Stand: 14.10.2019 16:15 Uhr

Keine Einigung zum Friedhofszwang in MV

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Die Vertreter der Expertenkommission zur Bestattungskultur in Mecklenburg-Vorpommern haben sich bisher nicht geeinigt.

Die Expertenkommission zur Bestattungskultur in Mecklenburg-Vorpommern hat ihre Abstimmung zum Friedhofszwang vertagt. Auch die Frage, ob man künftig einen kleinen Teil der Asche eines Verstorbenen in einem Schmuck-Anhänger oder einer Kleinplastik mit nach Hause nehmen kann, blieb beim Treffen der Kommission offen.

Urne mit nach Hause nehmen?

Theologie-Professor Thomas Klie von der Universität Rostock empfahl, Trauernden künftig zu erlauben, eine Urne für gewisse Zeit bis zur Bestattung bei sich zu Hause behalten zu dürfen, um Abschied nehmen zu können. Früher seien die Menschen dafür nach ihrem Tod zu Hause aufgebahrt worden. Diesem Vorschlag schlossen sich unter anderem die Landtagsabgeordnete Eva-Maria Kröger (Linke) und der Vorsitzende des Bestatterfachverbandes Mecklenburg-Vorpommern, Torsten Lange, an. "Friedhöfe müssen bewahrt, Trauerkultur und Tradition geschützt werden. Doch Kultur und Tradition sind nicht starr, sie verändern sich. Viele Menschen wünschen sich, die Urne wenigstens zeitlich begrenzt mit nach Hause nehmen zu können", erklärte Kröger.

Kirche gegen Aufhebung des Friedhofzwangs

Der CDU-Obmann Sebastian Ehlers führte Probleme bei der Aufweichung der Bestattungskultur in anderen Bundesländern wie etwa Bremen an. Dort dürfe die Asche "quasi im Garten verstreut werden". Seine Fraktion halte das für ethisch fragwürdig, so Ehlers. "Spätestens beim Verkauf des Grundstücks führt das zu einer Debatte, die sich unsere Gesellschaft ersparen sollte." Auch Claudia Schophuis von der Katholischen Kirche lehnte eine solche Möglichkeit ab. Wer die Urne habe, könne anderen, die auch trauern wollten, den Zugang verwehren. "Keine Aufbewahrung der Urne zu Hause, keine Aufhebung des Friedhofszwangs, keine Teilung der Asche," betonte sie.

Theologie-Professor Klie argumentierte, die Ascheteilung gebe es bereits. Wer einen kreativen Bestatter finde, bekomme alles, was er oder sie wolle, und sei es aus der Schweiz oder den Niederlanden mit ihren liberalen Bestattungsgesetzen. Markus Wiechert von der evangelischen Nordkirche warb für das Abschiednehmen auf dem Sterbebett. "Für uns stellen Friedhöfe nach wie vor öffentlich zugängliche Orte einer gewachsenen Trauerkultur dar und sind deshalb schon bewahrungsbedürftig", erklärte der AfD-Landtagsabgeordnete, Jens-Holger Schneider.

Beisetzung soll auch innerhalb von 24 Stunden möglich sein

Wegen der weit auseinander liegenden Positionen verschob die Kommission die Verabschiedung einer Empfehlung für den Landtag auf die nächste Sitzung im November. Abschließend beraten wurden hingegen die Regeln für die Bestattung Totgeborener. Außerdem wurde beschlossen, dass Beisetzungen nicht mehr frühestens nach 48 Stunden stattfinden dürfen, denn Juden und Muslime müssen ihre Toten innerhalb von 24 Stunden beerdigen.


18.10.2019 14:54 Uhr

In einer früheren Version dieses Beitrages ist uns ein Fehler unterlaufen. Das Zitat "Friedhöfe müssen bewahrt, Trauerkultur und Tradition geschützt werden. Doch Kultur und Tradition sind nicht starr, sie verändern sich. Viele Menschen wünschen sich, die Urne wenigstens zeitlich begrenzt mit nach Hause nehmen zu können" stammt nicht von der SPD-Landtagsabgeordnete Martina Tegtmeier, sondern von der Landtagsabgeordneten Eva-Maria Kröger (Die Linke). Wir haben den Absatz korrigiert.

 

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Radio MV | 14.10.2019 | 18:00 Uhr

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