Visualisierung der Elektrofähre © Ostseestaal/Ampereship Foto: Ostseestaal/Ampereship

Maritime Wirtschaft in Vorpommern: Mit Ideen gegen die Schiffbau-Krise

Stand: 05.08.2021 14:04 Uhr

Zwei Unternehmen aus MV umschiffen die Werftenkrise erfolgreich: Das Unternehmen Ostseestaal hat sich neue Geschäftsfelder erschlossen und der Hafen in Vierow wächst durch den Handel mit Agrarrohstoffen.  

Thomas Kühmstedt ist kein Typ, der mit den Erfolgen seines Unternehmens prahlt. Der Direktor von Ostseestaal in Stralsund ist ein eher ruhiger und besonnener Typ. Wenn man ihn aber gezielt danach fragt, wie es das ehemalige Zuliefererunternehmen für den Schiffbau trotz der immer wiederkehrenden Werftenkrisen geschafft hat, sich weltweit einen Namen zu machen, dann wird er gesprächig. "Wir können, flapsig gesagt, krumme Dinger machen." Es sei die Spezialität von Ostseestaal, Bleche krumm zu biegen.

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Dorf Stadt Kreis: Porträt von Thomas Naedler  Foto: Jörn Lehmann
45 Min

Folge 42 - Maritime Wirtschaft in Vorpommern

Die einen biegen Bleche, die anderen verschiffen vor allem Agrarrohstoffe. Ostseestaal aus Stralsund und der Hafen Vierow sind auf Erfolgskurs. 45 Min

Bleche für Mega-Yachten

Schon lange nicht mehr für Containerschiffe, die einst gleich neben Ostseestaal in der Stralsunder Werft gebaut wurden. Heute schneiden, formen und schweißen 200 Mitarbeiter Bausätze für die „Spielzeuge der Superreichen“, wie Kühmstedt verrät, also für Mega-Yachten.  Mit seinem Wissen in der Hydro- und Aerodynamik hat das Unternehmen zahlreiche neue Geschäftsfelder erschlossen, um weniger abhängig zu sein von den Werften. Das Unternehmen, das zur niederländischen Unternehmensgruppe Central Industry Group gehört, fertigt auch Bauteile für die Windkraftbranche und ist sogar im Bereich der Kunst aktiv. So stammt die Fassade des Ozeaneums von Ostseestaal, aber auch ein Kirchendach im österreichischen Hainburg, das wie eine Wolke auf dem Gotteshaus liegt und für das es sogar einen Stahl-Innovationspreis gab.

Hafen Vierow  - die Nummer zwei nach Rostock

Statt Stahl sind es vor allem Agrarrohstoffe, die Henning Bligenthals Unternehmen wachsen lassen hat. Neben dem Standort Vierow am Greifswalder Bodden gehen mittlerweile auch von Wolgast und Mukran Agrarprodukte auf bzw. vom Schiff. Gleich nach Rostock ist der Hafen Vierow mittlerweile die Nummer zwei auf diesem Gebiet. Logistiker Bligenthal beschäftigt 70 Mitarbeiter. Doch der Unternehmer macht sich große Sorgen, nicht weil ihm die Arbeit ausgehen könnte. Das Agrarland Mecklenburg-Vorpommern biete beste Voraussetzungen. Zu tun, sagt er, sei 365 Tage im Jahr. "Was jetzt geerntet wird, verladen wir das ganze Jahr nach Saudi  Arabien, Italien, England und Spanien."

Sorgen bereitet ihm, dass er keine Mitarbeiter mehr findet. "Von Fachkräften will ich gar nicht mehr sprechen, ich spreche nur noch von Kräften", erzählt Bligenthal. Das Problem betrifft auch Ostseestaal in Stralsund. Doch wie ist das Dilemma zu lösen? Gibt es überhaupt eine Lösung? Das hören Sie im neuen Podcast Dorf Stadt Kreis - Starke Geschichten aus dem Norden mit Thomas Naedler. Ab sofort in der ARD-Audiothek und in der kostenlosen NDR MV App.

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Radio MV | Dorf Stadt Kreis – starke Geschichten aus dem Norden | 05.08.2021 | 17:15 Uhr

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