Carolin Kock im Nordmagazin-Studio interviewt einen Kinderarzt via Video-Telefonie.

Kinderärzte in MV fordern Öffnung von Schulen und Kitas

Stand: 06.05.2021 16:14 Uhr

Kinderärzte des Sozialpädiatrischen Zentrums Schwerin (SPZ) haben sich in einem offenen Brief an die Landesregierung und den Landtag gewandt. Wegen der pandemiebedingten Schul- und Kitaschließung leiden immer mehr ihrer jungen Patienten unter massiven gesundheitlichen Problemen.

von Carolin Kock

Seit Herbst 2020 steigt die Zahl der Neuanmeldungen im Schweriner Kinderzentrum (SPZ) - 40 bis 50 neue Patienten sind es pro Woche. Kindern und Jugendlichen machten vor allem die fehlende Tagesstruktur und die fehlenden sozialen Kontakte zu schaffen, sagt Kinderarzt Dr. Tilman Köhler. Immer mehr junge Patienten leiden unter psychischen Störungen und Verhaltensauffälligkeiten. Bewegungsmangel und verstärkter Medienkonsum führen zu Übergewicht und Haltungsschäden.

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Besonders Kinder mit körperlichen oder geistigen Behinderungen sind betroffen. Sie können die Situation häufig nicht verstehen und neigen deshalb vermehrt zu aggressivem Verhalten. Rund 20 Prozent der 13- bis 15-Jährigen und mehr als 35 Prozent der Grundschüler hätten außerdem große Probleme in der Schule, machten keine Fortschritte im Lesen und Rechnen.

Kreative Schulkonzepte an der frischen Luft gefordert

Momentan fehle den Familien vor allem eine Perspektive, sagt Tilman Köhler. Es sei unklar, ob die Schulen vor den Sommerferien überhaupt wieder öffnen. Mit kreativen Konzepten, Unterricht an der frischen Luft und sportlichen Aktivitäten solle das aber schnell wieder möglich sein, auch weil die Inzidenzen sinken und immer mehr Lehrkräfte geimpft sind. "Wir haben festgestellt, dass die Schulen keine Hotspots sind. Auch wenn die Zahlen bei der letzten Virusvariante in die Höhe gegangen sind, haben wir festgestellt, dass schwerwiegende Verläufe nicht stattfinden“, so Köhler.

Landeselternrat und GEW für regionale Öffnungsschritte

Das wichtigste Ziel sei im Moment nicht die Vermittlung des Lernstoffs, sondern das Kontakthalten, sagt Kay Czerwinski vom Landeselternrat. Die Familien seien am Limit, viele Lehrer würden die Kinder nicht mehr erreichen. Deshalb dürfe die Öffnung der Schulen nicht von der Landesinzidenz abhängen, sondern müsse auch wieder regional möglich sein, damit Schülerinnen und Schüler schnellstmöglich wieder in Kontakt treten können – im Wechselunterricht und an der frischen Luft. Auch die Gewerkschaft für Erziehung und Wissenschaft setzt sich für eine Schulöffnung ein, die abhängig ist von der Inzidenz der Landkreise.

Landesregierung will Dienstag beraten

Auf Nachfrage verteidigt die Staatskanzlei ihr Vorgehen. Schulen und Kitas hätten weiterhin die oberste Priorität und würden als erste Bereiche wieder geöffnet, sobald die Landesinzidenz unter 100 liegt, so ein Sprecher. Man habe sich auf dem letzten MV-Gipfel bewusst für landesweite Maßnahmen entschieden, da die Infektionszahlen auch erstmals landesweit hoch waren.

Bereits am 29. April hatte sich der Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte e.V. in einem Brief an die Ministerpräsidentin gewandt. Es herrsche blankes Entsetzen darüber, dass es der Politik auch in der dritten Pandemiewelle nicht gelungen sei, Schulen und Kitas offen zu lassen - wenn gleichzeitig große Teile der Gesellschaft, insbesondere die Wirtschaft, überhaupt nicht von Pandemiemaßnahmen betroffen seien.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Radio MV | 06.05.2021 | 19:30 Uhr

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