Stand: 07.06.2020 18:16 Uhr

Malchin: Rentner auf der Spur von 53.000 Namen

von Heiko Kreft, NDR 1 Radio MV

Auf der Suche nach Spuren seiner eigenen Vorfahren ist der Malchiner Udo Dohms in alten Unterlagen auf viele "fremde" Namen gestoßen. Die hat er in jahrelanger Fleißarbeit zu einem Ortsfamilienbuch für Malchin (Landkreis Mecklenburgische Seenplatte) zusammengefasst - eine Fundgrube für viele Familienforscher aus der Region. Egal ob Familie Schulz, Pisch, Tiede oder Bülch - Udo Dohms kennt sie alle. Er ist der Mann mit 53.000 Namen. Mit Hilfe alter Kirchenbücher aus dem Archiv der Nordkirche erarbeitete der Rentner fünf Bände mit insgesamt 4.366 Seiten. Es ist das umfangreichste Buch dieser Art in Mecklenburg-Vorpommern.

VIDEO: Ahnenforschung: Malchiner verfasst Ortsfamilienbuch (2 Min)

Täglich sechs bis acht Stunden

Am Anfang stand bei Udo Dohms das Interesse an der eigenen Familiengeschichte: "Wo komme ich her? Wo sind meine Wurzeln? Was waren meine Vorfahren? Waren sie Bauern? Viele denken ja, sie haben eventuell einen Adligen in der Familie." Seine Vorfahren waren Schäfer und Schuster, er kann sie bis ins 18. Jahrhundert zurückverfolgen. Sie lebten auch in der Region. Fünf Jahre Arbeit hat er dann aber in das Ortsfamilienbuch für Malchin gesteckt. Mit eiserner Disziplin tippte er riesige Datenmengen in ein spezielles Computerprogramm und rekonstruierte so manche längst vergessenen Verwandtschaftsverhältnisse. Pausen gönnte sich der pensionierte Malermeister kaum. "Meistens habe ich sechs bis acht Stunden fast täglich gesessen. Das konnte ich aber auch nur als Rentner machen. Wenn jemand das machen würde, der praktisch noch im Beruf steht - der wäre heute noch nicht fertig."

Familie seit 1692 in Malchin

Ausschnitt eines Kirchenbuches, den Udo Dohms aus Malchin in dem von ihm erstellten Ortsfamilienbuch verarbeitet hat. © NDR Foto: Screenshot
Auszug aus einem Kirchenbuch, den Udo Dohms für das Ortsfamilienbuch verarbeitet hat.

Die größte Hürde war die undeutliche Handschrift einiger Pastoren, die die Kirchenbücher führten. Beim Entziffern einiger "Hieroglyphen" halfen ihm Freunde vom Verein für Mecklenburgische Familien- und Personengeschichte. Während seiner Arbeit entdeckte Udo Dohms, dass einige Malchiner Familien bereits über 350 Jahre in der Stadt leben. Die Meysahns zum Beispiel betrieben schon 1692 eine Böttcherei. Tradition bedeutet der Familie viel. "Ich ziehe den Hut! Ehrfurchtsvoll. Es ist wahnsinnig viel Arbeit, Aufwand. Und da braucht man viel Ehrgeiz", lobt Silvia Meysahn Rentner Dohms. Seinen Datenschatz möchte Udo Dohms demnächst ins Internet stellen. Denn die gedruckte Version war schon nach wenigen Tagen vergriffen.

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Radio MV | 07.06.2020 | 19:30 Uhr

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