Stand: 04.07.2017 17:24 Uhr

Schwesig will MV mit Leidenschaft regieren

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Mit der Wahl von Manuela Schwesig zur Ministerpräsidentin ist die Übergabe des Amtes von Erwin Sellering abgeschlossen.

Der Landtag von Mecklenburg-Vorpommern hat am Vormittag Manuela Schwesig (SPD) zur Ministerpräsidentin gewählt. 40 der 70 anwesenden Abgeordneten stimmten für die 43-Jährige. Ein Parlamentarier der CDU fehlte bei der Abstimmung krankheitsbedingt. Mindestens ein Abgeordneter aus dem Lager der Regierunsgkoalition verweigerte demnach Schwesig die Stimme. Die neue Regierungschefin leistete anschließend den Amtseid mit dem religiösen Zusatz "So wahr mir Gott helfe". Sie tritt die Nachfolge von Erwin Sellering an, der wegen einer schweren Krebserkrankung vorzeitig auf seine Spitzenämter in Partei und Regierung verzichtete.

Manuela Schwesig im Interview.

Manuela Schwesig ist neue Ministerpräsidentin

Nordmagazin -

Die Landtagsabgeordneten haben Manuela Schwesig zur Ministerpräsidentin Mecklenburg-Vorpommerns gewählt. Die 43-Jährige übernimmt das Amt von ihrem Mentor Erwin Sellering.

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"Ehre und Verpflichtung zugleich"

Schwesig ist die erste Frau an der Spitze einer Schweriner Landesregierung. Derzeit ist sie zudem die jüngste Regierungschefin in den 16 Bundesländern. Nach ihrer Vereidigung vor dem Landtag sagte Schwesig, es sei für sie "Ehre und Verpflichtung zugleich", Ministerpräsidentin Mecklenburg-Vorpommerns zu sein. Sie werde das Amt "mit aller Kraft, Erfahrung und Leidenschaft" zum Wohl der Bürger angehen.

Verfrühter Wechsel zurück nach Schwerin

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Manuela Schwesig ist die erste Frau als Ministerpräsidentin im Nordosten. Das eigens dafür angefertigte Schild hängt bereits an der Staatskanzlei.

Von 2008 bis 2013 war Schwesig Sozialministerin in Sellerings Kabinett, ehe sie dann Bundesfamilienministerin wurde. Schwesigs Wechsel von Berlin in die Schweriner Staatskanzlei kam zwar nicht überraschend, aber früher als erwartet. Ursprünglich wollte sie im September für den Bundestag kandidieren und als SPD-Spitzenkandidatin in Mecklenburg-Vorpommern ihrer Partei zu einem besseren Ergebnis verhelfen als bei den vorherigen Wahlen im Bund. Sellerings Krankheit änderte die Pläne schlagartig.

Schwesig will Sellerings Linie folgen

Politisch will Schwesig nicht viel ändern. Der Koalitionsvertrag gelte, hat sie mehrfach erklärt. Sie werde der Linie ihres Vorgängers Erwin Sellering treu bleiben. Es gehe darum, die Wirtschaft zu stärken und für gute Löhne zu sorgen, gleichzeitig Familien zu fördern und den sozialen Zusammenhalt zu stärken. Auch im Kabinett plant die neue Regierungschefin keine Änderung. Alle acht Minister sollen im Amt bestätigt werden - darunter auch Deutschlands dienstältester Ressortchef, Agrar- und Umweltminister Till Backhaus (SPD).

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SPD-Chef Schulz sichert Schwesig Unterstützung zu

SPD-Chef Martin Schulz zeigte sich überzeugt, dass die neue Ministerpräsidentin gute Arbeit leisten werde. "Natürlich hinterlässt Erwin Sellering große Fußstapfen, aber ich bin mir sicher, dass Du sie ausfüllen wirst. Du bist nah bei den Menschen im Land, kennst die Sorgen und Probleme und wirst das Land voran bringen", erklärte Schulz. Auf seine Unterstützung für die neue Aufgabe und die Unterstützung der SPD könne sich Schwesig verlassen, versicherte der SPD-Chef, der ihr eine "offene, fröhliche, aber auch kämpferische und durchsetzungsstarke Art" bescheinigte. SPD-Vize Ralf Stegner rechnet mit neuen Impulsen für die norddeutsche Zusammenarbeit. "Als Nachbar ist insbesondere Schleswig-Holstein viel daran gelegen", sagte Stegner in Kiel.

Koalitionspartner erwartet gute Zusammenarbeit

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Manuela Schwesigs wurde bei ihrer Wahl zur Ministerpräsidentin von ihrer Familie begleitet.

Die Landes-CDU in Mecklenburg-Vorpommern erwartet auch mit der neuen Regierungschefin eine gute Zusammenarbeit. CDU-Fraktionschef Vincent Kokert erklärte, er freue sich auf eine vernünftige und offene Atmosphäre in der Regierungskoalition. Allerdings dürfe der Bundestagswahlkampf die Arbeit der Koalition nicht überschatten. Die Linksfraktion überreichte der Ministerpräsidentin neben Blumen auch einen gerahmten Merkzettel mit ihren Erwartungen - unter anderem die kostenfreie Bildung von der Kita bis zur Berufsschule, mehr Erzieher und die Rentenangleichung in Ost und West. Auch AfD-Fraktionschef Leif-Erik Holm erwartet deutlichere Schwerpunkte in der Familienpolitik sowie bei der inneren Sicherheit. Zudem fordert er mehr Neutralität von Schwesig, die zuletzt beim Sonderparteitag in Linstow die AfD aufgefordert hatte, sich gegen Rechtsextremisten in den eigenen Reihen klarer abzugrenzen.

Erste Termine in Vorpommern

Schwesig wird an ihrem ersten Tag im Amt in der SPD-Fraktion vorbeischauen und dann erst einmal feiern. Am Abend lädt die SPD zum Sommerfest in ein Restaurant am Schweriner See. Am Mittwoch stehen dann die ersten Termine als Regierungschefin an - symbolisch gewählt im östlichen Landesteil Vorpommern. Am kommenden Mittwoch gibt Schwesig ihre erste Regierungserklärung ab.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Radio MV | 04.07.2017 | 18:00 Uhr

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