Stand: 20.08.2020 09:42 Uhr

Landratswahl im Kreis Rostock: Die Kandidaten

Wahlurne (Montage) © iStockphoto Foto: ericsphotography
Anfang September steht im viertgrößten Landkreis Deutschlands ein neuer Landrat zur Wahl.

Am 6. September wird im Landkreis Rostock ein neuer Landrat gewählt. Mehr als 180.000 Menschen ab 16 Jahren bestimmen, wer in den kommenden Jahren die Geschicke des viertgrößten Landkreises in Deutschland leiten wird. Insgesamt gibt es vier Kandidaten für den Posten.

Constien setzt sich für ländliche Entwicklung ein

der Rostocker Landratswahlkandidat Sebastian Constien © NDR
Sebastian Constien (SPD) will den Streit um die Bebauungspläne von Rostocks Umlandgemeinden beilegen.

Der Amtsinhaber Sebastian Constien von der SPD tritt erneut an. 40 Jahre alt, ledig, ein Sohn, Jurist. Der Bützower war im Jahr 2013 zum Landrat gewählt worden und blickt auf eine, aus seiner Sicht, erfolgreiche Amtszeit zurück: “Wir haben in den letzten sieben Jahren 80 Millionen Euro in die ländliche Entwicklung des Landkreises Rostock gesteckt. Es sind Kitas, Dorf-Gemeinschaftshäuser und Radwege entstanden. Das ist wirklich sehr gut gelaufen, um das Leben auf dem Land auch wertvoll und lebenswert zu machen."

Amtsinhaber sieht seine Arbeit noch nicht als beendet

Während Constiens Amtszeit ist die Arbeitslosenquote des Landkreises auf den niedrigsten Wert in Mecklenburg-Vorpommern gesunken. Auch die Beziehungen zur Hansestadt betrachtet er insgesamt als positiv. Der Streit um die Bebauungspläne von Rostocks Umlandgemeinden ist allerdings noch nicht beigelegt. Generell sieht der SPD-Mann seine Arbeit noch nicht als beendet: "Wir haben noch spannende Themen vor uns. Zum Beispiel den Breitband-Ausbau, die Sicherung des Flughafens Laage, weitere Wirtschafts-Ansiedlungen und weitere Investitionen in Bildung und Radwege. Deswegen, würde ich gerne weiterhin Landrat des Landkreises Rostock bleiben."

der Rostocker Landratswahlkandidat Stephan Meyer. © NDR
Landratskandidat Meyer (CDU) kandidiert für die CDU und für die Grünen.
Stephan Meyer will Wirtschaft im Süden fördern

In Sachen Wirtschaft sieht sein Konkurrent Stephan Meyer von der CDU ein deutliches Gefälle, da sich viele Unternehmen eher um Rostock herum ansiedeln. Meyer ist seit dem Jahr 2017 stellvertretender Landrat. 42 Jahre alt, verheiratet, drei Kinder, Diplom-Verwaltungswirt. „Ich möchte die Gesamtregion voranbringen. Und wir müssen mehr zu einer Wirtschaftsförderung kommen, die auch zu Wirtschaftsstärke führt. Es ist ganz einfach so, dass sich die steuerstarken Gemeinden im Norden befinden, aber was ist mit den steuerschwachen Gemeinden im Süden? Sie haben die gleichen öffentlichen Aufgaben. Wenn wir in einer Krise zum Beispiel die Kreisumlage zur Daseins-Vorsorge erhöhen müssen, dann leidet vor allem der Süden darunter. Und da will ich ansetzen.“

Meyer kandidiert für zwei Parteien

Meyer ist nicht nur Kandidat der CDU, sondern auch der Grünen. Ein Bündnis, das in Mecklenburg-Vorpommern eher selten ist. "Wenn wir an die Wirtschaftsentwicklung denken und an innovative Technologien, dann sind das vor allem Technologien die klimafreundlich sind, zum Beispiel aus Wasserstoff oder erneuerbaren Energien. Viele sagen, da gibt es ja auch Vorbehalte und diese Vorbehalte möchte ich abbauen, auf beiden Seiten. In der Landwirtschaft können wir zum Beispiel beidseitig voneinander lernen und insgesamt besser werden."

der Rostocker Landratswahlkandidat Michael Noetzel © NDR
Landratsamtskandidat Noetzel (Die Linke) strebt ein besser funktionierendes Verwaltungssystem an.
Noetzel will die Verwaltungsstrukturen verbessern

Ebenfalls auf den Wahlzetteln zu finden ist Michael Noetzel aus Rostock. 45 Jahre alt, verheiratet, 2 Kinder, Rechtsanwalt. Er tritt für „Die Linke“ an und hat bei der Kandidatur zum Landrat in erster Linie ein Ziel vor Augen: "Ich möchte die Verwaltung näher an den Menschen bringen. Bei vielen Gesprächen habe ich eine gewisse Unzufriedenheit mit einigen Verwaltungseinheiten festgestellt. Ich glaube nicht, dass das an den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern liegt, sondern an Strukturen, die verändert werden müssen. Das liegt daran, dass Bereiche teilsweise unterbesetzt werden. In manchen Bereichen ist die Aufgabenfülle zu hoch. Ich will mich dafür einsetzen, dass das deutlich besser funktioniert."

der Rostocker Landratswahlkandidat Jürgen Dettmann. © NDR
Jürgen Dettmann (Freie Wähler) sieht seine Unabhängikeit von großen Parteen als Vorteil.
Dettmann will weniger Anteile des Landkreises am Flughafen Rostock-Laage

Vierter im Bunde ist Jürgen Dettmann von den Freien Wählern. 54 Jahre alt, verheiratet, zwei Kinder, Agraringenieur aus Teterow. Auch er will mehr auf die Bedürfnisse der einzelnen Bürger eingehen und setzt vor allem auf seine Unabhängigkeit von den großen Parteien: "Es geht um die Alternative. Wir können nicht darauf hoffen, dass die Kollegen Landräte, die bisher immer den Regierungsparteien in Schwerin angebunden waren, jetzt plötzlich eine neue oder dynamischere Marschrichtung vorgeben. Ich hänge der Theorie an, dass natürlich ein neuer Typus von Mensch, ein auch verwaltungstechnisch unverbrauchter, an der Stelle durchaus einen neuen Blickwinkel, eine neue Perspektive einbringt und hoffentlich auch eine neue Dynamik.“ In Sachen Flughafen Rostock-Laage setzt Dettmann auf eine Reduzierung der Gesellschafteranteile, damit der Landkreis jährliche Zuschüsse anderweitig einsetzen kann.

Alle Kandidaten wollen Nahverkehr verbessern

Die anderen drei Kandidaten bekennen sich zum Flughafen mit der jetzigen Beteiligung von rund 36 Prozent, um auch weiterhin die Entwicklung mitbestimmen zu können. Einig sind sich alle vier, dass sich die Nahverkehrs-Verbindungen zwischen dem Landkreis und der Hansestadt Rostock verbessern müssen. Auch eine Ausweitung der S-Bahn-Strecken würden die Landrats-Kandidaten befürworten. Sollte keiner der vier Kandidaten am 6. September die absolute Mehrheit erreichen, kommt es am 20. September zur Stichwahl von den beiden Kandidaten mit den meisten Stimmen.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Radio MV | 20.08.2020 | 16:00 Uhr

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