Stand: 10.06.2020 14:24 Uhr

Klärschlamm-Verbrennungsanlage in Stavenhagen?

Die Stadtvertreter von Stavenhagen (Landkreis Mecklenburgische Seenplatte) beraten morgen darüber, ob eine Klärschlamm-Verbrennungsanlage in der Kleinstadt gebaut werden soll. Die Firma Energy from Waste (EEW) aus Niedersachsen plant das Vorhaben. Die Entscheidung trifft schlussendlich aber das Staatliche Amt für Landwirtschaft und Umwelt.

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Einwohner haben Bedenken gegen den Bau

Laut Stadtpräsident Klaus Salewski (Die Linke) gibt es Bedenken unter den Einwohnern, unter anderem wegen der Verkehrs- und der Feinstaubbelastung. Laut EEW-Geschäftsführer Morten Holpert würden etwa 20 zusätzliche Lkw täglich durch Stavenhagen fahren. Das sei eine Menge, die kaum ins Gewicht falle: "Das entspricht 0.75 % der Verkehrsbelastung, die Stavenhagen heute hat."

Umgehungsstraße ist vorläufig nicht geplant

Betroffen ist vor allem die B 194 in Richtung Demmin. Dort befinden sich bereits weitere Firmen, die ebenfalls auf Lkw-Transporte angewiesen sind. Stavenhagen plant seit mehr als 20 Jahren eine Umgehungsstraße zwischen der B 194 und der B 104. Mit ihr wären die ansässigen Firmen von der Rückseite erreichbar, ohne dass die Lkw durch die Stadt fahren müssten. Doch für den Bau ist der Bund verantwortlich, und der plant diese Straße bisher bis zum Jahr 2030 nicht.

Unternehmen will nach BVT-Richtlinie bauen

Die Europäische Union schreibt in der Industrieemissionsrichtlinie vor, dass beim Bau einer Klärschlamm-Verbrennungsanlage die bestmögliche verfügbare Technik (BVT) eingesetzt werden muss. Die Grünen werfen dem Unternehmen vor, dass es nicht nach dieser EU-Norm bauen will. Dem widerspricht Geschäftsführer Holpert, etwas anderes als die bestmögliche verfügbare Technik komme gar nicht in Frage: "Wir werden unsere Anlage so konzipieren, dass wir keine zusätzlichen Investitionen oder Nachbesserungen brauchen und schon heute die BVT-Richtlinien ganz klar erfüllen."

Bau könnte Heizkosten senken

Für den Bau der Klärschlamm-Verbrennungs-Anlage sprechen unter anderem höhere Steuereinnahmen für Stavenhagen. Außerdem ist EEW als Sponsor aktiv, unter anderem beim Handball. Die Stadt könnte auch von der Wärmegewinnung profitieren, mit ihr ließen sich offenbar etwa 90 Prozent aller Wohnungen der Kleinstadt heizen. Für Stadtpräsident Salewski ist dieser Aspekt auch eine Frage des Klimaschutzes: "Wir hoffen, dass wir eine Wärmeversorgung bekommen, die ausschließlich aus der Stadt gewonnen wird, kostengünstig und vor allem mit stabilen Preisen, die unter den anderen Anbietern liegen."

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Radio MV | 10.06.2020 | 16:30 Uhr

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