Stand: 25.05.2020 07:26 Uhr  - NDR 1 Radio MV

Lesesaal des Stralsunder Stadtarchivs öffnet wieder

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In Corona-Zeiten müssen alle Bücher und Akten nach der Benutzung in eine 72-stündige Quarantäne.

Der seit Oktober 2012 geschlossene Lesesaal des Stralsunder Stadtarchivs kann heute wieder öffnen. Das gesamte Archivmaterial ist für rund eine Million Euro gereinigt worden - tausende Bücher, wertvolle Handschriften und Drucke, Akten und Urkunden. Vor acht Jahren erschütterte der Skandal um die von Schimmel befallenen und widerrechtlich verkauften Archivschätze der Welterbestadt Stralsund (Landkreis Vorpommern-Rügen) nicht nur die Stadt selbst. Der Aufschrei über die Zustände im Johanniskloster, in dem das Archiv lagerte, ging weit über die Landesgrenzen hinaus. Das Archiv wurde geschlossen. Es wieder nutzbar zu machen, war ein Mammutprojekt - der gesamte Bestand musste gesichert und die Gebäude so hergerichtet werden, dass darin wieder gearbeitet werden kann.

Bestand lagert in ehemaliger NVA-Nachrichtenzentrale

Die rund 125.000 Bände und 9.000 Urkunden sind fachmännisch vom Schimmel befreit worden und lagern nun unter idealen Bedingungen im neuen Depot. Dafür wurde eine ehemalige NVA-Nachrichtenzentrale am Stadtrand für rund fünf Millionen Euro hergerichtet. Von dort muss das Material, mit dem die Nutzer arbeiten wollen, geholt werden. Deshalb müssen sich Leser anmelden und angeben, womit sie arbeiten wollen. Auch die Zahl der Bestellungen ist beschränkt. Wegen der Corona-Pandemie gilt zudem die Regelung, dass alle benutzten Bücher oder Akten anschließend in eine 72-stündige Quarantäne müssen.

Badrow: "Wiedereröffnung ist ein Meilensten"

Stralsunds Oberbürgermeister Alexander Badrow (CDU) sieht in der Öffnung des Lesesaals einen Meilenstein in der Bewältung des Skandals um das Stadtarchiv. „Wir haben jetzt acht Jahre gebraucht, allerdings auch, um etwas Großartiges fertigzubringen. Wenn ich noch einmal zurückdenke an 2012, das war für uns alle ein Riesenschock. Aber ich freue mich, dass wir das Thema insgesamt so bewerkstelligt haben und uns am Ende mit einem vernünftigen und akzeptablen Ergebnis präsentieren können.“ Ein nächster Schritt soll Badrow zufolge die umfassende Sanierung des Johannisklosters sein. Auch von den damals knapp 6.000 widerrechlich verkauften Büchern der Gymnasialbibliothek sind rund 90 Prozent wieder nach Stralsund zurückgekehrt.

Neue Internetseite und neuer Stadtarchivar

Die Internetseite des Stralsunder Stadtarchivs ist ebenfalls überarbeitet. Sie informiert unter anderem über das Ausleih-Prozedere, auch eine Online-Recherche ist möglich. Der Historiker Dr. Dirk Schleinert, ein ausgewiesener Pommernexperte, hat das Amt des Stadtarchivars übernommen.

Weitere Informationen

Schimmelbefall im Stralsunder Stadtarchiv

17.10.2012 19:05 Uhr

Stralsunds Oberbürgermeister Badrow hat das Archiv der Hansestadt bis auf Weiteres schließen lassen. Grund ist der Schimmelbefall von diversen Büchern, Urkunden und Akten. mehr

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Radio MV | 24.05.2020 | 13:00 Uhr

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