Stand: 30.07.2019 05:16 Uhr

Jeder dritte Azubi bricht vorzeitig ab

von Stefan Ludmann, NDR 1 Radio MV Aktuell

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Die meisten Azubis brechen ihre Ausbildung im ersten Lehrjahr ab. Besonders betroffen ist die Hotel und Gastronomie-Branche. (Archivbild)

In Mecklenburg-Vorpommern bleibt die Zahl der Ausbildungsabbrüche auf hohem Niveau. Im vergangenen Jahr wurden rund 2.900 Lehrlingsverträge vorzeitig gekündigt. Das geht aus einer Antwort des Bildungsministeriums auf eine Anfrage von Linken-Fraktionschefin Simone Oldenburg hervor. Die Zahlen sind kurz vor dem Start ins neue Ausbildungsjahr bekannt geworden. Damit gibt es weiter keine Trendwende, 2016 waren es 3.005 Abbrüche.

Abbrecherquote von knapp 40 Prozent

Auch die Abbrecherquote bleibt nahezu unverändert - bei knapp 8.000 neuen Verträgen liegt sie bei etwas unter 40 Prozent. Der Großteil der Ausbildungsabbrüche fällt ins erste Lehrjahr, besonders betroffen ist die Hotel und Gastronomie-Branche mit insgesamt mehr als 700 Abbrechern. Zu den eigentlichen Gründen macht die Statistik keine Angaben. In den weitaus meisten Fällen dürfte die treibende Kraft die Auszubildenden sein.

Kostenlose Fahrt zur Berufsschule gefordert

Die Bildungsexpertin der Linken, Oldenburg, macht für die Abbrecherquote auch einen "desolaten Zustand" der Berufsschulen im Land verantwortlich. Fehlende Fachlehrer würden zu immer mehr Unterrichtsausfall führen, große Klassen seien ein weiterer Hemmschuh ebenso wie die weiten Entfernungen zwischen Wohnort und Schule. Die Fahrt zur Berufsschule müsse endlich für alle Schüler kostenlos werden, da sieht Oldenburg das Land weiter gefordert.

Bild einer Azubine mit einem QR-Code auf ihrem Mund.

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Zuletzt mehr offene Stellen als Bewerber

Das Bildungsministerium führt die Abbrecherzahlen vor allem auf inhaltliche Fragen zurück. Wenn Auszubildende ihren Vertrag kündigten, heiße das nicht, dass sie mit leeren Händen dastehen, so Ministerin Bettina Martin (SPD). Gerade im ersten Lehrjahr würden sich junge Leute noch einmal umorientieren und bessere Angebote suchen, hieß es aus dem Ministerium weiter. Der Ausbildungsmarkt sei ein Bewerbermarkt. Die Zahl der offenen Stellen lag zuletzt über der Zahl der Bewerber. Ministerin Martin erklärte, wichtig seien gute Ausbildungsbedingungen. Sie unterstütze deshalb die Pläne der Bundesregierung für einen Mindestlohn bei Auszubildenden.

Gutachten zu Abbrüchen in Auftrag gegeben

Im Zukunftsbündnis zwischen Landesregierung, Wirtschaft und Gewerkschaften ist im März vereinbart worden, dass die Gründe für einen Ausbildungsabbruch genauer untersucht werden. Dazu hat das Bildungsministerium an der Universität Rostock ein Gutachten in Auftrag geben. Wann das vorliegt, ist noch offen.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Radio MV | Die Nachrichten | 30.07.2019 | 06:00 Uhr

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