Stand: 18.02.2019 17:06 Uhr

Ohne Steuergeld fliegt in Rostock-Laage nichts

Erst die Pleite der deutschen Fluglinie Germania, jetzt die Insolvenz der britischen Flybmi - für den größten Verkehrsflughafen Mecklenburg-Vorpommerns hat das Folgen: Aktuell gibt es keine Linienflüge mehr von und nach Rostock-Laage. Verkehrsminister Christian Pegel (SPD) sagt zwar, der Flughafen habe auch schon andere Krisen überstanden. Und auch die Gesellschafter wollen am Standort festhalten. Doch wie stehen dessen Chancen?

Ein Kommentar von Arne Schulz, NDR Info

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Die Flughafen-Gesellschafter werden etwas drauflegen müssen auf die 2,8 Millionen Euro im Jahr, die sie bislang zahlen, meint Arne Schulz.

Wer es sich leicht machen möchte, der kann Rostock-Laage nun als eines dieser größenwahnsinnigen Projekte von Lokalpolitikern abstempeln, die einfach nicht erkennen wollen, dass ihre Region zu klein ist für einen eigenen Flughafen. Aber ich finde, die Antwort sollte etwas differenzierter ausfallen.

Denn natürlich ist auch Pech dabei, wenn in nur zwei Wochen gleich zwei wichtige Geschäftspartner pleitegehen. Vielleicht weiß nicht jeder, dass Rostock-Laage noch 2017 einen neuen Passagierrekord aufgestellt hat. Und dass die Geschäftsführung über Jahre jede sich bietende Gelegenheit nutzte, den Betrieb besser auszulasten.

Umstrittene Zielgruppe Kreuzfahrttouristen

Denken wir zum Beispiel an die Idee, ein Flughafen für Menschen zu werden, die mit dem Schiff weiterreisen wollen. Skurril? Nicht, wenn man bedenkt, dass der Hafen Rostock-Warnemünde im Jahr mehr als 900.000 Kreuzfahrttouristen abfertigt. Und wenn man berücksichtigt, dass ein Flug für die vielen Schiffsgäste aus Spanien oder Italien direkt nach Rostock bequemer sein dürfte als ein Flug nach Hamburg oder Berlin.

Menschen, die erst fliegen und dann eine Kreuzfahrt machen, sind für Klimaschützer wahrscheinlich der Horror. Aber für einen Flughafen, der chronisch in den Miesen ist, sind sie auch eine vielversprechende Zielgruppe.

Rostock-Laage war schon immer ein "Winzling"

Was ich damit sagen will: Das Management steuert den Flughafen seit Jahren so gut es geht. Es geht nur eben nicht so gut. Denn mit knapp 300.000 Passagieren in seinen besten Zeiten war Rostock-Laage schon immer ein "Winzling". Hamburg ist 60 Mal größer, Frankfurt am Main 230 Mal.

Die erfolgreichsten Fluggesellschaften von Lufthansa bis Ryanair konzentrieren sich im Wesentlichen auf die Drehkreuze und auf andere Flughäfen mit hohen Passagierzahlen. Mini-Flughäfen wie Rostock-Laage sind für sie unattraktiv. Es sei denn, die Regionalflughäfen werfen sich ihnen mit extrem niedrigen Tarifen an den Hals.

Eine etwas bessere Verhandlungsposition haben die Regionalflughäfen nur gegenüber kleinen, vielleicht schon schlingernden Airlines wie Germania. Aber da ist die Gefahr eben groß, dass die Fluggesellschaft plötzlich pleitegeht - siehe Germania, siehe Flybmi.

Ehrliche Bestandsaufnahme ist nötig

Künftig will der Flughafen mit mehreren kleinen Airlines kooperieren, um das Risiko zu senken. Das ist vernünftig, aber die Partner fallen nicht vom Himmel. Auch die neue Verbindung nach Antalya ab April wird an den grundlegenden Problemen nichts ändern.

Helfen kann nur eine ehrliche Bestandsaufnahme mit der Landesregierung in Mecklenburg-Vorpommern und den Gesellschaftern: der Stadt und dem Landkreis Rostock sowie der Stadt Laage.

Die Gesellschafter oder das Land werden etwas drauflegen müssen auf die 2,8 Millionen Euro im Jahr, die sie bislang zahlen, denn ohne Steuergeld wird in Rostock-Laage nichts fliegen.

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NDR Info | Kommentar | 18.02.2019 | 17:08 Uhr

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