Stand: 02.06.2020 19:05 Uhr

"Kleine Sensation": In MV verschollene Arten entdeckt

Ein Wespenbock © Landesforst Mecklenburg-Vorpommern Foto: Landesforst Mecklenburg-Vorpommern
Der Käfer Panzers Wespenbock galt in Mecklenburg-Vorpommern 100 Jahre lang als verschollen.

Insektenforscher der Landesforstanstalt haben mehrere als in Mecklenburg-Vorpommern verschollen geltende Arten entdeckt. Die Forscher sprechen von einer kleinen Sensation. Erstmals überhaupt seien elf Insektenarten in Mecklenburg-Vorpommern entdeckt worden, so Projektleiter Uwe Gehlhar von der Landesforstanstalt.

Panzers Wespenbock galt in MV lange Zeit als verschollen

Viele von ihnen haben nur lateinische Namen. Unter ihnen ist etwa Acrotona Nigerrima. Der winzigkleine Käfer gehört zur Familie der Kurzflügler. Er war für den mitteleuropäischen Raum bislang noch gar nicht dokumentiert. Zudem wurde in zwei Naturwaldreservaten bei Neubrandenburg und Neustrelitz - den Schierer Buchen und dem Zippelower Holz - der Käfer Panzers Wespenbock nachgewiesen. Dieser sehr seltene Käfer galt in Mecklenburg-Vorpommern 100 Jahre als verschollen, wurde 2006 auf Usedom erstmals wieder entdeckt.

Kleiner Eisvogel und Grasmotteneulchen gesichtet

Auch seltene Tagfalter und Nachtschmetterlinge wurden gesichtet. In Güstrows Wäldern zum Beispiel der Kleine Eisvogel. Außerdem wurden der Große und der Kleine Schillerfalter und das Grasmotteneulchen beobachtet. Dieser Eulenfalter wird auf der Roten Liste für bedrohte Tiere bereits als ausgestorben geführt.

MV bisher nur vergleichsweise wenig erforscht

Ein Grund für die Entdeckungen könnte der Umstand sein, dass die Gegenden im Nordosten bislang nur wenig von Insektenforschern untersucht worden sind. Hinzu kommt, dass die meisten der nun gesichteten Käfer sehr klein sind - viele von ihnen sind kleiner als vier Millimeter. Sie leben zudem gern versteckt und machen es selbst Spezialisten sehr schwer, entdeckt zu werden.

An 50 Standorten Insekten gezählt

Die Landesforstanstalt hatte das auf drei Jahre angelegte Modellprojekt zum Schutz von Waldinsekten im Herbst 2018 gestartet. Das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft fördert die Arbeit. Fachkundige zählten an 50 Standorten Käfer, Schmetterlinge und Stechimmen. Erfasst wurden neben der Vielfalt auch die Häufigkeit einzelner Arten, das Vorkommen von Spezialisten sowie seltener und gefährdeter Arten. Jetzt liegt laut der Fachagentur Nachwachsende Rohstoffe (FNR) in Gülzow eine erste Auswertung der entomologischen Untersuchungen vor. Insgesamt wurden mehr als 940 Käferarten, 335 Spinner-, Spanner- und Eulenfalter nachgewiesen. Außerdem wurden 233 Stechimmen-Arten gezählt, davon 107 verschiedene Wildbienen- und 126 Wespen-Arten.

Waldinseln sollen miteinander verknüpft werden

Laut den Wissenschaftlern müssten nun perfekte Lebensräume geschaffen werden, um die Tiere gezielt zu schützen. Einige sehr seltene Käfer gehören zu den sogenannten Urwaldreliktarten. Das bedeutet: Sie bevorzugen sehr alte, starke Bäume und Totholz. Die Wissenschaftler überlegen nun, genau diese Bäume neu zu pflanzen. Denn stirbt eine sehr alte Eiche ab, verliert auch der Käfer Lebensraum. Ein Problem sei die Entwaldung der Landschaft. Die Forscher wollen gegensteuern und einzelne Waldinseln miteinander verbinden - etwa indem sie neue Bäume oder Hecken pflanzen und Blühstreifen anlegen.

Weitere Informationen
Blattschneiderbiene auf einer Blüte © NDR/Labo M GmbH

Was tun gegen das Insektensterben?

Wo es früher summte und brummte, ist es leiser geworden: Die Zahl der Insekten hat in den vergangenen Jahren stark abgenommen. Die Folgen für unser Ökosystem sind dramatisch. mehr

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Radio MV | 02.06.2020 | 17:00 Uhr

Mehr Nachrichten aus Mecklenburg-Vorpommern

Eine Mutter klingelt mit zwei Kindern an einer Tür. © picture alliance/dpa Foto: Uwe Zucchi

MV: Notbetreuung in Schulen und Kitas bei 150er-Inzidenz

Am Donnerstag wird entschieden, ob die Kitas und Schulen in den Kreisen Ludwigslust-Parchim und Vorpommern-Greifswald tatsächlich nur noch Notbetreuung anbieten. mehr

7-Tage-Inzidenzkarte vom 20. Januar

Corona in MV: 294 Neuinfektionen, 13 weitere Todesfälle

Die meisten Neuinfektionen wurden im Landkreis Mecklenburgische Seenplatte registriert. mehr

Eine Reihe von Tischen und Stühlen, die mit Absperrband abgesperrt sind. © dpa Bildfunk

Corona-Beschlüsse: Wirtschaft in MV reagiert gemischt

Die Wirtschaft lobt, dass es keinen harten Lockdown geben werde, der Arbeitgeberverband lehnt eine Home-Office-Pflicht ab. mehr

Ministerpräsidentin Manuela Schwesig vor Mikrophonen. © Staatskanzlei bei facebook Foto: screenshot

Corona-Lockdown bis 14. Februar verlängert

Medizinische Masken müssen in Geschäften, Bussen und Bahnen getragen werden. In den Schulen und Kitas weiterer Landkreise wird die Notbetreuung eingeführt. mehr