Eine Altenpflegerin reicht einer Bewohnerin auf einer Pflegestation das Essen an. © picture alliance Foto: Sven Hoppe

MV: Corona in Pflegeeinrichtungen - Arbeiten am Limit

Stand: 04.02.2021 15:00 Uhr

Etwa 200 Bewohner von Pflegeeinrichtungen in MV sind seit Oktober im Zusammenhang mit Corona gestorben. Auch im Augustenstift in Schwerin grassierte das Virus. Für Pflegerinnen und Pfleger bedeutet das eine extreme Belastung.

Die Pflegekräfte in den Alten- und Pflegeheimen in Mecklenburg-Vorpommern tun täglich ihr Bestes, um in Corona-Zeiten die Bewohner in den Heimen gut zu versorgen. Sie machen Überstunden, sehen manchmal wochenlang ihre Partner oder Kinder nicht, arbeiten mit Schutzausrüstung und halten komplexe Hygienevorschriften ein. Trotzdem kommt es gerade in Pflegeheimen immer wieder zu teils schweren Corona-Ausbrüchen - manchmal mit vielen Todesopfern. Landesweit wurden seit Herbst über 2.700 Menschen in Alten- und Pflegeheimen mit Corona infiziert - rund 1.900 Senioren und knapp 890 Mitarbeiter. Etwa 245 Bewohner von Heimen sind seit Oktober in Zusammenhang mit Corona gestorben.

Auch Augustenstift in Schwerin war betroffen

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Im Herbst hatte es auch die Evangelische Altenhilfe- und Pflegeeinrichtungen Augustenstift in Schwerin getroffen. Eine Mitarbeiterin wurde positiv getestet, später ein Bewohner, der getestet wurde, weil er in die Klinik sollte. Am Ende waren dutzende Menschen infiziert, sechs Bewohner des Augustenstift starben an oder mit Covid-19. Die Mitarbeiter fühlten sich hilflos, erzählt Daniela Raasch, die stellvertretende Pflegedienstleiterin des Augustenstift, im Podcast von NDR MV: Alle hatten sich an die Hygieneregeln gehalten, auf Abstand geachtet, Schutzkleidung getragen - dennoch grassierte das Virus in der Einrichtung.

Extreme Belastung für die Pflegekräfte

Daniela Raasch, stellvertretende Pflegedienstleiterin im Pflegeheim Augustenstift in Schwerin, im Studio von NDR 1 Radio MV © NDR Foto: Thomas Naedler
"Die Mitarbeiter fühlen sich hilflos": Pflegedienstleiterin Daniela Raasch berichtet von extremen Belastungen für Pflegerinnen und Pfleger in der Corona-Pandemie.

Auch Pflegerinnen und Pfleger wurden krank oder mussten in Quarantäne - das bedeutet noch mehr Arbeit für die, die noch ihren Dienst machen konnten. Eine extreme Belastung bis hinein ins Privatleben: Daniela Raasch erzählt von einer Mitarbeiterin, einer jungen Mutter, die wochenlang ihr zweijähriges Kind nicht gesehen hatte. Aus Angst, sie könne das Virus mit nach Hause bringen und ihr Kind anstecken, hatte die junge Frau es zu Verwandten gegeben. Allerdings, so Daniela Raasch, habe die junge Frau in all der Zeit nicht eine Sekunde darüber nachgedacht, nicht zur Arbeit zu kommen.

Pflege braucht nicht nur Wertschätzung, sondern deutlich mehr Geld

Im Podcast mahnt der Pflegeforscher Stefan Görres von der Universität Bremen, dass dringend in die Pflege investiert werden muss - Milliarden seien nötig. Es sei gut, dass der Pflegeberuf mehr wertgeschätzt werde, aber das allein reiche nicht aus. Die Pflegekräfte seien zum Teil extrem belastet, er sehe eine unendliche Müdigkeit, so Görres, auch Burnout und Traumata. Wenn es nicht bald ein Licht am Ende des Tunnels gebe, drohe eine dauerhafte Überforderung, so Görres.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Radio MV | 04.02.2021 | 15:00 Uhr

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