Ein alter Mann (re) blickt mit einer medizinischen Fachkraft auf ein Tablet, auf dem ein Arzt zu sehen ist. © NDR

Kommission drängt auf Reformierung der medizinischen Versorgung

Stand: 06.07.2021 17:31 Uhr

Die Enquetekommission des Landtags zur Zukunft der medizinischen Versorgung in Mecklenburg-Vorpommern drängt Regierung, Krankenkassen, Kliniken und Ärzteverbände zum Handeln. Die Menschen im Land würden älter, die Schwere der Krankheiten nehme zu.

Die Kommission stellte am Dienstag ihren 180 Seiten umfassenden Bericht vor. Der Tenor: In der medizinischen Versorgung im Nordosten kann es nicht so bleiben, wie es ist. Die Probleme würden größer, so der Kommissionsvorsitzende Jörg Heydorn (SPD). Es seien andere Lösungen gefragt, um eine gute und bezahlbare Versorgung zu ermöglichen und den einzelnen Patienten stärker in den Mittelpunkt rücken.

Ein größeres Krankenhaus pro Kreis als Regionalversorger

Konkret schlägt der Bericht vor, dass es in jedem Landkreis am besten ein größeres Krankenhaus als Regionalversorger geben sollte. In diesem könnte der Großteil der Fälle behandelt werden. Die Grundversorgung sollte dagegen in der Hand von integrierten Gesundheitszentren liegen, in dem Fachärzte versammelt sind. Diese Aufgabe könnten auch kleinere Krankenhäuser übernehmen. Die komplizierten Fälle könnten in den großen Kliniken in Schwerin und Rostock, Greifswald und Neubrandenburg behandelt werden.

Mehr Kommunikation - auch mit Telemedizin

Ferner legt die Kommission nahe, die Kurzzeitpflege und Apotheken besser in Behandlungsangebote einzubinden. Wichtig sei mehr Kommunikation des medizinischen Personals - auch mit Telemedizin, so Heydorn. Dazu sei aber mehr Digitalisierung nötig. Die Angebote müssten leichter erreichbar sein, auch durch einen guten öffentlichen Nahverkehr - beispielsweise mit Rufbussen.

Vorpommern-Greifswald als Modellregion?

Die Enquetekommission schlägt zudem vor, eine Modellregion zu schaffen. Der Landkreis Vorpommern-Greifswald sei geeignet, um den Umbau der medizinischen Versorgung auszuprobieren. Denn der Kreis habe bereits mit Forschungsprojekten wie der Bürgermedizin schon viel Erfahrung gesammelt.

Geburtshilfen: Zentralisierung nicht zu verhindern

Auch mit Blick auf die Diskussion um die Geburtshilfen bezieht die Kommission Stellung: Nur größere Geburtshilfen würden auch exzellente medizinische Qualität sichern, außerdem sei es unverhältnismäßig teuer, kleinere Stationen mit weniger als einer Geburt pro Tag einigermaßen effektiv zu unterhalten. Auch Kommissionschef Heydorn sagte, eine Zentralisierung der Geburtshilfe sei nicht zu verhindern.

Laut Heydorn ist die Bereitschaft bei den Krankenkassen und den Kliniken, etwas zu ändern, noch nie so groß gewesen. Nach der Landtagswahl im September soll nach dem Willen der Enquetekommission eine Regierungskommission gegründet werden, die die Arbeit an den Reformvorschlägen fortsetzen soll.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Radio MV | 06.07.2021 | 16:10 Uhr

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