Stand: 06.07.2020 14:12 Uhr  - NDR 1 Radio MV

Löwenzahn als neue Kautschuk-Quelle

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Ursprünglich kommt der Forschungs-Löwenzahn aus Kasachstan.

Kinder lieben ihn, vor allem seine Pusteblumen. Und Menschen, die auf alternative Medizin setzen, schwören auf die Heilkraft des Löwenzahns. Noch schwer vorstellbar ist hingegen, dass die Pflanze zu Autoreifen verarbeitet wird. Gleichwohl wird am Bundesforschungsinstitut für Kulturpflanzen, dem Julius-Kühn-Institut in Groß Lüsewitz bei Sanitz (Kreis Rostock), erforscht, ob und wie aus der Milch des Löwenzahns Naturkautschuk gewonnen werden kann.


Schritt für Schritt mehr Kautschuk-Gehalt

Die Blätter sehen aus wie die des Rucolas. Ihre kleinen gelben Blüten sind etwa so groß wie ein Fünf-Cent-Stück: Taraxacum Kok Saghyz. Dieser russische Löwenzahn steht dort Topf an Topf in einem Gewächshaus. "Diese Pflanze ist schon weiter entwickelt. Sie hat bereits einen sehr hohen Kautschukgehalt", erzählt Helge Flüß, der Leiter des Forschungsprojektes. Die ersten Pflanzen, die bearbeitet wurden, kamen noch aus Wildsammlungen aus dem Ursprungsgebiet in Kasachstan. Sie wurden in den vergangenen Jahren Schritt für Schritt weiter entwickelt und auf einen hohen Kautschukgehalt selektiert.


Noch sind die Pflanzen zu klein

Agrarwissenschaftler Flüß erläutert das Verfahren anhand zweier Löwenzahnpflanzen. Die eine hat einen hohen, die andere einen geringen Kautschukgehalt. "Sie werden miteinander gekreuzt, um in den Nachkommen zu erforschen, wie sich der hohe Kautschukgehalt auf die nachkommenden Generationen vererbt." Die Informationen sind für Züchter wichtig, um optimales Saatgut zu entwickeln. Ziel der Forschung ist es, heimische Landwirte zu animieren, Löwenzahn anzubauen.

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So hätte man eine Alternative zum Kautschukbaum, der größtenteils in Plantagen in Südostasien wächst. Einige Landwirte in Mecklenburg-Vorpommern machen mit. In der Anklamer Region bauen sie Löwenzahn versuchsweise an. Noch aber gibt es ein Problem: die Pflanzen sind zu klein. Helge Flüß: "Dementsprechend ist der Löwenzahn anfällig für Unkraut und wird auch schnell von Unkraut im Feld überwuchert." Die Wissenschaftler hoffen, dem Manko zu begegnen, indem sie den Löwenzahn wüchsiger, also größer und kräftiger züchten.

Bereits vor 100 Jahren wurde am Löwenzahn geforscht

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Gewächshaus als Forschungslabor: Topf an Topf steht der Löwenzahn.

Autoreifen, Dichtungsringe, Matratzen - die Nachfrage nach Naturkautschuk steigt stark von Jahr zu Jahr. Auch aus ökologischer Sicht ergibt es Sinn, nach neuen Kautschuk-Quellen zu suchen, da für die Kautschuk-Plantagen häufig Regenwälder gerodet werden. Bereits während der beiden Weltkriege wurde über Löwenzahn als Rohstoff nachgedacht. "Weil man damals schon nach einer autarken Quelle gesucht hat, um sich unabhängig zu machen von den Importen aus den Plantagen", berichtet Helge Flüß, "und so ist man mehr oder weniger zufällig auf diesen Löwenzahn gekommen". Allerdings schlief die Forschung wieder ein. Vor wenigen Jahren wurde sie wiederbelebt. Das Forschungsprojekt in Groß Lüsewitz läuft noch bis 2023. Partner sind neben Zuchtunternehmen die Universität Münster und das dortige Fraunhofer-Institut.

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Radio MV | 06.07.2020 | 14:00 Uhr

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