon Schwencke, bedauerte, dass die Koalition "auf den letzten Drücker" mit dem Antrag komme. Der Ausbau des Solarstroms sei lange vernachlässigt worden. So werde die Möglichkeiten, die Dächer von öffentlichen Gebäude für den Solarstrom zu nutzen, längst nicht genutzt.

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Energieerzeugung nicht zulasten der Lebensmittelproduktion

Geteilt fiel die Reaktion des Bauernverbandes aus. Es sei kritisch zu sehen, dass eine "beträchtliche Fläche künftig für den Solarstrom und nicht für die Nahrungsmittelproduktion genutzt werden soll", so der Vizepräsident Manfred Leberecht. Energieerzeugung dürfe nicht zulasten regionaler Lebensmittelproduktion gehen. Allerdings würden auch die Landwirte den Bedarf sehen, Flächen für anderes zu nutzen. Solaranlagen tragen bundesweit etwa zehn Prozent zur Stromerzeugung bei, in Mecklenburg-Vorpommern ist der Anteil nur etwa halb so hoch.

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Radio MV | 10.06.2021 | 13:00 Uhr

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