Stand: 16.04.2020 18:20 Uhr  - NDR 1 Radio MV

Krankenhaus Crivitz: Verkauf wird wahrscheinlicher

von Stefan Ludmann, NDR 1 Radio MV

Crivitz: Das MediClin Krankenhaus am Crivitzer See. © dpa-Bildfunk Foto: Bernd Wüstneck
Am Krankenhauses in Crivitz ist die Geburtenstation seit Jahren nicht ausgelastet und verursacht so Kosten für das Haus. (Archivbild)

Der Verkauf des gesamten Krankenhauses in Crivitz an den Landkreis Ludwigslust-Parchim rückt offenbar näher. Eine Sprecherin des Krankenhausbetreibers Mediclin mit Sitz im baden-württembergischen Offenburg sagte nach einem Gespräch mit Gesundheitsminister Harry Glawe (CDU) und Landrat Stefan Sternberg (SPD), die Verhandlungen seien konstruktiv gewesen. Man habe vereinbart, die Gespräche würden fortgesetzt.

Käufer und Verkäufer sind sich noch nicht einig

Eine Option sei dabei auch der Verkauf des Krankenhauses. Das Gesundheitsministerium äußerte sich ähnlich. Als Grundsatz müsse gelten, dass das Krankenhaus erhalten bleibe. Über Details der Gespräche haben alle Seiten Stillschweigen vereinbart. Über einen möglichen Kaufpreis wurde nichts mitgeteilt. Offenbar liegen die Vorstellungen zwischen Mediclin als Verkäufer und dem Landkreis als Käufer noch auseinander.

Geburtenstation ist seit Jahren nicht ausgelastet

Grund für den möglichen Verkauf ist die Situation der Geburtenstation. Wegen fehlender Auslastung fährt sie über Jahre Verluste sein, die auch das gesamte Krankenhaus in rote Zahlen bringen - nur Finanzzuschüsse der Mediclin-Zentrale sicherten zuletzt ein Überleben. Mediclin will die Geburtenstation spätestens  Ende Juni schließen, der Mutterkonzern Asklepios will sie in seinem nahen Krankenhaus in Parchim konzentrieren.

Widerstand gegen Schließung

Gegen die Pläne regt sich in der Region und in der Landespolitik Widerstand. Auch Ministerpräsidentin Manuela Schwesig (SPD) machte sich für den Erhalt der Geburtshilfe in Crivitz stark und brachte eine Rückkehr der Klinik in kommunale Hände ins Spiel. Dabei kam es offenbar auch zu unterschiedlichen Einschätzungen zwischen ihr und Gesundheitsminister Glawe. Er hatte zunächst einer Schließung der Geburtshilfe zugunsten jener in Parchim zugestimmt. Seine Entscheidung begründete er mit der Schwierigkeit, für beiden Standorte genügend Ärzte zu finden.

Mögliche Unterstützung vom Land

Offen ist, wie das Land den Kauf durch den Kreis finanziell unterstützt. Eine direkte Finanzhilfe könnte auch Begehrlichkeiten in anderen Landkreisen wecken. Fraglich ist auch, ob die Rekommunalisierung alle Probleme löst und ob genügend Mediziner engagiert werden können.

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NDR 1 Radio MV | Die Nachrichten | 16.04.2020 | 18:00 Uhr

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