Stand: 26.02.2020 17:35 Uhr

Keine neuen Nahverkehrs-Warnstreiks bis 3. März

Rostock: Im Busdepot der Rostocker Straßenbahn AG (RSAG) stehen Busse, vor dem Depot steht ein Zelt der Gewerkschaft Ver.di. © dpa-Zentralbild/dpa Foto: Bernd Wüstneck/dpa-Zentralbild/dpa
In Rostock fahren keine Straßenbahnen und Busse der RSAG.

In Mecklenburg-Vorpommern wird es bis einschließlich kommenden Dienstag (3. März) keine weiteren Warnstreiks im öffentlichen Nahverkehr geben. Das erklärte der zuständige Verhandlungsleiter der Gewerkschaft ver.di, Karl-Heinz Pliete, gegenüber NDR 1 Radio MV. In der kommenden Woche sollen die Tarifverhandlungen zwischen Gewerkschaft und Arbeitgebern fortgesetzt werden. Seit gestern (Dienstag) waren die rund 1.900 Beschäftigten der kommunalen Nahverkehrsbetriebe im Land erneut zum Warnstreik aufgerufen. Dieser dauert noch bis zum Betriebsschluss in der Nacht zum Donnerstag an.

Zweitägige Warnstreiks gehen in der Nacht zu Ende

Damit wurde der öffentliche Nahverkehr Mecklenburg-Vorpommerns den zweiten Tag in Folge bestreikt. Ausgenommen von den Arbeitsniederlegungen waren nach ver.di-Angaben nur die Landeshauptstadt Schwerin und der Landkreis Vorpommern-Greifswald; in der Hansestadt Greifswald hingegen wurde gestreikt. Heute (Mittwoch) legten auch die Beschäftigten von Nahbus im Kreis Nordwestmecklenburg ihre Arbeit nieder. Dort wurde am Dienstag noch nicht gestreikt. Ausgenommen waren dort bereits bestellte Rufbusse und die Fahrten für die Mitarbeiter von Behindertenwerkstätten.

Unternehmen bemühen sich um Notbetrieb

Bereits am Dienstag war fast das ganze Land betroffen. Die kommunalen Verkehrsbetriebe waren bemüht, Notfahrpläne aufzustellen und regelmäßig zu aktualisieren. So fuhren beispielsweise im Kreis Mecklenburgische Seenplatte die Busse in Neubrandenburg, Neustrelitz, Woldegk, Mirow, Friedland, Demmin, Altentreptow und Feldberg.

Auch im Landkreis Rostock konnte das Unternehmen Rebus einige Linien mit Fahrern besetzen: Dazu gehörte unter anderem die Linie 119 von Warnemünde über Lütten Klein nach Bad Doberan sowie die Linie 121 Rostock-Bad Doberan/Rerik. In Güstrow fuhren ebenfalls einige Busse. Die Straßenbahnen und Busse der RSAG in Rostock fielen alle aus, die S-Bahn fuhr hingegen. In der Stadt Greifswald fiel der Schülerverkehr komplett aus. Auch in Nordwestmecklenburg und in Wismar fuhren heute keine Busse, teilte das Unternehmen Nahbus mit.

Arbeitgeber wollen mit neuem Angebot weiter verhandeln

Der Kommunale Arbeitgeberverband hat für die nächste Verhandlungsrunde am 3. März ein neues Angebot angekündigt, aber noch keine Details genannt. "Wir gehen mit der Erwartung in diese Verhandlung, dass der Kommunale Arbeitgeberverband mit dem angekündigten Angebot einen deutlichen Schritt in Richtung einer Einigung macht", so ver.di-Verhandlungsführer Pliete.

Gewerkschaft verweist auf Lohngefälle

Ver.di fordert für die landesweit rund 1.900 Mitarbeiter in den Nahverkehrsbetrieben 2,06 Euro mehr Lohn pro Stunde und pauschal 100 Euro mehr pro Monat. Der Kommunale Arbeitgeberverband hatte zuletzt 70 Euro monatlich oder eine Einmalzahlung von 500 Euro bis zum 30. Juni 2020 angeboten. Die Gewerkschaft verweist unter anderem auf Schleswig-Holstein, wo die Gehälter deutlich höher liegen. Ein Busfahrer in Rostock verdient im Geltungsbereich des Spartentarifvertrags bei Berufseinstieg gut 2.200 Euro. Sein Kollege in Lübeck startet mit knapp 2.650 Euro. 

Verkehrsbetriebe vor Millionen-Mehrkosten?

Würden die Forderungen der Gewerkschaft ver.di umgesetzt, kämen hohe Mehrkosten auf die Verkehrsbetriebe in Mecklenburg-Vorpommern zu. Die Stadt Rostock müsste rund 4,40 Millionen Euro an höheren Lohnkosten für die Rostocker Straßenbahn AG bereitstellen. Auf den Landkreis Vorpommern-Greifswald kämen rund 350.000 Euro zu, teilten die Verkehrsbetriebe auf Nachfrage von NDR 1 Radio MV mit.

Weitere Informationen
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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Radio MV | 26.02.2020 | 05:30 Uhr

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