Stand: 05.06.2020 13:38 Uhr

Krankenhauskauf Crivitz: Vorvertrag unterschrieben

Die Kreistagssitzung fand in Golchen statt. © NDR Foto: Thomas Naedler
Bei der Kreistagssitzung in Golchen stimmten die Abgeordneten einstimmig den Kaufverhandlungen zu.

Die ersten Unterschriften sind gemacht, damit das Crivitzer Krankenhaus wieder in kommunale Hände kommen kann. Der Landrat des Kreises Ludigslust-Parchim, Stefan Sternberg (SPD) und Mediclin Regionalgeschäftsführer Philipp Schlösser haben am Freitagvormittag im Beisein von Gesundheitsminister Harry Glawe (CDU) einen Vorvertrag unterzeichnet. Es handelt sich dabei um eine Absichtserklärung - beide Seiten erklären, dass sie miteinander Kaufverhandlungen führen werden. Diese sollen laut Landrat Sternberg bis Ende Juni abgeschlossen sein.

Absichtserklärung: Beide Seiten wollen verhandeln

Landrat Sternberg lobte die bisher geführten Gespräche, Mediclin Regionalgeschäftsführer Schlösser sagte, er stehe dazu, dass die Verhandlungen mit dem Kreis so schnell wie möglich zu Ende geführt werden sollen. Angesprochen auf die vorzeitige Schließung der Geburtenstation, wies Schlösser Kritik zurück: "Wir haben uns wirklich sehr bemüht, bis zum 30. Juni die Aufrechterhaltung zu gewährleisten. Bis zum 12. Juni schaffen wir es, aber wenn ich nicht die Personalstrukturen habe, um das sicher gewährleisten zu können, dann kann ich das nicht verantworten."

Glawe: Gesundheitminister sichert Unterstützung zu

Gesundheitsminister Glawe äußerte Verständnis dafür, er sagte aber auch, dass die Crivitzer Geburtenstation trotz Abmeldung erstmal im Krankenhausplan des Landes stehen bleibt - mindestens solange, bis klar ist, wie das Krankenhaus küftig ausgerichtet sein wird. Glawe sagte, er werde den Kauf unterstützen, damit das Krankenhaus erhalten bleiben kann.

Kreistag votierte einstimmig für den Kauf

Die Abgeordneten des Kreistags Ludwigslust-Parchim hatten am Donnerstagabend einstimmig für den Kauf des Crivitzer Krankenhauses durch den Landkreis votiert, es gab zwei Enthaltungen. Landrat Stefan Sternberg (SPD) kann nun die Kaufverhandlungen mit dem jetzigen Betreiber Mediclin abschließen. Gescheitert ist ein Änderungsantrag der Fraktionen Bündnis 90/Grüne und der Linken, den Fortbestand der Geburtenstation festzuschreiben. In der Debatte vor der Abstimmung im Kreistag warnten mehrere Abgeordnete davor, sich schon jetzt auf ein detailliertes Konzept festzulegen und damit Hoffnungen zu wecken, die später vielleicht nicht zu erfüllen seien.

VIDEO: Landkreis will Krankenhaus in Crivitz übernehmen (2 Min)

Niedriger Kaufpreis, hohe Schulden

Offiziell soll der Kaufpreis einen Euro betragen. Unklar ist aber noch, welche Kosten tatsächlich auf den Kreis und möglicherweise auch auf das Land zukommen. Das Crivitzer Krankenhaus hat in den vergangenen Jahren Verluste in Millionenhöhe erwirtschaftet. Nach Informationen von NDR 1 Radio MV will der Landkreis maximal sechs Millionen Euro aufbringen, um Schulden des Krankenhauses abzubauen. Um konkrete Summen sollte es erst später am Abend im nichtöffentlichen Teil der Kreistagssitzung gehen.

Weitere Informationen
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Vertrag bis Ende Juni

Landrat Sternberg geht davon aus, dass die Verkaufsverhandlungen bis zum Monatsende abgeschlossen werden können. Der Landkreis und der Mediclin-Konzern seien sich weitgehend einig, so Sternberg im Vorfeld der Kreistagssitzung. Bis September wolle der Landkreis über Strukturveränderungen am Crivitzer Krankenhaus informieren. Alle Beschäftigen sollen jedoch gehalten werden. Über das Wie müsse aber noch gesprochen werden.

Mediclin will Geburtshilfe Mitte Juni schließen

In Crivitz werden weniger als 400 Kinder im Jahr geboren. Dies gilt als zu wenig für einen kostendeckenden Betrieb. Aufgrund der dünnen Besiedlung Mecklenburg-Vorpommerns sind die Zahlen vielerorts vergleichsweise niedrig. In der Vergangenheit mussten deshalb immer wieder Entbindungsstationen schließen. Aktuell gibt es sie noch in 15 Krankenhäusern in Mecklenburg-Vorpommern. Mediclin steht wegen der geplanten Stilllegung der Abteilung Gynäkologie und Geburtshilfe in Crivitz ab Mitte Juni stark in der Kritik. Der Mutterkonzern Asklepios plant, die Geburtshilfe im rund 20 Kilometer entfernten Parchim zu konzentrieren, wo er ein Krankenhaus betreibt.

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Die Klinik am Crivitzer See.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Radio MV | 05.06.2020 | 12:00 Uhr

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