Stand: 26.08.2020 18:38 Uhr

Landesregierung kämpft für Erhalt der Werftjobs

Am Warnemünder Standort der MV Werften erfolgt die feierliche Kiellegung für das erste Kreuzfahrtschiff der Global Class. © dpa Bildfunk Foto: Bernd Wüstneck
Die Spitze der MV Werften hat in einer internen Mitteilung Berichten widersprochen, Genting wolle seine Werften-Anteile an das Land abstoßen. (Archivbild)

Die rot-schwarze Landesregierung setzt weiter auf millionenschwere Hilfen des Bundes für die angeschlagenen MV Werften. Konkret geht es um Staatshilfen in Höhe von 570 Millionen Euro aus dem Wirtschaftsstabilisierungsfonds. Diese Gelder aus dem Corona-Rettungsschirm des Bundes sollen den Finanzbedarf der Werften bis April 2021 decken. Ministerpräsidentin Manuela Schwesig (SPD) erklärte mit Blick auf die Lage der Werften, dort, wo es wirtschaftlich und rechtlich möglich sei, werde die Landesregierung dafür kämpfen, dass die Arbeitsplätze erhalten blieben. Garantieren könne das Land das aber nicht.

VIDEO: Land will mit Subventionen MV Werften retten (3 Min)

Glawe zeigt sich zuversichtlich

Wirtschaftsminister Harry Glawe (CDU) zeigte sich zuversichtlich, dass es trotz der Turbulenz beim Werften-Mutterkonzern Genting Hong Kong gelingen werde, den Schiffbau in Mecklenburg-Vorpommern erneut zu unterstützen. Für die Rettung der Werftenstandorte und Belegschaften in Wismar, Rostock-Warnemünde und Stralsund zieht Glawe auch eine staatliche Beteiligung in Betracht. Denkbar sei demnach eine stille Beteiligung des Bundes, wie dies auch bei der Lufthansa der Fall sei. Glawes Angaben zufolge werden in der kommenden Woche Vertreter der Genting-Geschäftsführung aus Hongkong in Deutschland erwartet, um über das weitere Vorgehen zu beraten.

IG Metall: Genting muss Schiffe abnehmen

Am Freitag kommt der Finanzausschuss des Landtags zu einer Sondersitzung zusammen. Auch die IG Metall hätte mit einem Einstieg des Staates kein Problem, in Frankreich und Italien sei das längst Praxis. wichtig aber sei, dass Genting die gebauten und geplanten Schiffe abnehme und den Kaufpreis dafür zahle. Nur so könne der Corona-Rettungsschirm funktionieren.

Genting Corona-bedingt in finanzieller Schieflage

Seit 2016 gehören die Werften in Stralsund, Warnemünde und Wismar zum Genting-Konzern aus Hongkong, der im Nordosten Kreuzfahrtschiffe für den eigenen Bedarf bauen lässt. Die erteilten Aufträge reichten weit in die Zukunft und versprachen sichere Arbeitsplätze für zuletzt insgesamt 3.100 Beschäftigte. Die Corona-Krise hat die asiatische Firma in finanzielle Schwierigkeiten gebracht, denn der Mischkonzern verdient zur Zeit Corona-bedingt kaum Geld mit Kreuzfahrten, Vergnügungsparks oder Kasinos. Seit März ruhen die Arbeiten auf den MV Werften, für die Mitarbeiter ist noch bis Ende des Jahres Kurzarbeitergeld beantragt. In der vergangenen Woche hatte der Mutterkonzern erklärt, alle Zahlungen an Gläubiger vorübergehend einzustellen.

Kredite des Landes mit Werft-Anteilen absichern

Gleichzeitig wehren sich die MV Werften gegen Berichte, Genting wolle seine Werften-Anteile an das Land abstoßen. In einer internen Information an die Mitarbeiter heißt es offenbar, es sei lediglich überlegt worden, die angepeilten Kredite des Bundes mit den Anteilen abzusichern. Der Betrieb auf den Werften solle im vierten Quartal dieses Jahres wieder aufgenommen werden, teilte der für Finanzen und Investoren zuständige Genting-Berater Cheah Yoke Sim am Mittwoch in Hongkong mit. Genting Hong Kong wolle auch die Schiffe abnehmen, die in Mecklenburg-Vorpommern in Auftrag gegeben wurden. "Es gibt keine Änderung in den Verträgen mit den Werften zum Bau der Schiffe", sagte er. Laut IG Metall geht es um die Abnahme von vier Schiffen.

Glawe: Insolvenzdebatte in der Öffentlichkeit schädlich

Glawe warnte davor, die Lage bei den MV Werften und Genting zu dramatisieren. Weder der Mutterkonzern Genting Hong Kong noch die MV Werften haben einen Insolvenzantrag gestellt. Der Ball sollte jetzt flachgehalten werden, um Genting nicht medial in Schwierigkeiten zu bringen, so der CDU-Politiker. Dass diese Debatte in der Öffentlichkeit geführt werde, sei schädlich, so Glawe.

Opposition fordert Konzept für Erhalt der Werften

AfD-Fraktionschef Nikolaus Kramer forderte von der Landesregierung mehr Transparenz. Linksfraktionschefin Simone Oldenburg sprach sich ebenfalls für Sicherheiten für die Werftstandorte und die Belegschaft sowie Zulieferbetriebe aus, forderte aber von der Landesregierung neue Konzepte für die Zukunft der maritimen Industrie in Mecklenburg-Vorpommern.

Werft-Mitarbeiter entspannt - Kritik an mangelnder Transparenz

Die Werft-Mitarbeiter, die am Mittwoch am Standort Wismar aus der Frühschicht kamen, sehen der Zukunft relativ entspannt entgegen. Sie wollten abwarten und seien hoffnungsvoll, sagten sie gegenüber NDR 1 Radio MV. Einige Subunternehmer kritisieren aber die Informationspolitik. Es fehle Transparenz, so der Vorwurf. Man wisse nie, woran man ist. Wismars Bürgermeister Thomas Beyer (SPD) blickt optimistisch in die Zukunft des Standorts, wie er sagte. Er sei zwar in Sorge, wisse aber auch, dass alle Beteiligten daran arbeiten, dass die Werft unter den Rettungsschirm kommt. Andere Lokalpolitiker der Hansestadt halten sich mit Äußerungen zurück. Sie wollen abwarten, ob die Gelder aus dem Wirtschaftsstabilisierungsfonds des Bundes fließen.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Radio MV | Die Nachrichten | 26.08.2020 | 13:00 Uhr

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