Kröten haben sich in Sand eingegraben. © NDR Foto: Mandy Brügmann

Kieswerk Pinnow: Amphibienzaun wird zur Krötenfalle

Stand: 06.04.2021 17:30 Uhr

Sogenannte Krötenzäune sind dazu da, Amphibien auf ihrer Wanderung zu Laichgewässern zu schützen. In Pinnow bei Schwerin ist den Tieren ein solcher Zaun an einem Kieswerk jetzt zum Verhängnis geworden.

von Petra Küntzer, NDR 1 Radio MV

Vielerorts stehen jetzt grüne Krötenzäune am Wegesrand. Die haben Naturschützer überall dort aufgestellt, wo Kröten über viel befahrene Straßen wandern - auf dem Weg zum Laichgewässer. Im Frühjahr, wenn es etwas mehr als fünf Grad in der Nacht warm ist, dann brechen die Kröten auf und suchen die Laichgewässer auf. Damit sie auf dem Weg nicht tot gefahren werden, sammeln engagierte Naturfreunde des Naturschutzbundes (NABU) die Frösche in Eimern ein und bringen sie sicher auf die andere Straßenseite. Im Kieswerk in Pinnow bei Schwerin gibt es allerdings einen vier Kilometer langen Zaun, der jetzt vielen Kröten zum Verhängnis geworden ist.

1.400 Tiere gerettet

Mandy Brügmann kümmert sich mit ihren freiwilligen Helfern schon seit Jahren darum, dass Kröten sicher zu ihren Laichgewässern kommen. Eigentlich betreut sie den Zaun an einer Straße im nahe gelegenen Zietlitz. Über Ostern hat sie an dem Zaun im Kieswerk Pinnow aber Kröten entdeckt, die vertrocknet sind beziehungsweise sich schon tief in den Sand eingegraben haben. Insgesamt hat sie mit ihren Helfern 1.400 Tiere gerettet - also über den Zaun gehoben. Unter den Amphibien waren auch Exemplare der seltenen Kreuzkröten, die unter strengem Naturschutz stehen. Für manche der Tiere kam die Hilfe zu spät, sie waren schon verendet. Mandy Brügmann war so entsetzt, dass sie nach eigener Angabe auch Anzeige gegen die Firma Otto Dörner, die das Kieswerk betreibt, erstattet hat.

Firma Dörner: Zaun war eigentlich für Eidechsen

Der Zaun sei eine Auflage der Unteren Naturschutzbehörde, sagt Gert Walther von der Firma Dörner. Er sei eigentlich dazu da, die Eidechsen zu schützen, damit sie nicht beim Kiesabbau zu Schaden kommen. Dass dieser Zaun jetzt für die Kröten zur Falle wurde, sei sehr bedauerlich aber auch nicht erwartbar gewesen. Die Firma habe nicht gewusst, dass es hier eine Krötenwanderstrecke gibt. Inzwischen wurde der Zaun an vielen Stellen geöffnet, damit die Kröten durchkommen und ihr Laichgewässer erreichen. Außerdem muss der Zaun zweimal täglich kontrolliert werden. Die Tiere werden, wenn nötig, umgesetzt. Das sieht die Auflage der Unteren Naturschutzbehörde vor. Mandy Brügmann ist aber nicht zufrieden damit, sie glaubt nicht an ein Versehen der Firma und will einen Baustopp erreichen, da die Kröten auch wieder zurückwander müssen. Sie fürchtet, dass die Tiere auf Dauer dem Kiesabbau zum Opfer fallen. In einem Schreiben der Unteren Naturschutzbehörde heißt es allerdings, dass der hier entstehende artenschutzrechtliche Zielkonflikt "hinnehmbar" sei.

NABU: Kiestagebau schafft wertvolle Ersatzlebensräume

Falk Ortlieb vom NABU Mecklenburg-Vorpommern findet Kiestagebau grundsätzlich aber gar nicht so schlecht. Dies sei auch ein Beispiel dafür, wie solche Kiestagebaue Lebensräume für Amphibien und Reptilien schaffen. Das seien wertvolle Lebensräume, die hier entstehen. In der freien Landschaft würden immer mehr Lebensräume für Tierarten verloren gehen, da entstünden beim Kiestagebau immer wieder Ersatzlebensräume. Das Problem sieht er in diesem Fall eher darin, dass der Zaun, der eigentlich Amphibien schützen sollte, offenbar nicht sach- und fachgerecht errichtet wurde - beispielsweise mit Eimern, in denen die Tiere aufgefangen werden. Die Untere Naturschutzbehörde hat angekündigt, dass es noch einen Termin vor Ort geben wird, mit der Firma und der Umweltbehörde.

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