Stand: 06.12.2018 17:04 Uhr

Neues Labor in Anklam: Reifen aus Löwenzahn

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In Anklam ist der Russische Löwenzahn durch Zucht so optimiert worden, dass der Kautschukgehalt stabil bei 15 Prozent liegt.

Der Reifenhersteller Continental will bei der Kautschukgewinnung neue Wege gehen und hat dazu in Anklam (Landkreis Vorpommern-Greifswald) ein Versuchslabor eröffnet. Dort soll an der Verwendung von Kautschuk aus der Wurzel des Russischen Löwenzahns für Reifen geforscht werden. Bisher wird der Kautschuk aus tropischen Kautschukbäumen gewonnen. Continental hat nach eigenen Angaben 35 Millionen Euro investiert, das Land Mecklenburg-Vorpommern steuerte 11,6 Millionen bei. Mittelfristig sollen in Anklam 20 Jobs entstehen, wie es hieß.

Das Taraxagum-Labor in Anklam.

Taraxagum-Labor in Anklam eröffnet

Nordmagazin -

In Anklam ist das Taraxagum-Labor eröffnet worden. Hier soll Kautschuk aus der Wurzel von russischem Löwenzahn extrahiert werden.

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Löwenzahn als Alternative zum Kautschukbaum

"Als erster Reifenhersteller weltweit investieren wir einen derart signifikanten Betrag in die Industrialisierung des Löwenzahnkautschuks", sagte Continental-Vorstandsmitglied Nikolai Setzer am Donnerstag. Russischer Löwenzahn sei eine Alternative und Ergänzung zum Kautschukbaum (Hevea brasiliensis), um den global steigenden Bedarf umweltverträglich und verlässlich zu decken.

Continental nimmt Versuchslabor zur Erzeugung von Kautschuk aus Löwenzahn in Betrieb. © NDR Foto: NDR

Continental eröffnet Anklamer Gummilabor

NDR 1 Radio MV -

In Anklam hat der Reifenhersteller Continental sein neues Forschungslabor in Betrieb genommen. Das Unternehmen will dort erproben, wie sich aus Löwenzahn Kautschuk herstellen lässt.

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Erste Versuche in den 1930er-Jahren

Versuche dazu gab es den Angaben zufolge schon in den 1930er-Jahren unter anderem in der Sowjetunion und während des Zweiten Weltkriegs. Doch es habe seinerzeit an geeigneten Pflanzen und der Technik zur Extraktion gehapert, erklärte Dirk Prüfer von der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster. Er ist Leiter des Teams, das mit dem Reifenproduzenten nach Wegen suchte, den Kautschuk aus den Wurzeln der klebrigen Pflanze zu gewinnen. An dem Projekt sind außerdem Forscher des Fraunhofer-Instituts für Molekularbiologie und Angewandte Oekologie IME, Pflanzenzüchter sowie das Julius-Kühn-Institut Quedlinburg beteiligt.

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15 Prozent der Löwenzahnwurzel sind Kautschuk

"Schon bei den ersten Experimenten zeigte sich, dass der Kautschuk so gut ist wie vom Kautschukbaum", so Prüfer. Russischer Löwenzahn sei zwar kleiner als der einheimische, habe aber einen viel höheren Kautschukgehalt - nämlich rund 15 Prozent. Inzwischen sei die Pflanze durch Zucht so optimiert worden, dass der Gehalt an Inhaltsstoffen stabil ist. Der erste Muster-Winterreifen mit Laufstreifen aus Löwenzahn-Kautschuk kam laut Continental schon 2014 auf die Straße. 2016 folgte der erste Lkw-Reifen mit einem Laufstreifen aus Taraxagum-Kautschuk - Taraxacum ist der lateinische Name für Löwenzahn.

In zehn Jahren reif für Serienproduktion?

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In dem Anklamer Continental-Labor sollen mittelfristig 20 Arbeitsplätze entstehen.

Dennoch stecke die Technologie noch in den Kinderschuhen. Da der Löwenzahn keine Kulturpflanze ist, müsse dieser zunächst einmal für den Anbau gezüchtet werden. Das sei die vorrangige Aufgabe des Teams in Anklam, hieß es. Wenn die Versuche erfolgreich sind, will Continental den Rohstoff innerhalb von zehn Jahren in der Serienproduktion einsetzen. Wirtschaftsminister Harry Glawe (CDU) hofft, dass in Anklam dann auch ein Produktionswerk für Naturkautschuk entsteht: "Für Vorpommern ist das eine tolle Botschaft, dass Forschung, Entwicklung und Innovation zu neuen Arbeitsplätzen führen."

Der Zufall führte nach Anklam

Dabei ist es einem Zufall zu verdanken, dass die Wahl auf die vorpommersche Stadt fiel. Wie Teamleiter Prüfer sagte, hatte er seine Idee vor fünf Jahren bei den Biotechnologietagen in Anklam vorgestellt. Die Stadt habe sofort Interesse signalisiert und alles weitere ergab sich: Es gab geeignete, große Flächen in der Umgebung, Landwirte, die zum Löwenzahnanbau bereit waren, und Erfahrungen mit der Wurzel-Verarbeitung habe es wegen der dort ansässigen Zuckerfabrik auch schon gegeben.

Geerntet wird noch mit einer Möhrenerntemaschine

Seit 2017 bauen Landwirte den Löwenzahn auf rund 30 Hektar an. Bald könnte es ein Vielfaches sein. Doch bis dahin muss noch eine Lösung für ein Provisorium gefunden werden: Denn bisher werden die Wurzeln mit einer Möhrenerntemaschine geerntet. Um den Zielertrag von einer Tonne Kautschuk pro Hektar zu erreichen, sei eine spezielle Erntemaschine erforderlich, meint Prüfer.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Radio MV | 06.12.2018 | 18:10 Uhr

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