Landes-CDU schwankt zwischen Söder und Laschet

Stand: 12.04.2021 17:33 Uhr

CDU-Landeschef Sack favorisiert Armin Laschet als Kanzler-Kandidaten, Wirtschaftsminister Glawe spricht sich ebenfalls für Laschet und klar gegen Söder aus. Es gibt aber auch weniger eindeutige Stimmen in der Landes-CDU.

von Stefan Ludmann, NDR 1 Radio MV Aktuell

Am liebsten hätten sie in der Landes-CDU ja irgendwie Friedrich Merz gehabt - aber der Sauerländer ist im aktuellen Rennen um die Kanzler-Kandidatur längst ausgeschieden. Nicht allen in der CDU in Mecklenburg-Vorpommern fällt es leicht, sich klar zu bekennen - entweder für Markus Söder, den CSU-Chef und bayerischen Ministerpräsidenten oder Armin Laschet, Regierungschef in Nordrhein-Westfalen und immerhin Vorsitzender der größeren Unionspartei, der CDU.

Sack hält Laschet für den geeigneteren Kandidaten

Der CDU-Landesvorsitzende Sack steht hinter Armin Laschet. "Mit Söder sind die Chancen bei der Wahl nach jetzigem Stand höher, dementsprechend spricht vieles für Söder", sagte Sack am Montag. "Ich halte Laschet aber für den geeigneteren Kandidaten, er macht als Parteichef und als Ministerpräsident sehr gute Arbeit." Der CDU-Generalsekretär und Fraktionschef im Landtag, Wolfgang Waldmüller, formulierte es im Interview mit dem NDR so: "Die beiden müssen sich zusammensetzen und derjenige, der die besten Chancen hat, die Bundestagswahl für die Union zu gewinnen, der soll antreten." Eine klare Positionierung auch gegenüber dem Landesverband der Kanzlerin ist das nicht. Erst auf die Nachfrage, wer denn die besseren Chancen habe, sagte Waldmüller: "Derzeit ist es Herr Söder."

Glawe: "Wählbar ist in Deutschland nur ein Kandidat der CDU"

Ein klares Bekenntnis kommt von einem politischen Schwergewicht in der Landes-CDU - von Wirtschafts- und Gesundheitsminister Harry Glawe. Er sagte dem NDR: "Für mich ist Armin Laschet der Kandidat, er ist CDU-Bundesvorsitzender und er hat die große Masse der Partei hinter sich." Söder habe "vielleicht Qualitäten", meinte Glawe, "aber wählbar ist in Deutschland nur ein Kandidat der CDU und einer, der der die Mitte vertritt."

Zwei Mal hat die CDU mit einem CSU-Mann Schiffbruch erlitten

Heißt wohl auch: Söder ist in Glawes Augen kein Mann der Mitte, kein Teamplayer. Zwei Mal ist die Union schon mit einem CSU-Kandidaten angetreten und zwei Mal hat sie Schiffbruch erlitten: 1980 mit Franz-Josef Strauß und 2002 mit Edmund Stoiber - der kam im Osten nicht richtig an. Glawe hat das noch im Gedächtnis. Der Rostocker CDU-Bundestagsabgeordnete Peter Stein setzt dennoch auf den CSU-Mann. Der Hinterbänkler aus der Hansestadt rechnet sich mit Söder offenbar größere Chancen auf eine Wiederwahl aus. Ganz anders sein Fraktions-Kollege Dietrich Monstadt aus Schwerin. "Armin Laschet ist der Vorsitzender der CDU, selbstverständlich ist er mein Mann. Wir stehen geschlossen hinter unserem Bundesvorsitzenden, auch ich."

