Stand: 01.02.2019 16:17 Uhr

Kahlschlag am Pinnower See

von Petra Küntzer, NDR 1 Radio MV
Baumfällungen in einem Waldstück am Westufer des Pinnower Sees.

Am Westufer des Pinnower Sees sind etliche alte Buchen gefällt worden. Anwohner sind empört und wollen die Baumfällungen nicht widerspruchslos hinnehmen. Das sehe aus wie ein Schlachtfeld und habe mit einer sinnvollen, geplanten Abholzung nichts zu tun, sagt Marlies Mendel aus Godern. „Bei uns im Land gehört der Buchenwald in Teilen zum Weltkulturerbe und hier wird so ein Raubbau betrieben“ ergänzt Anneli Ward. Die Wanderwege sind vom schweren Gerät so aufgewühlt und zerfurcht, dass sie derzeit kaum begehbar sind. Nach den Protesten hat sich die Untere Naturschutzbehörde des Landkreises Ludwigslust-Parchim eingeschaltet.

Buchen etwa 170 Jahre alt

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Besitzerin der etwa 120 Hektar Wald am Pinnower See ist Donata Herzogin zu Mecklenburg von Solodkoff. Mit der Bewirtschaftung des Waldes ist in ihrem Auftrag Forstleiter Michael Funk betraut, von der Herzog von Ratibor´schen Generalverwaltung mit Sitz in Höxter in Nordrhein-Westfalen. Er sagt, die Buchen seien etwa 170 Jahre alt und damit an ihrem Nutzungsalter angekommen und erntereif: „Wir haben schlicht und einfach Licht und Raum und Platz geschaffen für die nächste Generation, die unten drunter nachwächst“. Außerdem würde das Holz an die heimische Industrie verkauft - an das Sägewerk in Malchow zum Beispiel oder die Firma Egger in Wismar. Die Firmen bräuchten Holz. Und so würden auch heimische Arbeitsplätze gesichert.

Fördergeld für Maßnahmen zugunsten des Naturschutzes

Etwa 75 Hektar des Waldes gehören zum besonders schützenswerten FFH Gebiet (Flora Fauna Habitat). Dafür gibt es einen Managementplan. Und das Land hat mit der Eigentümerin einen Vertrag über fünf Jahre geschlossen. Für Maßnahmen zugunsten des Naturschutzes erhält Herzogin Donata in dieser Zeit pro Hektar 550 Euro. Fördergeld also dafür, dass gewisse Bäume in dem Gebiet nicht gefällt werden, bestätigt Michael Funk.

"Rechtlich nichts zu beanstanden"

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Der Leiter des Forstamtes Gädebehn, Ingo Nadler.

Die Proteste der Anwohner haben auch die Untere Naturschutzbehörde des Kreises Ludwigslust-Parchim erreicht. Die hat beim Forstamtsleiter in Gädebehn, Ingo Nadler, nachgefragt, ob denn da alles korrekt gelaufen ist. Die Antwort: rechtlich sei nichts zu beanstanden, aber man könne natürlich vieles auch anders machen. Sprich: die Landesforst wäre anders vorgegangen, hätte nicht so viele Bäume auf einmal gefällt, sondern eher gestaffelt, sagt Ingo Nadler, „um erst einmal zu prüfen, wie sich der Wald tatsächlich entwickelt“.

Gute Entwicklung des Waldes

Aber auch wenn die Abholzungen jetzt deutlich sichtbar sind, dauerhaft werde das dem Wald keineswegs schaden, meint Ingo Nadler. Der Schlussgrad der Baumoberschicht entspräche den Vorgaben. Die Baumkronen seien noch dicht genug, die Naturverjüngung würde gefördert. Überhaupt habe sich der Wald gut entwickelt. Der gesamte Lebensraum sei bei der letzten Begutachtung 2018 vom Zustand B in den Zustand A gerutscht - habe also quasi die Note „sehr gut“ bekommen.

Wege in schlechtem Zustand

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Hier sei der Waldbesitzer gefordert, so der Forstamtsleiter.

Eher mangelhaft hingegen ist derzeit der Zustand der Wege, da sind sich alle einig. Ingo Nadler erwartet auch, dass da noch etwas geschieht: „wenn Rückewege, die als Wanderwege genutzt werden, in solch einem Zustand sind, gehört es sich, dass der Waldbesitzer etwas macht. Michael Funk bietet an, gemeinsam mit den Anwohnern eine Lösung zu finden: „Bitte haben Sie aber Verständnis dafür, dass wir Waldwege nicht unbedingt in einen Zustand bringen, so dass man da mit Stöckelschuhen laufen kann."

Protest soll weitergehen

Zeichnung eines Kindes, um den Baum am Westufer des Pinnower Sees zu retten.

Die Anwohner haben auf jeden Fall angekündigt, weiter zu kämpfen, um zu verhindern, dass noch weitere Bäume gefällt werden. Eine Bürgerinitiative ist im Gespräch, ebenso ein Brief an Ministerpräsidentin Manuela Schwesig.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Radio MV | Landfunk | 01.02.2019 | 12:00 Uhr

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