Stand: 10.03.2020 07:21 Uhr

Landes-SPD feiert 30-jähriges Bestehen in Güstrow

Mecklenburg-Vorpommerns Ministerpräsidentin und SPD-Landeschefin Manuela Schwesig beim 30-jährigen Jubiläum der Landes-SPD in MV. © NDR Foto: Stefan Ludmann
Landesparteichefin Schwesig warb erneut für eine stärke Rolle des Staat bei der Daseinsvorsorge.

von Stefan Ludmann, NDR 1 Radio MV

Am Ende gab es bei den Sozialdemokraten Brezel, Brötchen und Bockwurst. Und als Zugabe servierte die Landesvorsitzende, Ministerpräsidentin Manuela Schwesig, Torte - genauer: Geburtstagstorte. Die SPD feierte am Montagabend ihren Dreißigsten. In Güstrow gründete sich am 9. März 1990 der SPD-Landesverband - mitten in der Wendezeit. Und deshalb lud die Partei das Who-is-Who der Partei und etliche Gäste ins Bürgerhaus der Stadt - rund 250 Besucher kamen, Bundesprominenz allerdings fehlte.

Langer Rückblick mit Reden und Gesprächen

Es war ein langer, für einige auch strapaziöser Blick zurück, mit Reden, Talk-Runden und einer Video-Botschaft des 94-jährigen Hans-Jochen Vogel - zur Wendezeit Parteivorsitzender der SPD. Vorne saßen die Granden der ersten Stunde: SPD-Altmeister Harald Ringstorff, der erste Ministerpräsident der Sozialdemokraten im Land. Sein Gesicht bestimmte die Dia-Show, die 30 Jahre Landes-SPD zusammenfasste. Rosemarie Wilcken war da, die langjährige Bürgermeisterin Wismars. Damals hätten Männer, wenn sie nicht weiter gewusst hätten, auch mal die Frauen rangelassen, berichtete sie auf dem Podium. Sigrid Keler, mehr als zwölf Jahre Finanzministerin und die Verkörperung des sozialdemokratischen Sparwillens, erzählte auch von den Anfangsjahren. Die westlichen Landesverbände in Schleswig-Holstein, Hamburg und Niedersachsen hätten viel geholfen zur Wende, dringend nötig sei das gewesen. In ihrem Ortsverein habe es 1990 etwa 40 Mitglieder gegeben - heute seien es vielleicht noch sieben. Und Gottfried Timm, einst SPD-Fraktionschef und lange Innenminister, erinnerte an die turbulenten Wendezeit in Röbel und Umgebung.

Schwesig: "Auch aktuell wird die SPD gebraucht"

Auch Schwesig blickte in ihrer Rede viel zurück, sie nannte die vergangenen 30 Jahre eine "Erfolgsgeschichte" und lieferte die bekannten Textbausteine: Die SPD habe einen "entscheidenden Anteil, dass das Land vorangekommen ist", sagte die Regierungschefin. Die Menschen könnten stolz auf das sein, was sie in 30 Jahren erreicht hätten. Auch aktuell werde die SPD gebraucht. Es seien zwar "keine einfache Zeiten", aber die Aussage vom Ende der Volksparteien, die halte sie für falsch, so Schwesig. Denn die SPD nehme als Volkspartei weiter die vielen und verschiedenen Blickwinkel und Meinungen in der Gesellschaft auf und finde dann "den besten Weg für möglichst viele."

"SPD macht MV zum wirtschaftlich starken Land"

Schwesig erntete starken Beifall als sie meinte, dass "die eine oder andere Privatisierungswelle nach der Wende nicht die richtige Entscheidung war". Die Regierungschefin erneuerte ihre Forderung nach einer vom Staat gesteuerten Daseinsvorsorge - die öffentliche Infrastruktur in der Gesundheit, in der Bildung, beim Ausbau der Digitalnetze gehöre in öffentliche Hand. Schwesig wiederholte ihr Credo und das ihrer Vorgänger, das schon so oft Parteitags- und Wahlkampfreden bestimmte: Die SPD mache Mecklenburg-Vorpommern zu einem wirtschaftlich starken Land, mit sozialem Ausgleich und ökologischer Verantwortung. Keine andere Partei stehe für diesen Dreiklang.

Vertreter von CDU, Linken und Grünen feiern mit

Schwesig bekam auch Applaus vom politischen Mitbewerber. Die SPD bat alte Weggefährten nach Güstrow von zwei Koalitionspartnern: Helmut Holter von der Linkspartei, Architekt der rot-roten Koalition von 1998, war eingeladen. Neben ihm saß Innenminister Lorenz Caffier von der CDU, er war auf Unionsseite der Strippenzieher, der dann 2006 das Bündnis mit der SPD einfädelte. Gekommen waren auch die Parteichefinnen der Linken, Wenke Brüdgam, und der Grünen, Claudia Schulz. Das gab nach außen ein harmonisches Bild der Eintracht - Schwesig meinte, die Parteien hätte viel mehr Gemeinsamkeiten als Trennendes.

Holter wünscht sich SPD mit alter Stärke

Die externen "Stargäste" Holter und Caffier bat der SPD-Generalsekretär Julian Barlen dann zum Schluss auf die Bühne - nach zwei Stunden eines ziemlich straffen Programms und knapper werdender Luft im Saal. Holter, der in Thüringen wieder Bildungsminister im Kabinett seines Parteifreunds Bodo Ramelow geworden ist, begleitete seine Geburtstagsglückwünsche mit einem Lob: "Mein Leben, liebe Genossinnen und Genossen, ist ohne die SPD nicht vorstellbar", meinte er - schickte dann aber gleich hinterher, dass die Linke trotz zahlreicher Abwerbeversuche sein politisches Zuhause sei. Er wünsche sich, "dass die SPD zu alter Stärke zurückfindet." Und Caffier erklärte auf Nachfrage, die CDU bleibe weiter ein verlässlicher Partner - allerdings "hier und da mit unterschiedlichen Facetten". Das passte dann zum irgendwie zum unterschwelligen Motto des Abends, mit dem auch Hans-Jochen Vogel seine Video-Botschaft endete: "Freundschaft".

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Radio MV | 10.03.2020 | 05:30 Uhr

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