Stand: 30.03.2020 14:40 Uhr  - NDR 1 Radio MV

Kreuzfahrt-Unternehmen bietet Schiffe als Krankenhäuser an

Ein Kreuzfahrtschiff der AIDA Cruises und der Traditionssegler "Kruzenshtern" im Rostocker Hafen anlässlich der Hanse Sail 2015. © obs/AIDA Cruises Foto: AIDA Cruises
Schwimmende Krankenhäuser auf Kreuzlinern wären auch hierzulande denkbar, sind aber noch nicht notwendig.

Die Corona-Pandemie hat die Welt im Griff. Am schlimmsten betroffen sind aktuell die USA, Italien und Spanien. Die wirtschaftlichen Folgen sind noch nicht absehbar. Einen Bereich hat es besonders getroffen – die Kreuzfahrt zum Beispiel ruht weltweit. Eines der größten Kreuzfahrt-Unternehmen mit mehr als 100 Schiffen ist die US-amerikanische Carnival Corporation. Zu ihr gehört auch die die Rostocker Reederei AIDA-Cruises. Carnival hat jetzt der US-Regierung einige seiner Kreuzliner als schwimmende Krankenhäuser angeboten, um die stationären Einrichtungen in besonders stark betroffenen Städten der USA zu entlasten.

1.000 Patienten könnten auf Schiffen betreut werden

Unentgeltlich wird das Unternehmen seine Schiffe nicht zur Verfügung stellen. Auch diese Weise bekäme aber zum Beispiel auch das Bordpersonal Arbeit. Auf einem Kreuzfahrtschiff könnten kurzfristig rund 1.000 Patienten betreut werden. Es handelt sich aber ausdrücklich nicht um Corona-Infizierte, sondern um Patienten, die aus anderen Gründen stationär betreut werden müssen. Auf diese Weise wäre in den Krankenhäusern in den USA mehr Platz für Corona-Infizierte. Vor 15 Jahren hatte Carnival schon einmal geholfen und nach Hurrican Katrina Schiffe als Unterkunft für hunderte Menschen zur Verfügung gestellt, deren Häuser zerstört worden waren.

In Mecklenburg-Vorpommern noch nicht notwendig

Ein solches Szenario wäre auch hierzulande denkbar, wurde bisher aber noch nicht in Erwägung gezogen. Mecklenburg-Vorpommern steht ja im Ländervergleich nicht an der Spitze bei Corona-Infektionen. AIDA-Cruises äußerte sich gegenüber NDR 1 Radio MV folgendermaßen: "Wir beobachten die Situation natürlich sehr genau und stehen auch in einem direkten Austausch mit Institutionen wie dem Robert-Koch-Institut und mit den Behörden. Sollte es einen neuen Stand der Dinge geben, lassen wir es Sie gerne wissen.“ Das Unternehmen wartet also erst einmal ab.

"Erst andere Optionen im Land ausschöpfen"

Der ärztliche Direktor des Rostocker Südstadt-Klinikums, Professor Jan Roesner, ringt derzeit um jedes freie Bett für mögliche Corona-Patienten. Für ihn ist die Idee vom Kreuzfahrtschiff als Krankenhaus zunächst nachvollziehbar. Allerdings sieht der Mediziner vor allem logistische Probleme: "Hierzulande sollten erst einmal andere Optionen ausgeschöpft werden, sollten die Krankenhäuser überfüllt sein. Aber die Option der Kreuzfahrtschiffe liegt zumindest auf dem Tisch", so Roesner.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Radio MV | 30.03.2020 | 17:15 Uhr

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