Stand: 17.09.2019 21:01 Uhr

Klima-Aktionsplan 2010: Was ist daraus geworden?

von Carolin Kock
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Der Klimawandel ist in Mecklenburg-Vorpommern bereits deutlich zu spüren. (Archivbild)

55 Maßnahmen für den Klimaschutz hatte die Landesregierung vor zehn Jahren angekündigt. Das Ziel: Energie, Tourismus, Landwirtschaft und Verkehr umweltfreundlicher zu machen. Doch viele Ressorts und wechselnde Zuständigkeiten sorgten dafür, dass viele Ziele bis heute unerreicht bleiben.

Klima-Rat hielt nicht mal ein Jahr

So sollte es einen 16-köpfigen Klimarat mit Experten aus Wirtschaft und Forschung geben. Diese "Klima-Prominenz" sollte sich alle drei Monate über den Umweltschutz des Landes beraten. Auch Arp Fittschen vom Städte- und Gemeindetag wurde 2010 in diesen Rat berufen: "Ich kann mich noch an die erste konstituierende Sitzung erinnern, aber danach ist nichts mehr passiert."  

Stau auf der Autobahn

Was ist mit dem Aktionsplan-Klimaschutz?

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Wirtschaftsminister Jürgen Seidel stellte 2010 den Aktionsplan-Klimaschutz für MV vor: 55 Maßnahmen auf 150 Seiten. Viele Vorhaben sind eingeschlafen.

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MV als "Energieland 2020"

Vor allem der Ausbau von Windkraft und Solartechnik wurde vorangetrieben. Mecklenburg-Vorpommern erzeugt heute zum Beispiel 1.300 Gigawattstunden Strom aus Sonnenenergie. Das Ziel von 2010 ist damit um das achtfache übertroffen. Doch noch würden die Gemeinden nicht von dieser Energiewende profitieren, so Fittschen. "Den Klimaschutz komplett auf erneuerbare Energien zu stützen, hat nicht ausgereicht. Besonders im ländlichen Raum ist das heute nicht mehr vermittelbar, die Akzeptanz schwindet."

Nur jeder fünfte Campingplatz ist klimafreundlich

Auch der Tourismus sollte klimafreundlich werden. Vorzeigeprojekt war 2010 das Speicher Hotel in Schwerin - als erstes klimaneutrales Hotel von Mecklenburg-Vorpommern. Bis heute kamen nur zwei dazu. Ein möglicher Grund: Die CO2-Bilanz auszurechnen und auch auszugleichen, sei aufwendig, so Inhaberin Vera Hirte. "Doch die Unternehmen können davon profitieren, die Nachfrage nach nachhaltigen Reisen steigt." Doch auch die Zahl der Hotels, die sich selbst mit Energie versorgen oder an Abfall und Wasser sparen, ist überschaubar: Der Hotel- und Gaststättenverband hat mit seinem eigenen Umweltcheck aktuell nur neun Hotels im Land zertifiziert. Auch beim Camping gibt es Nachholbedarf: Nur 40 von 216 sind "Eco-Campingplätze", also klimafreundlich.

Kein Biogas-Bus auf Rügen

Ein Projekt des Aktionsplans war auch "Natürlich Rügen": Bis 2011 sollte eine Busflotte des dortigen Nahverkehrs publikumswirksam mit Biogas betrieben werden. Bei der Verkehrsgesellschaft Vorpommern-Rügen mbH fährt heute jedoch nicht ein einziges Fahrzeug mit Biogas. CO2-Einsparungen im Verkehr sind kaum möglich. Viele Orte in Mecklenburg-Vorpommern sind nur mit dem PKW zu erreichen, so Fittschen. "Der Nahverkehr und das Angebot an Fahrrädern oder Elektroautos muss ausgebaut werden. Jeder Ort in Mecklenburg-Vorpommern muss im Ein-Stunden-Takt erreichbar sein."

Frage der Zuständigkeit

Ein weiteres Gremium aus dem Aktionsplan ist 2011 eingeschlafen - die "Umweltallianz". Diese sollte kleine und mittelständische Unternehmen bei einer nachhaltigen Produktion unterstützen. Unter einer neuen Landesregierung wurde sie eingestellt. Herausgegeben wurde der Klima-Aktionsplan 2010 vom damaligen Wirtschaftsminister Jürgen Seidel. Allerdings wechselte die Zuständigkeit ins Ministerium für Energie, Infrastruktur und Digitalisierung. Doch auch Umwelt- und Wirtschaftsministerium sind zuständig für Klimaschutzmaßnahmen. Ein eindeutiger und vor allem konstanter Ansprechpartner ist schwer zu finden.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Radio MV | 16.09.2019 | 19:30 Uhr

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