Stand: 25.01.2020 12:40 Uhr

Landwirtschaft: "Europa muss Standards setzen"

Mais-Monokultur © dpa
Maisanbau zur Energiegewinnung hat nach Meinung des Trägers des alternativen Nobelpreises, Michael Succow, auf heimischen Feldern nichts zu suchen. (Archivbild)

Wie soll die Landwirtschaft der Zukunft aussehen? Über diese Fragen rund um eine zukunftsorientierte Landwirtschaft haben sich Agrarwissenschaftler, Landwirte, Politiker und Umweltaktivisten zwei Tage lang in Güstrow (Landkreis Rostock) ausgetauscht. Ein Weiter-so-wie-bisher könne es nicht geben. Darin waren sich die Teilnehmer des von der SPD-nahen Friedrich-Ebert-Stiftung organisierten Forums angesichts des Klimawandels, hoher Schadstoffbelastungen und sinkender Bodenqualität einig. 

Nationalen Ansprüchen stehen globale Gegebenheiten entgegen

Doch ein Gesamtkonzept, was auf den Feldern und in den Ställen künftig passieren soll, das fehle nach wie vor. Die Meinungen über das Wie gehen nach wie vor weit auseinander - nicht zuletzt weil nationalen Ansprüchen globale Gegebenheiten entgegenstünden. Gleichwohl erfordere der sich vollziehende Klimawandel dringend Handlungsbedarf. Der Greifswalder Agrarwissenschaftler und Träger des alternativen Nobelpreises, Michael Succow, wünscht sich eine Vorreiterrolle Europas: "Dieses alte Europa, wenn das nicht Standards für die Welt setzt, und die Trumps und China mitnimmt, dann sind wir zukunftslos."

Succow: Kein Maisanbau zur Energieerzeugung mehr

Succow lieferte auch Ideen, was seiner Meinung nach anders werden muss: "Auf unseren Ackerflächen zu 100 Prozent Nahrung und Rohstoffe, die wir brauchen, herstellen. Aber keine Energie", sagte er mit Blick auf den Maisanbau für Biogasanlagen. Ein solcher sei umwelttechnischer Blödsinn, vielmehr sei klimaneutraler Ackerbau angesagt. Mais sollte künftig nur noch für die Tierernährung angebaut werden, findet Succow: "Dann haben wir gesunde Böden, gesunde Nahrung, gesunde Menschen. Das muss das Ziel sein."

Forscher: Konzepte liegen vor

Eine Aussage, die Zustimmung fand. Sebastian Lakner vom Braunschweiger Thüneninstitut - und ab Februar Ökonomieprofessor an der Agrar- und Umweltwissenschaftlichen Fakultät der Uni Rostock - verwies darauf, dass die Wissenschaft längst Konzepte vorgelegt hat, wie Landwirtschaft künftig funktionieren sollte: "Die Politik und vor allem auch die Demonstranten aktuell wären gut beraten, wenn sie wissenschaftliche Erkenntnisse noch stärker berücksichtigen würden. Nur der Punkt ist: Im Moment findet diese Diskussion noch gar nicht ausreichend statt", so Lakner.

EU soll Gemeinsame Agrarpolitik umsetzen

Stattdessen gebe es ständig neue Vorgaben durch die Politik. Handlungsanweisungen, die genauso schnell, wie sie getroffen, auch wieder geändert würden. Das hemme Landwirte bei der Entscheidungsfindung, wie sie ihre Betriebe zukunftsorientiert ausrichten sollen, so die Kritik. So sei der im Sommer 2018 in Brüssel veröffentlichte Entwurf für eine künftige Gemeinsame Agrarpolitik (GAP) bis heute nicht von den EU-Gremien bestätigt worden: "Es gibt viele Beispielstudien und Modelle, die man umsetzen könnte. Die Politik müsste jetzt eigentlich den Entwurf für die GAP-Reform nehmen und daraus etwas Innovatives machen", meint Lakner. Die Zeit dränge, findet auch Umweltaktivist Succow: "Wenn wir nicht der Welt Vorbild sind, dann geht das Experiment Mensch zu Ende", so seine düstere Zukunftsprognose.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Radio MV | 25.01.2020 | 12:00 Uhr

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