Stand: 01.02.2019 18:56 Uhr

Klimaschutz: Lieber Moor statt Ackerfläche

von Isabelle Vidos
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Grundbesitzer Achim Ahrendt hat 65 Hektar seines Landes wiedervernässt.

Wenn Achim Ahrendt seine landwirtschaftlichen Flächen in Buchholz im Landkreis Mecklenburgische Seenplatte kontrolliert, hat er immer festen Boden unter den Füßen. Der Grund dafür: Pumphäuschen legen seine Flächen trocken. Ansonsten wäre sein Boden ein sumpfiges Moor. So wie hier sind viele Flächen in Mecklenburg-Vorpommern eigentlich Moorland. 300.000 Hektar gibt es davon - doch mehr als zwei Drittel davon sind seit Jahrzehnten trockengelegt.

Trockenlegung für die Landwirtschaft

Das ist Fluch und Segen zugleich, wie Achim Ahrendt erklärt: "Nur trockengelegte Flächen können für konventionelle Landwirtschaft und damit kaufmännisch genutzt werden. Sind die moorigen Torfböden nicht mehr mit Wasser bedeckt, reagieren sie aber mit dem Sauerstoff aus der Luft und es werden große Mengen CO2 freigesetzt."

Ein Rohr einer Pumpe, die für die Entwässerung eines Moores eingesetzt wird.

Wie trockengelegte Moore das Klima gefährden

Nordmagazin -

Viele landwirtschaftliche Flächen in MV sind eigentlich trockengelegte Moore. Und die sind die größten Klimasünder: 6,2 Millionen Tonnen Kohlendioxid setzen sie jährlich frei.

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Trockene Moore sind größte Klimasünder in MV

Anlässlich des Welttages der Feuchtgebiete am 2. Februar machen Umweltschützer auf die Relevanz der Moore aufmerksam. Nach Angaben der Akademie für Nachhaltige Entwicklung steigen jährlich 6,2 Millionen Tonnen CO2 aus den trockenen Mooren in Mecklenburg-Vorpommern in die Luft. Damit sind die Moore vor dem Straßenverkehr die größten Klimasünder des Landes. Zusätzlich verlieren die trockenen Moore Volumen. Durch den Verlust des Kohlenstoffs im Boden sacken ganze Landstriche bis zu drei Zentimeter im Jahr ab.

"MoorFutures" – Projekt zur Wiedervernässung

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Das Moor "Polder Kieve" wurde mit Hilfe von "MoorFutures" wiedervernässt.

Achim Ahrendt hat sich deshalb zur Renaturierung entschlossen. Die Idee, Moore wieder zu bewässern und somit CO2 im Boden zu belassen, stammt von "MoorFutures", einem Projekt des Umweltministeriums MV und der Akademie für Nachhaltige Entwicklung. "MoorFutures" setzte Achim Ahrendts Fläche unter Wasser. Etwa 14.000 Tonnen Kohlenstoffdioxid blieben so in der Erde. Die Kosten für Bodenarbeiten, eine Entschädigung für den Besitzer und die Arbeit von Wissenschaftlern, die Renaturierung beobachten, übernimmt das Projekt. Im Fall von Ahrendts 65 Hektar belaufen sie sich auf eine halbe Million Euro.

Geld kommt von Spendern

Die Finanzierung von "MoorFutures" besteht aus einzelnen Spenden. Unternehmen und Privatpersonen haben sich über die Homepage Umwelt-Zertifikate des Moores gekauft. Wulf Hahne aus Neu Poserin ist einer von 1.500 Spendern. "Mit meiner Familie achte ich auf unseren persönlichen CO2-Fußabdruck. Doch so wenig Kohlendioxid zu erzeugen, dass es umweltverträglich wäre, ist kaum möglich. 700 Euro habe ich deshalb gespendet - für mich gut investiertes Geld."

Andere Bundesländer machen mit

Achim Ahrendts Fläche ist inzwischen vollständig finanziert. Doch der Kampf um gute Luft geht weiter: Der Gelliner Bruch nahe Ramin im Landkreis Vorpommern-Greifswald soll als nächstes wieder nass gemacht werden. Und auch andere Bundesländer haben die Idee aus Mecklenburg-Vorpommern übernommen: Auch Schleswig-Holstein und Brandenburg sind bei der Renaturierung dabei.

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Dieses Thema im Programm:

Nordmagazin | 02.02.2019 | 19:30 Uhr

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NDR Fernsehen