Stand: 20.09.2019 15:39 Uhr

Nach Vorfall in Ausländeramt: Beschuldigter auf freiem Fuß

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Ein SEK der Polizei befreite das Baby aus der Gewalt seines mutmaßlichen Vaters.

Nach einer Nacht im Polizeigewahrsam hat die Staatsanwaltschaft Schwerin einen Mann aus Ghana auf freien Fuß gesetzt, der am Donnerstag in der Ausländerbehörde sein mutmaßlich eigenes Baby rund fünf Stunden in seiner Gewalt hatte. Es gebe keinen Haftgrund, teilte die Polizei Wismar am Freitag mit. Ein Spezialeinsatzkommando der Polizei hatte den Mann überwältigt. Er blieb dabei unverletzt. Das Kind war wohlauf und wurde unter ärztliche Beobachtung gestellt.

Täter wollte offenbar Abschiebung entgehen

Der 22-Jährige hatte den Angaben zufolge einen Vaterschaftstest gefordert, um zu beweisen, dass er der Vater des Kindes ist. Damit wollte er offenbar seine bevorstehende Abschiebung verhindern. Wie lange der Mann bereits in Deutschland ist und warum er abgeschoben werden soll, ist nicht bekannt. "Er muss eine sehr starke Verzweiflung gespürt haben", sagte Polizeisprecherin Sibylle Hofmann NDR 1 Radio MV.

Polizistin: "Haben versucht, ihn zu überzeugen"

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Polizeisprecherin Sibylle Hofmann: "Wir hatten Sorge, dass das Kind nicht genug Luft bekommt."

Der Mann war mit der Mutter des Kindes in die Ausländerbehörde gekommen. Kurz vor 14 Uhr eskalierte laut Polizei die Situation: Der Ghanaer brachte das Baby in seine Gewalt. Eine Verhandlungsgruppe war lange Zeit in Kontakt mit ihm, um die Situation friedlich zu lösen. "Wir haben verschiedenste Ansätze probiert und immer wieder versucht, ihn zu überzeugen", so Hofmann weiter.

"Hätten das Kind in keine Gefahr gebracht"

Währenddessen kümmerte sich eine Notärztin um das Kind. Der Mann trug den Säugling in einer Tragetasche vor der Brust bei sich und ließ die Ärztin an das Kind, wurde aber aggressiv, sobald sich Polizisten näherten. "Die meiste Zeit war das Kind geschützt. Aber tatsächlich gab es die Situation, dass er stark die Arme um das Kind gelegt hat. Aber wir waren immer in der Nähe. Wir hätten das Kind in keine Gefahr gebracht", so die Polizeisprecherin.

Ärztin untersucht Kind - SEK greift zu

Zwischenzeitlich soll der Mann damit gedroht haben, das Kind fallenzulassen. Er war laut Polizei unbewaffnet. Als er am Abend der Ärztin das Kind für einen Check übergab, habe das SEK den günstigen Augenblick genutzt und zugegriffen - mit "einfacher körperlicher Gewalt", wie es hieß. "Wir konnten gemeinsam mit der Notärztin den Vater davon überzeugen, dass das Kind eindringlich untersucht werden muss, weil wir Sorge hatten, dass das Kind nicht genug Luft bekommt", sagte die Polizeisprecherin.

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Radio MV | 20.09.2019 | 16:00 Uhr

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