Stand: 07.09.2020 16:15 Uhr

MV: Weniger Privatinsolvenzen

Eine Akte und ein Antrag auf Privatinsolvenz. © picture alliace Foto: Alexander Heinl
Schuldnerberatungsstellen warten derzeit auf eine Änderung des Privatinsolvenzrechts - die Aussicht auf eine verkürzte Entschuldung führt vielerorts zu Antragsstaus (Symbolbild).

Die Zahl der Privatinsolvenzen ist in Mecklenburg-Vorpommern im Vergleich zum Vorjahreshalbjahr um rund 14 Prozent gesunken. Im ersten Halbjahr 2019 stellten 922 Verbraucher einen Antrag, in den ersten sechs Monaten diesen Jahres nur 790. Schuldnerberater warnen aber vor Optimismus: Die Beratungsstellen waren im Frühjahr fast anderthalb Monate lang geschlossen. Da liegt es auf der Hand, dass weniger Anträge auf eine private Entschuldung eingereicht werden konnten.

Antragsstau wegen Gesetzesänderung

Hinzu kommt, dass die Schuldnerberatungsstellen momentan Anträge zurückhalten - sie warten auf eine wichtige Gesetzesänderung aus Berlin. Das Privatinsolvenzrecht soll modernisiert werden: So kann man sich in Zukunft zum Beispiel innerhalb von drei Jahren entschulden und nicht mehr, wie bislang, in sechs Jahren. Diesen Vorteil wollen sich natürlich viele Klienten sichern; deshalb gibt es vielerorts einen Antragsstau. Die Novellierung sollte eigentlich bis Oktober vom Bundestag verabschiedet werden, noch ist das aber nicht sicher.

Experten: Frühzeitige Beratung ist wichtig

Fachleute gehen davon aus, dass erst Ende 2020, Anfang 2021 klar sein wird, wieviele Menschen durch die Folgen der Corona-Krise in finanzielle Bedrängnis geraten sind. Eine Verbraucherinsolvenz zieht sich meist hin: zunächst müssen die Papiere sortiert und versucht werden, eine Einigung mit den Gläubigern hinzubekommen. Erst dann kann der Privatinsolvenzantrag gestellt werden. Die Beratungsstellen raten Verbrauchern, die z.B. durch Kurzarbeit oder Entlassungen in finanzielle Engpässe geraten, ohne Scheu frühzeitig zur Beratung zu kommen. Sind die Schulden noch gering, kann oft schnell geholfen werden. Der Appell: Nicht erst warten, bis es zu spät ist und nur noch der Gang zum Insolvenzgericht bleibt.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Radio MV | Die Nachrichten | 07.09.2020 | 16:15 Uhr

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