Wismar: Manuela Schwesig, die SPD-Landesvorsitzende und Ministerpräsidentin von Mecklenburg-Vorpommern, auf dem Sonderparteitag der SPD Mecklenburg-Vorpommerns. © dpa-Bildfunk Foto: Jens Büttner

Manuela Schwesig: Machtbewusst und den Wählern zugewandt

Stand: 14.11.2021 13:41 Uhr

Gute Löhne, starke Wirtschaft, Klimaschutz – einem Mantra gleich verkündet Manuela Schwesig seit Wochen die Quintessenz ihrer Ziele für die kommenden fünf Jahre. Seit der Landtagswahl Ende September ist die SPD-Politikerin in der Machtposition, dies relativ reibungslos anzugehen.

von Andreas Frost, ndr.de

Als Ministerpräsidentin führt sie eine - von ihr als "MV-Regierung" etikettierte - Koalitionsregierung, für die die Linke bereits angekündigt hat, sie wolle jeglichen Streit vermeiden. Als SPD-Ministerinnen und -Minister hat Schwesig ausschließlich enge Vertraute und Weggefährtinnen um sich geschart. Die 47-jährige SPD-Politikerin kam Mitte 2017 als Nachfolgerin des an Krebs erkrankten Regierungschefs Erwin Sellering ins Amt. Seitdem baute sie die Schweriner Staatskanzlei zu ihrer Machtzentrale um und zog die Zügel gegenüber den Fachministerien deutlich strenger an, als ihre Vorgänger es getan hatten. Das bekamen auch die damals mit der SPD zusammen regierenden CDU-Minister zu spüren.

Mit Kita- und Russland-Politik gepunktet

So zielstrebig und machtbewusst Schwesig auch ist, versteht sie es, mit ihrer offenen Art bei öffentlichen Terminen auf Bürgerinnen und Bürger zuzugehen, zuzuhören und mit ihnen zu reden. Ihr Wahlsieg, bei dem sie mit 39,6 Prozent das zweitbeste SPD-Ergebnis seit 1990 einfuhr, kommt nicht von ungefähr. Schwesig konnte in den vergangenen Jahren mit Themen wie dem Ausbau kostenloser Kitas, der Vereinbarkeit von Beruf und Familie und der Chancengleichheit für Frauen offenbar punkten. Auch nutzte sie die bei vielen Ostdeutschen vorhandene Sympathie für Russland und forderte etwa vehement die Fertigstellung der Erdgaspipeline Nord Stream 2 ein. Dafür ließ sie mit Steuergeldern eine Umweltstiftung gründen, die nebenher die am Pipelinebau beteiligten Firmen vor Sanktionen der USA beschützen sollte.

Karriere-Start in der Stadtvertretung

Ihre politische Karriere startete Schwesig 2004 als Mitglied der Stadtvertretung in Schwerin, wo der SPD offenbar schnell ihr politisches Talent auffiel. Jung, weiblich und ostdeutsch versprach sie zudem Lücken zu füllen, die das Profil der Sozialdemokraten damals aufwies. Doch Schwesig macht nicht Politik, um Lücken zu füllen. 2008 berief sie Ministerpräsident Erwin Sellering zur Sozialministerin Mecklenburg-Vorpommerns. Ein Jahr später mischte sie bereits im Schattenkabinett des SPD-Kanzlerkandidaten Frank-Walter Steinmeier mit. 2013 wechselte sie als Familienministerin ins Bundeskabinett.

Bundespolitische Ambitionen?

Auch in der SPD hat Schwesig seit 2009 auf Bundesebene mitgemischt. Erst als eine der stellvertretenden Bundesvorsitzenden. Nach dem Rücktritt von Andrea Nahles war sie 2019 für eine einige Monate auch eine von drei kommissarischen Bundesvorsitzenden. Ob sie weiterhin bundespolitische Ambitionen hat, ließ sie jüngst offen.

Eigene Krebserkrankung öffentlich gemacht

Manuela Schwesig ist verheiratet, sie hat einen Sohn und eine Tochter. Sie wurde 1974 in Frankfurt (Oder) geboren. In Brandenburg verlebte sie auch ihre Kindheit und legte das Abitur ab. In Königs-Wusterhausen absolvierte sie ihr Studium zur Diplom-Finanzwirtin und lernte ihren Ehemann Stefan kennen. Im Jahr 2000 zogen die beiden nach Schwerin, wo Schwesig im Finanzministerium arbeitete. 2019 erkrankte Manuela Schwesig an Brustkrebs. Sie ließ sich davon ausbremsen, aber nicht unterkriegen. Sie blieb im Amt und machte ihre Krankheit öffentlich, auch um anderen Frauen in solchen dramatischen Situationen Mut zu machen. Dafür bekam sie viel Zuspruch aus der Bevölkerung. Ein Jahr später konnte sie erleichtert durchatmen, als sie mitteilte: "Ich bin wieder gesund."

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