Monstadt bringt Mitgliederbefragung ins Spiel

Monstadt blickt allerdings mit gemischten Gefühlen auf den Entscheidungsweg in der Kandidatenfrage. Von dem Vorschlag des Landesvorsitzenden, die beiden Kandidaten sollten das unter sich klären, hält der Bundestagsabgeordnete wenig. Im Gespräch mit dem NDR bringt Monstadt eine Mitgliederbefragung ins Spiel. "Wir sollten überlegen, ob bei zentralen Positionen ein solches Votum berücksichtigt werden kann." Wie Monstadt steht auch der CDU-Landtagsabgeordnete Sebastian Ehlers hinter Laschet. Söder liege in den Umfragen aktuell zwar vorn, aber man solle Laschet nicht unterschätzen. Der habe in NRW - "der Herzkammer der SPD" - eine Landtagswahl gewonnen und führe bundesweit die einzige schwarz-gelbe Landesregierung, erklärte Ehlers.

Amthor: Entscheidung darf nicht zu Streit in der Union führen

Der Spitzenvertreter der Konservativen in der Landes-CDU, der Bundestagsabgeordnete Philipp Amthor, vermeidet eine klare Positionierung in der K-Frage. "Wir müssen vor allem noch über das Programm reden, und ich will von den beiden morgen in der Fraktion hören, wo sie sich inhaltlich unterscheiden, wo sie die inhaltlichen Schwerpunkte setzen", sagte Amthor im Gespräch mit dem NDR und schickte hinterher: "Ich kenne beide und vertraue auch beiden." Die Entscheidung dürfe jedenfalls nicht zu weiterem Streit in der Union führen. "Geschlossenheit" - das ist der Appell, der in diesen Tagen nicht nur von Amthor kommt.

Nach der Ära Merkel: MV-CDU verliert Draht nach Berlin

Eine Mitgliederbefragung lehnt Amthor ab - dafür fehle in der konkreten Frage die Zeit. "Wir müssen beim Personal jetzt Klarheit schaffen, wir können uns keine Hängepartei leisten. Selbstbeschäftigung ist nicht das Gebot der Stunde." Auch wenn die Kandidaten-Frage noch nicht entschieden ist, eines ist für die Landes-CDU schon jetzt klar: Mit dem politischen Abgang von Kanzlerin Angela Merkel im September verliert die Partei den direkten Draht nach Berlin. Egal ob Laschet oder Söder - die Union in Mecklenburg-Vorpommern mit ihren gerade mal knapp 5.000 Mitgliedern dürfte aus Berliner Sicht dann eher in eine Randlage rücken.

Weitere Informationen
Markus Söder © picture alliance/dpa Foto: Peter Kneffel

Kanzlerkandidatur: "Söder hat nur noch eine winzige Chance"

Hat Markus Söder eine Chance Kanzlerkandidat zu werden? Ein Gespräch mit dem Journalisten und Söder-Kenner Roman Deininger. mehr

Am Mikrofon beim CDU-Parteitag: Michael Sack, neuer Spitzenkandidat der CDU in Mecklenburg-Vorpommern.

CDU in MV kann mit beiden Kanzlerkandidaten gut leben

Der CDU-Landesvorsitzende Sack freut sich auf die Zusammenarbeit mit beiden und hofft auf ein baldiges Ende der Diskussion. mehr

Der CDU-Bundestagsabgeordnete Philipp Amthor und der CDU-Landesvorsitzende Michael Sack stehen am 6. März 2021 vor einem Tagungsgebäude in Güstrow. © dpa Foto: Bernd Wüstneck

Philipp Amthor stiehlt Michael Sack die Show

Auf dem CDU-Landesparteitag zeigt sich der Bundestagsabgeordnete angriffslustiger als der neue Spitzenkandidat Michael Sack. mehr

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Radio MV | 12.04.2021 | 17:10 Uhr

Mehr Nachrichten aus Mecklenburg-Vorpommern

Am Grenzübergang von Deutschland nach Polen fahren PKW und ein LKW in Richtung Polen. © Ch. Niemann Foto: Christopher Niemann

Kurz-Reisen nach Polen wieder ohne Quarantäne möglich

Bei der Einreise verlangt das Nachbarland in der Regel allerdings einen Corona-Test. mehr