Stand: 02.07.2019 16:45 Uhr

Der Albtraum von Lübtheen

Der Brand in dem munitionsbelasteten Waldgebiet bei Lübtheen (Landkreis Ludwigslust-Parchim) weitet sich weiter aus. Rund 600 Hektar Wald stehen in Flammen. Die Löschkräfte setzen nun auf massive Hilfe der Bundeswehr. Sie schickte zehn Panzerfahrzeuge, die Schneisen schlagen sollen. Vier Orte in der Region sind geräumt worden.

Ein Kommentar von Tom Heerdegen, NDR Info Nachrichtenredaktion

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Tom Heerdegen lobt die Hilfsbereitschaft der Einheimischen, die die Feuerwehrleute mit Essen und Getränken unterstützen.

Hunderte Menschen im Westen Mecklenburgs erleben einen Albtraum. Sie mussten ihr Zuhause verlassen, oft von einem Moment auf den anderen. Und sie mussten vieles von dem zurücklassen, was eben noch ihr Leben war. Wann sie zurückkehren können, wissen sie nicht. Nein, sie können noch nicht einmal ganz sicher sein, dass ihre Häuser überhaupt noch stehen werden, wenn das Feuer irgendwann aufgehört hat zu wüten.

Hilfsbereitschaft wie beim Elb-Hochwasser

Der größte Waldbrand in der Geschichte Mecklenburg-Vorpommerns kann für viele Menschen zum Schicksalsschlag werden. Dennoch ist in Lübtheen und Umgebung mehr zu sehen und zu spüren als Verzweiflung und große Angst vor einer ungewissen Zukunft. Denn angesichts dieses gewaltigen Unglücks rücken die Menschen zusammen, sind soldidarisch, bieten Unterstützung an. Wir haben Ähnliches erlebt - nach der Oderflut etwa oder dem Elb-Hochwasser. Die Bereitschaft zusammenzustehen, abzugeben, schwierige Herausforderungen anzugehen - unsere Gesellschaft kann Gemeinsamkeit - und zwar ziemlich gut, wenn sie nur will.

Spenden für die Hilfskräfte vor Ort

So konnten auch die allermeisten, die von der Brand-Evakuierung betroffen sind, wie selbstverständlich bei Verwandten oder Bekannten unterkommen, und auch die vielen Hilfskräfte vor Ort erhalten einen besonderen Lohn für ihre kräfteraubende und gefährliche Arbeit: Anerkennung und Dankbarkeit. Schon in den ersten Stunden ihres Kampfes gegen die Flammen wurden sie von Einheimischen mit Essen und Trinken versorgt, mittlerweile stapeln sich im Einsatzzentrum die Lebensmittel-Spenden. Das ist einfach toll.

Lösch-Hubschrauber fehlen

Deutlich weniger beeindruckend ist der Blick auf die bundesweiten Vorräte an geeignetem Gerät, um Brände wie jetzt in Lübtheen effektiv zu bekämpfen. Grundsätzlich ist Deutschland durch ein engmaschiges Feuerwehr-System, das schnelles Handeln ermöglicht, zwar gut aufgestellt, sagen Experten. Deutliche Defizite sehen sie jedoch bei Einsätzen aus der Luft. Der Deutsche Feuerwehrverband fordert zusätzliche Lösch-Hubschrauber - als Folge von Dürre-Perioden steige in Deutschland das Waldbrand-Risiko, darauf müsse man reagieren. Dieser Einschätzung zu folgen, wird Geld kosten - nicht konsequent zu handeln, dürfte uns teurer zu stehen kommen.

Munitionsreste unter der Erde

Überzeugende Antworten brauchen wir auch auf die Frage, wie wir künftig mit Flächen umgehen, auf denen - wie in Lübtheen - Munitionsreste unter der Erde liegen - und damit tickende Zeitbomben. Gut, dass Mecklenburg-Vorpommerns Landesregierung dieses Thema bereits aufgegriffen hat. Wichtig ist, dass die Bereitschaft, das Problem ehemaliger Schlachtfelder und Truppenübungsplätze anzugehen, sich nicht in Rauch auflöst, wenn dieser Brand hoffentlich bald gelöscht ist.

Weitere Informationen

Der Ticker zum Waldbrand bei Lübtheen zum Nachlesen

Der Brand auf dem Truppenübungsplatz bei Lübtheen ist weiter eingedämmt. Das teilte Landrat Sternberg auf einer Pressekonferenz mit. Alt Jabel bleibt weiter evakuiert. mehr

Waldbrände: Wie gefährlich ist der Rauch?

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NDR Info | Kommentar | 02.07.2019 | 17:08 Uhr

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