MV-Werften: Weiter keine Details zu möglichen Entlassungen

Stand: 03.12.2020 14:33 Uhr

Die Geschäftsführung der krisengeschüttelten MV-Werften hat dem Wirtschafts- und Finanzausschuss des Landtags Rede und Antwort gestanden. Details zu möglichen Entlassungen wurden nicht genannt. An zwei Schiffen wird weitergebaut.

Die Lage der MV-Werften mit ihren Standorten in Warnemünde, Stralsund und Wismar hat erneut den Landtag von Mecklenburg-Vorpommern beschäftigt. Der Wirtschafts- und der Finanzausschuss wollten am Donnerstag in einer gemeinsamen Sitzung mehr über die Situation bei der Werftengruppe erfahren. Nach Aussagen der Werften-Geschäftsführer Peter Fetten und Carsten Haake ist beabsichtigt, die beiden derzeit in Bau befindlichen Schiffe weiterzubauen - unter Beachtung der Corona-Abstandsgebote sowie mit weniger Personal. In Wismar wird derzeit das 342 Meter lange Kreuzfahrtschiff "Global 1" gebaut, in Stralsund die 165 Meter lange Luxus-Expeditionsjacht "Crystal Endeavor".

Keine Einzelheiten zu möglichen Entlassungen

Wie es weiter hieß, sei im Zuge der Corona-Pandemie das Auftragsvolumen der Werftengruppe eingebrochen. Nun würden weniger Schiffe gebaut und dafür würden weniger Beschäftigte benötigt. Details zu den im Raum stehenden Entlassungen - die Rede ist von rund 1.200 der insgesamt 3.200 Jobs und einer Nicht-Übernahme der Auszubildenden - nannten Fetten und Haake nicht. Die Geschäftsführung sagte nach den Gesprächen in den Ausschüssen, dass es nun in erster Linie darum gehe, dass Bund und Genting eine gute Lösung finden, damit die Schiffe - mit staatlicher Hilfe - weitergebaut werden können. "Wir bleiben optimistisch und arbeiten an den Projekten weiter. Wir machen das, was wir am Besten können: Schiffe bauen", sagte Haake.

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Glawe hofft auf Gutachten noch in diesem Jahr

Um aus der Krise zu kommen, wollen die MV-Werften Geld vom Staat. Insgesamt geht es um Kredite im Wert von 575 Millionen Euro. Knapp 200 Millionen Euro hat der Bund bereits bewilligt. Allerdings fehlen noch immer Gutachten, die dem Genting-Konzern, zu dem die MV-Werten gehören, eine wirtschaftliche Perspektive bescheinigen. Wirtschaftsminister Harry Glawe (CDU) erklärte nach den Gesprächen, er hoffe, dass die seit Monaten ausstehenden Gutachten zu den Zukunftsaussichten wie angekündigt noch in diesem Jahr vorliegen werden. Der Minister sieht Werfteigner Genting Hongkong am Zug. "Wir erwarten endlich klare Aussagen, wann das Gutachten zur Zukunft des Konzerns kommt und welchen Beitrag Genting selbst zur Rettung der Werften leistet." Laut Glawe wird der Präsident der Genting-Gruppe, Colin Au, in der kommenden Woche zu weiteren Gesprächen in Berlin und Schwerin erwartet.

"Die bestmögliche Lösung finden"

"Da hängen ein paar Tausend Arbeitsplätze dran - und die müssen - wie auch immer - erhalten werden", sagte Stefan Schad, Verhandlungsführer der IG Metall Küste. Gewerkschaften, Werftenführung und die Landesregierung würden am Ball bleiben, so Schad weiter. "Mein Grundeindruck ist schon, dass es auf den Werften weitergehen wird", gab sich Henning Foerster von der Linksfraktion optimistisch. Der bedauerliche Personalabbau sei Teil eines Restrukturierungsprozesses und vor dem gegenwärtigen Hintergrund wohl auch nicht abwendbar. "Deswegen geht es jetzt darum, für die betroffenen Kolleginnen und Kollegen die bestmöglichen Lösungen zu finden."

Zuletzt hatte Mecklenburg-Vorpommerns Finanzminister Reinhard Meyer (SPD) erklärt, es sei schwer zu vermitteln, wenn das Unternehmen öffentliche Finanzhilfe haben wolle, aber gleichzeitig einen massiven Beschäftigungsabbau betreibe.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Radio MV | 03.12.2020 | 16:10 Uhr

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