Stand: 07.01.2019 20:30 Uhr

Lehrer: Jeder achte Seiteneinsteiger wirft hin

von Stefan Ludmann, NDR 1 Radio MV

Bild vergrößern
26 von 213 Lehrer-Seiteneisnteigern haben die Schulen vor dem Ende des ersten Halbjahres wieder verlassen. (Archivbild)

Die Schulen des Landes in Mecklenburg-Vorpommern haben offenbar Probleme mit den sogenannten Lehrer-Seiteneinsteigern. Etliche der unausgebildeten Lehrkräfte sind bereits wieder abgesprungen. Das geht aus einer Antwort auf eine Anfrage der Linksfraktion hervor. Damit erfahren die Bemühungen von Bildungsministerin Birgit Hesse (SPD), den Lehrermangel zu lindern, einen Rückschlag. Denn um die Lücken zu füllen, werden seit Jahren Lehrkräfte ohne Lehramtsstudium eingestellt: die Seiteneinsteiger.

26 Seiteneinsteiger haben Schulen schon wieder verlassen

Zum Start des vergangenen Schuljahres waren es an den öffentlichen Schulen nach den neuesten Zahlen landesweit 213. Von diesen Männern und Frauen haben nach neuesten Angaben des Bildungsministeriums 26 die Schulen wieder verlassen - vor dem Ende des ersten Halbjahres. Die Abbrecher-Quote beträgt damit gut 12 Prozent, fast jeder achte Seiteneinsteiger hat der Schule vor Ausgabe der Halbjahreszeugnisse wieder den Rücken gekehrt. Über die Gründe ist dem Bildungsministerium nach eigenen Angaben nichts bekannt, Nachforschungen sind offenbar nicht geplant.

Linke: Hesses Personalpolitik ein "Fiasko"

Linksfraktionschefin Simone Oldenburg meint, die Personalpolitik von Bildungsministerin Hesse werde zum "Fiasko". Die hohe Zahl der Abbrecher dürfe aber nicht verwundern. Die Seiteneinsteiger würden ohne pädagogische Grundausbildung ins kalte Wasser geworfen und sollten dann Schüler unterrichten. Gleichzeitig sei es ein "Skandal", dass das Ministerium den Seiteneinsteigern einen Vorbereitungsdienst verweigere. Wer so handelt, vergraule potenzielle Lehrkräfte, so Oldenburg. Seiteneinsteiger würden wie andere Lehrkräfte auch eine grundlegende Ausbildung verdienen.

GEW: Unterrichtsversorgung auf Kante genäht

Die Landesvorsitzende der Lehrergewerkschaft GEW, Annett Lindner, erklärte, es sei für die Schulen "oft schwierig", wenn Lehrer kündigen - aus welchen Gründen auch immer. Nach Ansicht von Lindner ist die Unterrichtsversorgung in Mecklenburg-Vorpommern auf Kante genäht und mit "einer äußerst knappen Planung nur bedingt gesichert". Nur mit einer Unterrichtsversorgung von 104 Prozent ließen sich solche Kündigungen abfedern.

Weitere Informationen

Viele Seiteneinsteiger unter Nachwuchs-Lehrern

20.08.2018 12:00 Uhr

Zum Schuljahresbeginn starten 633 neue Lehrer in Mecklenburg-Vorpommern an den Schulen. Bildungsministerin Hesse sieht das als Erfolg. Doch viele der Lehrkräfte sind Seiteneinsteiger. mehr

Nachwuchs-Lehrer kehren MV den Rücken

Zum Schuljahresbeginn in knapp zwei Wochen bleiben in Mecklenburg-Vorpommern mehr als 300 Stellen für Referendare unbesetzt. Besonders Grund-, Regional- und Berufsschulen sind betroffen. (01.08.2018) mehr

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Radio MV | 07.01.2019 | 21:00 Uhr

Mehr Nachrichten aus Mecklenburg-Vorpommern

02:34
Nordmagazin
08:57
Nordmagazin