Stand: 14.12.2018 19:32 Uhr

Kein Zurück für Ex-Chef der Rostocker Uni-Medizin

von Stefan Ludmann, NDR 1 Radio MV

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Der ehemalige Chef der Rostocker Unimedizin (UMR), Christian Schmidt, kann Ärztlicher Vorstand bleiben.

Der ehemalige Chef der Rostocker Unimedizin (UMR), Christian Schmidt, kehrt nicht mehr auf seinen Führungsposten zurück. Das hat der Aufsichtsrat der landeseigenen Klinik zum Abschluss einer internen Untersuchung gegen Schmidt entschieden. Der Mediziner war vor einem halben Jahr von seinem Amt als Vorstandsvorsitzender entbunden worden. Neue Klinikchefin soll die Intensivmedizinerin Gabriele Nöldge-Schomburg werden. Damit soll die UMR nach den Turbulenzen der vergangenen Monate wieder in ruhiges Fahrwasser gelangen.

Mitarbeiter klagen über hohen Kostendruck

Ende Juni 2018 hatte Bildungsministerin Birgit Hesse (SPD) nach internen Vorwürfen gegen den 51-Jährigen die Notbremse gezogen. Schmidt wurde als Vorstandschef und als Ärztlicher Vorstand suspendiert. Er stand im Verdacht, nebenbei unzulässig Leistungen abgerechnet zu haben. Außerdem gab es klinikintern den Vorwurf, der Gesundheits-Manager habe Verträge mit Firmen in Steueroasen abgeschlossen. Allgemein gab es die Klage, dass unter seiner Leitung der Kostendruck an der Klinik übermäßig angestiegen sei - auf Kosten des Patientenwohls.

Anwälte sehen Schmidt als Opfer

Seinerzeit stand auch die Frage einer fristlosen Kündigung im Raum. Die Möglichkeit wurde vom Aufsichtsrat unter Leitung von Bildungsstaatssekretär Sebastian Schröder (SPD) allerdings mit Blick auf komplizierte und teure Arbeitsgerichtsprozesse verworfen. Schmidts Anwälte hatten die Vorwürfe bestritten. Ihr Mandant könne die "gegen ihn erhobenen Vorwürfe in jedem einzelnen Punkt widerlegen", heißt es in einem Anwaltsschreiben von Anfang Juli. Schmidt sei Opfer einer "zielgerichteten Denunziation von einigen Beteiligten aus dem Mitarbeiterkreis, um einen (...) anerkannten Gesundheitsmediziner (...) persönlich und menschlich zu schädigen".

Untersuchungen bringen keine Bestätigung für Vorwürfe

Offenbar konnten dann auch die eingeleiteten Untersuchungen die Verdächtigung nicht bestätigen, die strafrechtlichen Vorwürfe hätten sich nicht erhärtet, teilte der Aufsichtsrat mit. Das Kontrollgremium setzte Schmidt als Ärztlichen Vorstand Ende Juli wieder ein, allerdings verbunden mit einer deutlichen öffentlichen Warnung. Man erwarte "absolute Regeltreue bei der künftigen Ausübung seiner Tätigkeit".

Schmidt kann Ärztlicher Vorstand bleiben

In der Position kann Schmidt in Rostock jetzt bleiben. Der Aufsichtsrat wolle mit ihm als Ärztlichem Vorstand weiterarbeiten, hieß es am Freitag nach einer Sitzung des Kontrollgremiums in Rostock. Allerdings muss Schmidt auf die Führung der Universitätsmedizin und der rund 4.200 Mitarbeiter verzichten. Neue kommissarische Vorstandsvorsitzende - zumindest bis Ende 2019 - ist die Intensiv-Medizinerin Nöldge-Schomburg. Bisher ist die 67-Jährige stellvertretender Ärztlicher Vorstand. Es gehe darum, die Arbeit des Vorstands zu organisieren und die Gesamtentwicklung der Uni-Medizin zu gewährleisten, so Aufsichtsratschef Schröder. Die größte Klinik im Land wird seit Jahren mit Millionen-Summen umgebaut und modernisiert.

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Aufsichtsrats-Chef optimistisch

Nöldge-Schomburg soll das jetzt sechsköpfige Führungsgremium, dem Schmidt weiter angehört, zusammenschweißen. Es sei für die aktuelle Situation an der UMR vorteilhaft, vorübergehend eine weitere unabhängige Vorstandsposition einzurichten, teilte der Aufsichtsrat mit. Intern gab es wegen der Vorwürfe gegen Schmidt massive Auseinandersetzungen und menschliche Verletzungen. Die neue UMR-Chefin hat auch die Aufgabe, die Gräben zuzuschütten. Aufsichtsrats-Chef Schröder zeigt sich optimistisch. "Mit dem Team können die anstehenden Aufgaben und Herausforderungen bewältigt werden."

Hesse: Patientenwohl soll Vorrang haben

Als Reaktion auf die Vorgänge an der UMR hat Ministerin Hesse im September eine unabhängige Kommission "Universitätsmedizin 2020" eingesetzt. Das sechsköpfige Gremium unter Leitung des Mediziners und ehemaligen Grünen-Bundestagsabgeordneten Harald Terpe soll Vorschläge machen, wie an den beiden Uni-Kliniken in Rostock und Greifswald das Patientenwohl und die medizinisch-ethischen Werte Vorrang erhalten vor einem Streben nach Gewinnen. Die Kliniken hätten als staatliche Einrichtungen eine Vorbildfunktion, so Hesse. Sie beklagte eine "zunehmende Ökonomisierung im Gesundheitswesen". Die Klinik in Rostock machte zuletzt Gewinne in Millionenhöhe, die Klinik in Greifswald schrieb rote Zahlen.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Radio MV | 14.12.2018 | 18:00 Uhr

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