Negativ-Tests von Urlaubern aus Risikogebieten gefordert

Stand: 08.10.2020 06:02 Uhr

Die Mehrzahl der Bundesländer fordert Negativ-Tests von Reisenden aus Corona-Risikogebieten, um einem Beherbergungsverbot zu entgehen. Unterdessen registriert das RKI einen sprunghaften Anstieg der Fallzahlen.

Mehr als 4000 Neuinfektionen hat das Robert-Koch-Institut in Berlin gemeldet - innerhalb eines Tages. Ein höherer als der nun gemeldete Wert war zuletzt in der ersten Aprilwoche erreicht worden.
Erst am Mittwoch hatten sich die Länder verständigt: Mindestens elf Bundesländer haben ein Beherbergungsverbot für Urlauber aus inländischen Corona-Risikogebieten beschlossen. Das verlautete nach einer Schaltkonferenz der Chefs der Staatskanzleien der Bundesländer mit Kanzleramtschef Helge Braun (CDU) am Mittwoch in Berlin. Reisende aus innerdeutschen sogenannten Corona-Hotspots müssen demnach bei Ankunft in Hotels oder anderen Unterkünften einen negativen Corona-Test vorlegen, der nicht älter als 48 Stunden ist. Andernfalls greife das Beherbergungsverbot, hieß es. Die Regelung gilt nach Angaben von Schleswig-Holsteins Ministerpräsident Daniel Günther (CDU) nur für Reisen zu touristischen Zwecken in gewerblichen Beherbergungsbetrieben. Familienbesuche sind ausdrücklich ausgenommen, ebenso Pendelverkehre.

MV mit am weitesten gehender Regelung

Mecklenburg-Vorpommern ließ in einer Protokollnotiz festhalten, dass die genannten Maßnahmen als Mindestanforderungen angesehen würden und man an einer Quarantänepflicht für Besucher aus Risikogebieten festhalte. Im Nordosten muss der betreffende Reisende aus einem Risikogebiet laut der entsprechenden Verordnung noch bis zu einem zweiten negativen Test nach fünf bis sieben Tagen in Quarantäne in seiner Unterkunft bleiben, wie der Chef der Staatskanzlei, Heiko Geue, NDR 1 Radio MV sagte. "Das gilt auch weiterhin. Damit sind wir zwar das am weitesten gehende Bundesland, aber wir sind ja auch Tourismusland Nummer eins", so Geue weiter. Sollte die eigene Heimatregion während eines Urlaubs in Mecklenburg-Vorpommern zum Risikogebiet erklärt werden, müsse der Reisende nicht zwangsläufig abreisen.

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Berlin will als Ganzes betrachtet werden

In der Frage der Handhabung der Hauptstadt Berlin hat sich laut Geue auch eine Lösung abgezeichnet. Die Stadt wolle künftig als Ganzes eingestuft werden und nicht mehr vom Robert-Koch-Institut (RKI) in eigens ausgewiesene Gebiete in Form der Stadtbezirke unterteilt werden. Falls Berlin in Gänze zum Risikogebiet werden sollte - vor oder während der Ferien - dann dürfen Berliner nicht nach Mecklenburg-Vorpommern reisen, außer sie unterziehen sich der beschriebenen Test-Quarantäne-Test-Prozedur, wie Geue erklärte. "Auch der Tagestourismus ist dann unterbunden", so Geue weiter.

Im Herbst kommt jeder dritte Urlauber in MV aus Berlin

Der Staatskanzlei-Chef betonte, dass die Einstufung des RKI maßgeblich sei. Noch weise das RKI für Berlin die Bezirke aus, Geue geht aber davon aus, dass das in ein bis zwei Tagen aber nicht mehr der Fall sein werde, sondern die Stadt wie Hamburg und Bremen als Ganzes ausgewiesen wird. Der Status von Berlin ist für die Tourismusbranche in Mecklenburg-Vorpommern nicht unerheblich, da traditionell viele Berliner im Herbst Urlaubstage im Nordosten verbringen. Laut dem am Mittwoch vorgestellten Tourismusbarometer des Ostdeutschen Sparkassenverbandes kommt in der Zeit der Herbstferien etwa jeder dritte Urlaubsgast im Nordosten aus Berlin.

Unverständnis über "Flickenteppich" an Regelungen

Die in den einzelnen Ländern teils unterschiedlichen Regelungen hatten zuletzt für Unverständnis und Forderungen nach einem bundesweit einheitlichen Rahmen gesorgt. Auch Mecklenburg-Vorpommerns Innenminister Lorenz Caffier (CDU) hatte dies befürwortet.

Kreise in MV noch weit vom Schwellenwert entfernt

Aktuell kommen immer mehr Risikogebiete dazu. Landkreise in Mecklenburg-Vorpommern sind nicht dabei. MV insgesamt liegt weiterhin deutlich unter der kritischen Marke von 50 Infektionen, die zu Einschränkungen führen könnte.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Radio MV | Die Nachrichten | 08.10.2020 | 06:02 Uhr

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