Archiv: Umschläge zuM "Equal Pay Day" liegen am 18.03.2017 in Hamburg an einem Stand des DGB. © Axel Heimken/dpa Foto: Axel Heimken

Lohnlücke: Frauen verdienen in MV sechs Prozent weniger

Stand: 10.03.2021 11:25 Uhr

In Mecklenburg-Vorpommern verdienen Frauen im Durchschnitt brutto sechs Prozent weniger als Männer. Darauf hat der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) am "Equal Pay Day" hingewiesen.

Am internationalen Aktionstag für Entgeltgleichheit, dem "Equal Pay Day", hat der DGB daran erinnert, dass in Mecklenburg-Vorpommern arbeitende Frauen im Durchschnitt sechs Prozent weniger Bruttolohn bekommen als Männer. Nach aktuellen Zahlen des Statistikamts betrug der Bruttostundenverdienst von Frauen in Mecklenburg-Vorpommern 2020 durchschnittlich 16,42 Euro, so Lisanne Straka vom DGB Nord. Männer hingegen verdienten 17,41 Euro. Bundesweit klafft allerdings eine Lohnlücke, international als Gender Pay Gap bezeichnet, von 18 Prozent zwischen Frauen und Männern. Bundesweit arbeiten Frauen häufiger in den schlechter bezahlten Branchen, häufiger in Teilzeit und seltener in Führungspositionen. Lisanne Straka: "Die geringere Lohnlücke in Mecklenburg-Vorpommern ist aber kein Grund zum Jubeln. Im Niedriglohnland Mecklenburg-Vorpommern wird grundsätzlich weniger verdient als im Bundesdurchschnitt, deshalb ist die Lohnschere nicht so weit auseinander." Generell bräuchte es eine Aufwertung der Berufe, in denen mehr Frauen arbeiten, fordert der DGB.

69 Tage Extra-Arbeit

In diesem Jahr wird der Equal Pay Day am 10. März begangen. Das ist der Tag, bis zu dem Frauen rechnerisch gesehen weiterarbeiten müssten, um genauso viel zu verdienen wie Männer im vergangenen Jahr – also 69 Tage lang. Eine Studie des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) kommt zu dem Schluss, dass Deutschland 2018 bei einem Vergleich der Gender Pay Gaps von 34 Ländern auf dem 31. Platz gelandet ist. Die Autorinnen Julia Schmieder und Katharina Wrohlich wiesen jedoch darauf hin, dass sich eigentlich nur Länder mit einer ähnlich hohen Frauenerwerbsquote vergleichen lassen. Unter 14 Ländern, auf die das zutrifft, landete Deutschland auch weit hinten auf dem drittletzten Platz.

"Bereinigte" Lücke deutlich kleiner

2019 lag der Gender Pay Gap in Deutschland bei 19 Prozent und damit erstmals unter 20 Prozent. Dabei handelt es sich nach Angaben des Statistischen Bundesamtes um den unbereinigten Gender Pay Gap, bei dem allgemein der Durchschnittsverdienst aller Arbeitnehmer und Arbeitnehmerinnen verglichen wird. So wird auch der Teil des Verdienstunterschieds erfasst, der beispielsweise durch schlechtere Zugangschancen von Frauen zu unterschiedlichen Berufen oder Karrierestufen verursacht wird. Dagegen misst nach Angaben des Amtes der bereinigte Gender Pay Gap den Verdienstunterschied zwischen Männern und Frauen mit vergleichbaren Qualifikationen, Tätigkeiten und Erwerbsbiografien. Strukturbedingte Faktoren sind hier also weitgehend herausgerechnet. Der bereinigte Gender Pay Gap wird nur alle vier Jahre berechnet. Er betrug 2018 bundesweit sechs Prozent.

Was ist der "Equal Pay Day"?

1966 riefen in den USA Frauen- und Bürgerrechtsbewegungen gemeinsam mit Gewerkschaften und kirchlichen Gruppen zum ersten "Equal Pay Day" auf. In Deutschland fand der Tag erstmals 2008 auf Initiative des Netzwerkes Business and Professional Women Germany statt. Die roten Taschen stehen für die roten Zahlen in den Geldbörsen der Frauen aufgrund der ungleichen Bezahlung. Zum Equal Pay Day wird in zahlreichen Ländern aufgerufen, jedoch an unterschiedlichen Terminen. In Deutschland ist der "Equal Pay Day" der Tag, bis zu dem Frauen über den Jahreswechsel hinaus arbeiten müssen, um auf das durchschnittliche Jahreseinkommen der Männer zu kommen.

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Radio MV | 10.03.2021 | 12:00 Uhr

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