Der angeklagte Stiefvater der gewaltsam zu Tode gekommenen Leonie verdeckt im Prozess in Neubrandenburg sein Gesicht. © dpa-Bildfunk Foto: Bernd Wüstneck

Leonie-Prozess: Urteil teilweise aufgehoben

Stand: 05.10.2020 10:49 Uhr

Im Fall des gewaltsamen Todes der sechsjährigen Leonie aus Torgelow hat der Bundesgerichtshof das Urteil des Neubrandenburger Landgerichts teilweise aufgehoben. Nun muss zum Teil neu verhandelt werden.

Dabei geht es um die Frage, ob der Angeklagte seine Stieftochter Leonie am Tag ihres Todes vorsätzlich so sehr misshandelt hatte, dass das Kind starb - um frühere Taten zu vertuschen. Darauf nämlich gibt es in der Urteilsbegründung, so heißt es vom Bundesgerichtshof, keinen Hinweis. Dies sei jedoch - so der Bundesgerichtshof weiter - für die rechtliche Einordnung entscheidend.

Geschehen unstrittig

Das Geschehen, so wie es das Landgericht Neubrandenburg ermittelt hatte, bleibt aber unstrittig, heißt es vom Bundesgerichtshof. Das Mädchen sei Opfer einer Bestrafung geworden, hatte damals das Gericht in Neubrandenburg festgestellt. Vermutlich als es mit dem Puppenwagen der Mutter zum Einkaufen hinterher gehen wollte, sagte der Richter. Lediglich der Puppenwagen sei hinuntergestürzt, aber nicht das Kind - der Stiefvater hatte bis zuletzt einen Treppensturz als Ursache von Leonies Verletzungen dargestellt. Nach Ansicht des Gerichts aber schlug der Verurteilte Leonie mit einem Sicherungsbügel des Puppenwagens so heftig auf den Kopf, dass das Mädchen davon eine Gehirnblutung bekam. An dem Bügel waren Leonies DNA-Spuren entdeckt worden. Laut einer Gutachterin sind Leonies Kopfverletzungen nicht durch einen Sturz erklärbar.

Stiefvater täuschte Notruf nur vor

Das Ganze habe sich abgespielt, als Leonies Mutter einkaufen war. Nach ihrer Rückkehr habe der Stiefvater verhindert, dass für die im Bett liegende Leonie sofort Hilfe geholt wurde. Er habe die Mutter angewiesen, sich um das gemeinsame Baby zu kümmern. Selbst als der Mutter beim Baden - etwa zwei Stunden später - die vielen Verletzungen und der "leere Blick" von Leonie aufgefallen seien, habe der Stiefvater einen Notruf nur vorgetäuscht. Er habe verhindern wollen, dass herauskommt, dass er Leonie und ihren Bruder schon über eine längeren Zeitraum schwer misshandelt hatte.

Neue Verhandlung nötig

Die Schwurgerichtskammer des Landgerichts Neubrandenburg hatte im Januar 2020 den Angeklagten unter anderem wegen Mordes durch Unterlassen in Tateinheit mit Körperverletzung mit Todesfolge zu einer lebenslangen Freiheitsstrafe verurteilt. Dieses Urteil ist nun teilweise aufgehoben worden, eine neue Verhandlung ist nötig.

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NDR 1 Radio MV | Die Nachrichten | 05.10.2020 | 10:49 Uhr

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