VIDEO: Corona und wir in MV: Wie geht es uns jetzt? (3 Min)

Künstler in Mecklenburg-Vorpommern, Miro Zahra: "Um jeden Kreativen kämpfen"

Stand: 14.06.2021 05:00 Uhr

Wie geht es uns? Was brauchen wir jetzt? Um über den zweiten Sommer in der Pandemie zu kommen und gemeinsam Wege aus der Krise zu finden? Corona und wir in MV: Über Monate hat der NDR in Mecklenburg-Vorpommern Menschen aus dem Land begleitet und nachgefragt, wie sie die Zeit zwischen Winter 2020 und Sommer 2021 erlebt haben.

von Gritt Kockot

Als wir vor mehr als einem halben Jahr ein Interview mit Miro Zahra geführt haben, war die Stimmung der Künstlerin im Keller. Sie habe während der Corona-Pandemie "mit blankem Entsetzen" gemerkt, dass Kunst und Kultur nur "eine unwesentliche Rolle im gesellschaftlichen Zusammenhang" spielen. Alle ihre geplanten Ausstellungen brachen weg. Bis Ende vergangenen Jahres hatte sie noch eine Teilzeitstelle im Mecklenburgischen Künstlerhaus Schloss Plüschow. Danach musste sich die Landeskulturpreisträgerin von 2015 arbeitslos melden. Wie geht es Miro Zahra heute?

Neue Arbeiten, neue Ausstellungen

Die Hoffnung sei zurück, sagt sie. "Wir sind jetzt auf dem Weg der Besserung. Sozusagen." Selbstverständlich habe die Pandemie bleibende Spuren hinterlassen, aber der Blick der Künstlerin richtet sich nach vorn: "Aber immerhin sind wir jetzt in einer Aufbruchsstimmung. Und ich denke, dass wir jetzt ein sehr positives Gefühl haben - auch was die kulturelle Entwicklung in unserem Land angeht." Die Malerin hat die Wintermonate für ihren künstlerischen Ausdruck genutzt. Neue Arbeiten sind entstanden. Momentan könne sie sich vor Anfragen kaum retten: Sie soll Ausstellungsprojekte organisieren und ihre eigenen Kunstwerke präsentieren. Eine große Herausforderung, denn alles will gut koordiniert sein.

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"Ich weiß, dass einige Kolleginnen wirklich krank wurden"

Miro Zahra glaubt, dass etliche Kunst- und Kulturschaffende sowie Soloselbständige diese Zeit emotional nicht gut überstanden haben. Viele Künstler hätten sich andere Beschäftigungen gesucht, um finanziell über die Runden zu kommen. Aber das gehe natürlich nur auf Kosten der künstlerischen Arbeit, sagt sie. "Und ich weiß, dass auch einige Kolleginnen wirklich krank wurden. Das macht mich wirklich sehr betroffen. Das braucht so viel Zeit, um sich davon zu erholen - und sich wieder darein zu finden, wo man einmal gewesen ist."

Großes Schweigen in der Politik

Auf der Bundesebene sei sehr viel verstanden worden. Dort habe man mit neuen Programmen reagiert, an denen sich Kunst- und Kulturschaffende mit Projektanfragen beteiligen können, so die 60-Jährige. Die Corona-Kulturpolitik des Landes habe sie dagegen enttäuscht. "Es war großes Schweigen - und das dauert ja immer noch an". So blieben etwa beim Thema Überbrückungsstipendien Anfragen im Prinzip unbeantwortet. "Das finde ich sehr bedauerlich, weil es gibt positive Beispiele aus anderen Bundesländern, die das besser auf die Reihe gekriegt haben." Die Künstlerin denkt, dass Kunst und Kultur in unserem Land keine starke Lobby haben.

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Vertrauen in die Politik verloren

Nach Ansicht von Miro Zahra bleibt die Lage für Kunst- und Kulturschaffende im Land weiter angespannt, auch wenn jetzt langsam wieder alles allmählich anrollt: Auf der einen Seite sei das Vertrauen in die Politik verloren gegangen, andererseits habe die ganze Situation auch etwas Positives, wie Miro Zahra herausgefunden hat: "Dass man sich auf eigene Kräfte besinnt und dass man weiß, ich kann mich ja nur auf das beziehen, was ich ja selber kann." Zudem sei auch die Erkenntnis gewachsen, sich Verbündete zu suchen, die "genauso geistig unterwegs" sind - und mit denen man Netzwerke knüpfen kann. Die Künstlerin will nun selbst Politik machen und kandidiert auf Platz 11 auf der Landesliste der Grünen für die Landtagswahl im September.

"Um jeden Künstler im Land kämpfen"

Die wohl wichtigste Erkenntnis: Neben finanzieller Absicherung bräuchten Künstlerinnen und Künstler auch ein klares Bekenntnis seitens der Gesellschaft, sagt Miro Zahra: "Wir müssen um jeden Kreativen hier bei uns im Land kämpfen, weil jeder Künstler, der meistens auch in den ländlichen Räumen angesiedelt ist, ist wie eine Zelle, von der so viele positive Impulse für die Region ausgehen."

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Radio MV | 14.06.2021 | 05:00 Uhr

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