Stand: 30.07.2020 06:08 Uhr

Landesregierung berät über Hilfen für Nordex

von Stefan Ludmann, NDR 1 Radio MV

Die Landesregierung berät heute in einer Sondersitzung über Landeshilfen für den Windkraftanlagenhersteller Nordex. Das Unternehmen, das in Mecklenburg-Vorpommern 1.600 Menschen beschäftigt, hat kurzfristig millionenschwere Bürgschaften beantragt. Nordex muss sich Bankkredite vom Staat absichern lassen. Es geht um Summen in Höhe von 350 Millionen Euro. Die Hälfte - 175 Millionen Euro - soll der Bund zu 90 Prozent übernehmen, die anderen Hälfte kommt von den Ländern Hamburg und Mecklenburg-Vorpommern. Weil Nordex im Nordosten mehr Menschen als in Hamburg beschäftigt, soll Mecklenburg-Vorpommern zwei Drittel des Länderanteils stemmen, also 104,65 Millionen Euro.

Wirtschaftsprüfer bescheinigen gute Aussichten

Um diese Summe geht es heute im Kabinett, es wird mit grünem Licht für die Bürgschaften gerechnet. Denn auch der Bund und seine Wirtschaftsprüfer von PricewaterhouseCoopers (PwC) bescheinigen dem Unternehmen mittelfristig gute Ertragschancen. Trotz der parlamentarischen Sommerpause berät am Freitag zusätzlich der Finanzausschuss des Landtags in einer Sondersitzung über die Hilfen. Zu dieser Sitzung wird auch Nordex-Finanzvorstand Christoph Burkhard erwartet. Wirtschaftsminister Harry Glawe (CDU) sagte, wichtig sei die Arbeitsplatzsicherung. Die Bürgschaften könnten eine "Brücke in die Zukunft bauen, hin zu neu entwickelten Windkraftturbinen". Nordex hatte im vergangenen Jahr neue Produkte und eine Ausweitung der Produktion angekündigt.

Nordex will auch Corona-Hilfen bekommen

Ein Unternehmenssprecher erklärte auf Anfrage, die Nordex-Gruppe habe sich "vorausschauend um Staatshilfen aus dem Corona-Bürgschaftsprogramm beworben, um für mögliche Belastungen aus der Covid-19-Pandemie gewappnet zu sein." Welche Belastungen das konkret sind, blieb offen. Möglicherweise gibt es Probleme mit Zulieferern bei der Fertigung moderner Turbinen. Außerdem hat die Pandemie weltweit den Aufbau neuer Windparks verzögert oder gestoppt, gleiches gilt für die Projektplanung. All das hat offenbar zu Liquiditätsengpässen geführt, die durch den 350 Millionen Euro Kredit ausgeglichen werden sollen.

Staatshilfen nach erstem Quartal noch kein Thema

In dem am 11. Mai schriftlich veröffentlichen Unternehmenszahlen war von Staatshilfen noch keine Rede. Allerdings kündigte Finanzvorstand Burkhard an diesem Tag bei einer internen Konferenz zu den Quartalszahlen an, dass Nordex Anträge auf Corona-Bürgschaften vorbereitet habe und diese Ende Juni abschließen wolle. Das geschah aber eher beiläufig - eine Aufzeichnung der 45-minütigen Finanzanalyse hat Nordex online gestellt.

Land teilt positive Einschätzung des Bundes

Mecklenburg-Vorpommern muss in der Sache offenbar auf die Vorprüfungen des Bundes vertrauen. Erst am vergangenen Dienstag lag der Bürgschaftsantrag offiziell in Schwerin vor. Die Sache eilt offenbar, weil Nordex vergleichsweise kurzfristig eine größere Zahlung leisten muss. Auch die Landesregierung teilt die positive Einschätzungen aus Berlin - ein Ja zu den Bürgschaften gilt als sicher, auch weil Nordex die Kredite bereits im Frühjahr 2022 tilgen will und damit die Garantien dann auslaufen.

Talfahrt an der Börse

Die Gewerkschaft IG Metall fordert von Nordex die feste Zusage für Beschäftigungssicherung an den deutschen Standorten - dafür müssten auch die Bürgschaften genutzt werden. Weltweit beschäftigt das Unternehmen 7.500 Mitarbeiter. Die Nordex-Aktie verlor seit Jahresbeginn deutlich an Wert und ist auch in den vergangenen Tagen weiter ins Minus gerutscht.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Radio MV | 30.07.2020 | 08:00 Uhr

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