Stand: 06.05.2020 11:31 Uhr

Kranunfall: Liebherr sieht Schuld bei Hakenhersteller

Nach dem Kranunfall im Rostocker Überseehafen schließt der Kranhersteller Liebherr einen eigenen Konstruktions- und Produktionsfehler aus. Das hat das Unternehmen am Mittwochvormittag mitgeteilt. Nach Angaben von Liebherr gehen die zuständigen Behörden und Experten zum jetzigen Ermittlungszeitpunkt einhellig von einem gebrochenen Kran-Haken als Unfallursache aus. Die Entwicklung und Herstellung dieses Hakens sei von einem externen Lieferanten zugekauft worden.

Haken hielt Überlasttest vermutlich nicht stand

Nach Informationen der Polizei handelt sich bei dem Zulieferer um eine niederländische Firma. Bei dem branchenüblichen Überlasttest - in diesem Fall mit einem Gewicht von 5.500 Tonnen - sei der Haken nach aktuellem Ermittlungsstand bei einer Belastung von 2.600 Tonnen gebrochen. Das habe die Kettenreaktion ausgelöst, so Liebherr. Durch die plötzlich fehlende Last hat sich der Ausleger des Krans, der auf einem Spezialschiff montiert war, in die andere Richtung überschlagen und ist umgeknickt.

Liegeplatz derzeit noch gesperrt

Nach ersten Schätzungen des Unternehmens beläuft sich der Schaden auf einen hohen zweistelligen Millionenbetrag. Bei dem Unfall wurden zwölf Menschen verletzt, zwei von ihnen schwer, aber nicht lebensgefährlich. Die Umweltbelastung war relativ gering. Nach Angaben des Hafenkapitäns Falk Zachau seien nur wenige Liter Öl ins Hafenbecken geflossen, die mit einer Ölsperre geblockt wurden.

Der Liegeplatz ist derzeit noch gesperrt, während der Betrieb im restlichen Überseehafen normal weiterläuft. Die Behörden und beteiligten Unternehmen sind im ständigen Austausch, um die Ermittlungen weiter voranzutreiben.

Bereits im Januar Kräne beim Verladen umgestürzt

Der havarierte Kran sollte für die Montage von Offshore-Anlagen eingesetzt werden. Nach Angaben von Liebherr erreichen die Ausleger der Baureihe eine Höhe von bis zu 180 Metern, die Ausleger können einen Radius von bis zu 160 Metern abdecken. In 30 Metern Entfernung von der Standsäule des Krans soll er bis zu 5.000 Tonnen tragen können.

Erst Ende Januar dieses Jahres waren im Rostocker Seehafen zwei 440 Tonnen schwere Mobilkräne beim Verladen auf ein Spezialschiff ins Hafenbecken gestürzt. Dort lagen sie mehr als fünf Wochen lang, bis ein spezieller Schwimmkran aus den Niederlanden die Maschinen bergen konnte.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Radio MV | Die Nachrichten | 06.05.2020 | 12:00 Uhr

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