Edel-Mineralwasser "Minus181" wird ausgestellt.

Luxus-Wasser-Affäre: Ermittlungen gegen Parchimer Bürgermeister

Stand: 25.03.2021 06:00 Uhr

Es sollte die Erfolgsmarke für Parchim werden, es wurde ein großer Reinfall: Das Luxus-Wasser "Minus 181" hat der Stadt nur Verluste beschert. Jetzt ermittelt die Staatsanwaltschaft gegen den Bürgermeister.

von Stefan Ludmann, NDR 1 Radio MV

Die Staatsanwaltschaft Schwerin ermittelt gegen den Parchimer Bürgermeister Dirk Flörke (CDU). Es geht um den Verdacht der Untreue. Flörke soll der Stadt durch kommunale Beteiligung an dem inzwischen aufgelösten Mineralwasser-Betrieb Minus 181 GmbH finanziell geschadet haben. Ermittler haben vor zwei Wochen nach einem Beschluss des Amtsgerichts Schwerin die Büroräume des 51-Jährigen im Parchimer Rathaus durchsucht.

Bundesweite Schlagzeilen - Literpreis von 27 Euro

Das Edelwasser "Minus 181" - benannt nach der Bohrtiefe der Quelle - brachte die Kreisstadt Parchim 2019 bundesweit in die Schlagzeilen. Auslöser war ein Bericht des Landesrechnungshofs. Der kommunale Abfüllbetrieb sollte das Mineralwasser im Luxussegment etablieren und hatte dabei unter anderem Spitzenhotels als Abnehmer im Visier - zu einem Literpreis von 27 Euro. Der Rechnungshof warf der Kommune vor, gegen die Grundsätze der Sparsamkeit und Wirtschaftlichkeit zu verstoßen. Der Vertrieb eines Luxus-Wassers erfülle keinen öffentlichen Zweck.

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Nur Wasser im Wert von 4.000 Euro verkauft

Das erhoffte Geschäft brachte dem Haupteigner - den Stadtwerken Parchim - am Ende mehrere Hunderttausend Euro schwere Verluste. Im vergangenen August wurde der Betrieb aufgelöst. Im letzten Geschäftsbericht hieß es: "Der ersehnte Erfolg in der definierten Zielgruppe (Ultra-Premium-Segment) blieb aus." Bei einem Stammkapital von einer Million Euro hat das Unternehmen in der Zeit seines Bestehens Wasser im Wert von 4.000 Euro verkauft. Die hochtrabenden Ambitionen und der Misserfolg brachte "Minus 181" auch eine Erwähnung im Schwarzbuch der Steuerzahler.

Flörke weist Vorwürfe zurück

Bei ihren Durchsuchungen am 10. März sicherte die Staatsanwaltschaft dann Akten und anderes Beweismaterial im Parchimer Rathaus. Das bestätigte ein Sprecher auf NDR Anfrage. Der Vorwurf: Flörke habe mit dem 24.000 Euro schweren Kommunal-Anteil Geld veruntreut. Der CDU-Politiker wies in einer persönlichen Erklärung an die Stadtvertreter die Vorwürfe zurück, eine kommunale Beteiligung sei 2017 vom Stadtparlament gebilligt worden. Die Durchsuchung sei im übrigen nicht verhältnismäßig, die Stadt werde aber mit den Ermittlern kooperieren.

Ermittelt wird auch gegen den Chef der Parchimer Stadtwerke, Dirk Kempke. Auch bei ihm gab es Durchsuchungen. Kempke wollte sich auf Anfrage nicht äußern und verwies auf eine anstehende Aufsichtsratssitzung der Stadtwerke. Einen Käufer für den Parchimer Luxuswasser-Betrieb haben die Stadtwerke trotz monatelanger Bemühungen noch nicht gefunden. Im letzten Geschäftsbericht heißt es dazu: "Die Aussichten, unter den aktuellen gesellschaftlichen und ökonomischen Bedingungen einen Mutigen zu finden, der das entwickelte Produkt mit seinen Erfahrungen erfolgreich macht, stehen denkbar schlecht."

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Radio MV | 25.03.2021 | 07:00 Uhr

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