Stand: 09.01.2019 20:20 Uhr

Kaum Schäden durch neuerliche Sturmflut in MV

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Im Hafen von Wismar ist das Wasser erneut über die Kaikante geschwappt.

Die zweite Sturmflut des Jahres hat am Mittwochmittag die Küste Mecklenburg-Vorpommerns erreicht, aber nach ersten Einschätzungen keine größeren Schäden angerichtet. In Wismar stieg das Wasser auf den Pegelstand von 6,38 Meter. Das sei 1,38 Meter höher als normal, sagte Stadtsprecher Marco Trunk. Am Alten Hafen in Wismar schwappte das Wasser stellenweise über die Kaikante. Mit dem Schiffbauerdamm sei eine Straße gesperrt worden, so Trunk. Soweit bekannt, hätten in Wismar auch keine Autos im Wasser gestanden. Entspannt war die Lage auch im Landkreis Rostock. Entlang der Küste seien keine Schäden aufgetreten, sagte Sprecher Michael Fengler.

"Keine Gefahr, dass Größeres passiert"

Der Meteorologe Stefan Kreibohm aus dem NDR Wetterstudio auf Hiddensee bezeichnete die Sturmflutlage als nicht außergewöhnlich für Mecklenburg-Vorpommern. "Es bestand keine Gefahr, dass Größeres passiert." Laut Bundesamt für Seeschifffahrt und Hydrografie (BSH) wurde der Höchststand am Mittag erreicht. Danach sanken die Pegelstände wieder. Allerdings warnte Umweltminister Till Backhaus (SPD) vor Steilküstenabbrüchen und riet von Strandspaziergängen an gefährdeten Abschnitten ab.

Zweites Hochwasser niedriger als erstes vor wenigen Tagen

Erst vor wenigen Tagen waren an der Ostseeküste Mecklenburg-Vorpommerns durch ein Hochwasser in Folge des Sturmtiefs "Zeetje" schwere Schäden entstanden. Als Sturmflut werden in der Ostsee Pegelstände von einem Meter bis 1,25 Meter bezeichnet. Bis 1,50 Meter handelt es sich um eine mittlere, bis zwei Meter um eine schwere und darüber um eine sehr schwere Sturmflut. In der vergangenen Woche waren am Wismarer Hafen bei einem Pegelstand von 1,84 Meter über Normal Straßen überflutet und ein Fußweg unterspült worden.

Sperrwerk Greifswald geschlossen

In Wismar standen für die Anwohner und Gewerbetreibenden rund um den Hafen Container mit Hunderten Sandsäcken bereit. Viele Menschen hatten bereits am Dienstag Türen und Kellerfenster mit Sandsäcken oder speziellen Flutschotten gesichert. In Greifswald wurde das Sperrwerk geschlossen. In Rostock stellte die Fähre im Stadthafen zwischen Kabutzenhof und Gehlsdorf wegen des Hochwassers den Betrieb ein.

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Pegelkarte für Mecklenburg-Vorpommern

Wie hoch steht das Wasser in Flüssen und an Küsten Mecklenburg-Vorpommerns? Das Pegelportal des Landesamts für Umwelt, Naturschutz und Geologie gibt Antworten. extern

Vorpommern bislang ohne größere Schäden

Die Rettungsleitstellen in Stralsund und Greifswald meldeten bis zum Mittwochmittag keine größeren Einsätze. Lediglich in Heringsdorf sei ein Baum umgefallen. An den Stränden sei Land unter gewesen, aber keine Schäden hinterlassen worden. In Prora, wo der Wind aus Nord, Nord-Ost die Ostsee direkt auf den Strand schob, reichte das Wasser bis knapp zur Düne.

Sturmschäden von "Zeetje" noch nicht behoben

Unterdessen zog das für den Küstenschutz zuständige Umweltministerium nach dem Neujahrs-Hochwasser in Folge des Sturmtiefs "Zeetje" am Dienstag eine Zwischenbilanz. Das Hochwasser der vergangenen Woche sei mit dem von vor zwei Jahren vergleichbar gewesen, hieß es. Nach Einschätzung des Ministeriums handelte es sich an den Küsten vor Boltenhagen, Timmendorf, Wismar, Rostock, Zingst und Koserow sogar um eine schwere Sturmflut, die überall Schäden an den Dünen hinterlassen hat.

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Vielerorts große Küstenrückgänge

Momentan seien Landvermesser unterwegs, um die Schäden genau zu beziffern. Mitarbeiter des Umweltministeriums dokumentierten in den vergangenen Tagen bereits die großen Küstenrückgänge an den Dünen in Schwarzer Busch auf Poel, in Rerik, in Ahrenshoop, Prerow, Göhren und Lubmin. Bis zu acht Meter seien an den Dünenfüßen weggespült worden, hieß es. Mancherorts hat "Zeetje" Kliffkanten von bis zu vier Metern Höhe entstehen lassen.

Reparaturen erst nach erneutem Sturmtief

Geplante Reparaturen an den Küstenabschnitten, an denen die entstandenen Dünenkliffs höher als zwei Meter sind, sollen frühestens am Donnerstag starten. Mithilfe von Baggern sollen die Dünen wieder hergestellt werden. Insgesamt werden an der Küste Mecklenburg-Vorpommerns jährlich bis zu 500.000 Kubikmeter Sand abgetragen - und auch wieder aufgespült. Dabei liegt der Fokus in diesem Jahr auf Usedom.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Radio MV | 09.01.2019 | 14:00 Uhr

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