Stand: 07.11.2019 15:41 Uhr

Leonie-Prozess: Ermittler fanden Blutspuren der Kinder

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Der Angeklagte schweigt bisher in dem Prozess.(Archivbild)

Mit der Anhörung von zwei Rechtsmedizinern ist am Donnerstag am Landgericht Neubrandenburg der Prozess um den gewaltsamen Tod der sechsjährigen Leonie fortgesetzt worden. Dabei wurde deutlich, dass Leonie und ihre beiden jüngeren Brüder Kontakt mit Drogen gehabt haben müssen. Ein Toxikologe berichtete dem Gericht, dass im Haar der drei Kinder Abbauprodukte von Amphetaminen, Cannabis und starken Schmerzmitteln nachgewiesen worden sind.

Drogenrückstände auch bei Mutter und Stiefvater nachgewiesen

Auch bei Leonies Mutter und ihrem unter Mordverdacht stehenden Stiefvater sei das so gewesen, so der Gutachter weiter. Bei einem Bruder von Leonie sei sogar eine besonders hohe Konzentration an synthetischen Drogen und für kleine Kinder nicht geeigneter Schmerzmittel gefunden wurden.

Leiblicher Vater Leonies sichtlich schockiert

Die Drogen könnten von außen aufgenommen worden sein und vom Konsum der Mutter oder des Stiefvaters herrühren, hieß es. Beim Angeklagten wurde eine dreifach höhere Konzentration von Amphetaminen in Haaren festgestellt als bei der Mutter. Der Mann hatte einer Haftrichterin gesagt, dass er keine Betäubungsmittel konsumiere. Bei den Ausführungen des Gutachters reagierte der leibliche Vater von Leonie sichtlich schockiert und verließ den Gerichtssaal. Er tritt im Prozess auch als Nebenkläger auf.

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Gutachter: Zahlreiche Blutspuren in der Wohnung

Auch andere Aussagen des Angeklagten wurden am Donnerstag von Gutachtern widerlegt. So wurden in der Wohnung 16 Blutspuren von Leonie und 20 vom zweijährigen Bruder gefunden, wie eine Rechtsmedizinerin erklärte. Vor allem die Blutspuren des Bruders seien in fast allen Zimmern sowie an Wänden im Flur, Türrahmen und Kleidungsstücken im Flur gefunden worden.

Schilderungen des Angeklagten erscheinen zweifelhaft

Dem Stiefvater wird Mord durch Unterlassen und Misshandlung von Schutzbefohlenen vorgeworfen. Die Ankläger vermuten, dass der Mann beide Stiefkinder schwer misshandelt habe. Leonie war am 12. Januar tot in der Wohnung gefunden worden, ihr Bruder mit etlichen Verletzungen. Der 28-jährige Angeklagte, der im Prozess bisher schweigt, hatte Polizisten zunächst erklärt, dass die Blutflecken an den Wänden vom Vormieter stammten.

Später sprach er von einem körperlichen Streit mit Bruder und Vater bei einem Besuch im Dezember als Ursache. Es wurden aber keine Blutflecken von anderen Personen entdeckt. Der Angeklagte hatte gegenüber der Polizei zudem gesagt, dass Leonie am Nachmittag des 12. Januar mit einem Puppenwagen eine Treppe im Hausflur hinuntergestürzt sei und auch geblutet habe. An der Treppe wurden laut den Ermittlern aber keine Spuren gefunden, die das belegten.   

Gutachter will sich zu angeblichem Puppenwagen-Sturz äußern

Der Prozess wird am 19. November fortgesetzt. Dann sollen weitere Zeugen aus dem Umfeld des Paares sowie ein Gutachter gehört werden, der untersucht hat, ob es einen Treppensturz mit einem Puppenwagen gegeben hat und dies zu den Schäden am Wagen passt. Ein Urteil soll frühestens am 9. Januar 2020 fallen.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Radio MV | 07.11.2019 | 16:00 Uhr

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