Stand: 02.01.2020 13:53 Uhr  - NDR 1 Radio MV

Ivenacker Eichen sind Waldgebiet des Jahres 2020

Stamm eines mächtigen Eichenbaumes im Waldgebiet Ivenacker Eichen ©  TMV/Growe-Lodzig
Die lvenacker Eichen gelten als die mächtigsten Eichen Deutschlands. (Archivbild)

Sie waren 2016 das erste Nationale Naturmonument in Deutschland, seit einigen Jahren gibt es einen Baumkronenpfad und nun sind die Ivenacker Eichen bei Stavenhagen (Landkreis Mecklenburgische Seenplatte) vom Bund Deutscher Forstleute (BDF) zum Waldgebiet des Jahres gekürt worden - wie in den Vorjahren etwa der Usedomer Küstenwald oder der Wermsdorfer Wald bei Leipzig. Mit nur 164 Hektar Fläche handelt es sich bei den Ivenacker Eichen zwar um ein vergleichsweise kleines Waldgebiet unter den bisher Ausgezeichneten, die sich allesamt über mehrere Tausend Hektar erstrecken. Die in den Ivenacker Eichen stehenden Eichen sind dafür aber wahre Riesen in puncto Stärke und Alter. Die mächtigste der alten Eichen gilt mit rund 140 Kubikmetern als volumenreichste Eiche in ganz Europa.

Genaues Alter der Eichen unbekannt

Wie alt die Bäume mit bis zu 35 Meter Höhe und 14 Meter Stammumfang genau sind, ist allerdings nicht bekannt. Denn mit der klassischen Methode der Jahrringermittlung kommen die Experten nicht weit - wegen der hohlen Stämme, wie Forstamstleiter Ralf Hecker gegenüber NDR 1 Radio MV erklärt. "Man kann also allenfalls über durchschnittliche Zuwachsentwicklungen in etwa ableiten, wie alt sie ist. Deswegen sagen wir: 800 Jahre hat sie garantiert auf dem Buckel. Sie kann auch 1.000 oder 1.050 Jahre alt sein. Das wissen wir aber nicht genau", so Hecker.

Vorschaubild für den Podcast "Hintergründe" auf NDR 1 Radio MV © ndr.de Foto: ndr.de

AUDIO: Forum: Tiere und Pflanzen des Jahres 2020 (21 Min)

Sagen und Legenden ranken sich um die Eichen

In all den Jahren sind auch zahlreiche Legenden und Sagen um die Bäume entstanden. So sollen die Ivenacker während der Besetzung Mecklenburgs versucht haben, ihren berühmten Zuchthengst Herodot in einem der hohlen Baumstämme vor Napoleon zu verstecken. Der Legende nach verriet sich das Tier aber durch sein Wiehern. In einem der Baum-Giganten soll zudem der goldene Verlobungsring einer jungen Frau stecken, die ins Kloster geschickt wurde. Eine andere Sage erzählt, dass die Eichen eigentlich Nonnen sind, verflucht weil sie ihr Gelübde brachen.

Immer wieder brechen Äste ab

Die Bäume mit ihren mächtigen Stämmen und der faltigen Rinde sind eine imposante Erscheinung. Auch jetzt im Winter flattern noch die letzten, inzwischen gelb gewordenen Blätter an den Zweigen. Ein dichter Laubteppich bedeckt den Boden. Die ältesten Eichen sind mit einem kniehohen Zaun abgesperrt - zum Schutz der Bäume und der Besucher. Es brechen immer mal abgestorbene, knorrige Äste ab. Sie dürfen liegen bleiben und bilden einen Nährboden für Pilze und sind Heimstatt von Käfern.

Ivenacker Eichen sollen "in Würde altern"

Drei kleine Ferkel mit schwarzen Flecken im Wald. © NDR Foto: Manfred Sander aus Einhausen
Turopolje-Schweine tummeln sich in dem Waldgebiet. (Archivbild)

"Wir wollen keine großen baumchirurgischen Maßnahmen ergreifen und etwa die Bäume ausbetonieren", sagt Hecker. "Sie sollen in Würde altern können." Deshalb legen Hecker und seine Mitstreiter ihr Augenmerk auch auf die noch nicht so alten Eichen, die erst 100, 300 oder 400 Jahre alt sind. "Wir pflegen und bewirtschaften sie so, dass die auch mal so werden können wie die uralten Eichen hier." Hecker muss in anderen Dimensionen denken - was sind schon 100 Jahre?

Hudewald: Holznutzung und landwirtschaftliche Fläche

Trotz ihres hohen Alters haben die Ivenacker Eichen mit einem Urwald im klassischen Sinne nichts zu tun. Die ältesten Eichen sind vielmehr ein besonderes Zeugnis der Nachhaltigkeit und des pfleglichen Umgangs mit der Natur. Sie entsprangen der im Mittelalter verbreiteten Landnutzungsform des Hudewaldes ("Hütewald"). "Diese Hudewälder haben im Grund über viele Jahrhunderte unsere Landschaft geprägt. Das war im Prinzip eine besondere Form der Agro-Forstwirtschaft. Man hatte sowohl die Holznutzung als auch die landwirtschaftliche Nutzung an einer Fläche vereint", erklärt Hecker.

Schweine und Damwild zwischen den Bäumen

Dieses Prinzip wird auch heute noch in dem Waldgebiet angewandt - und es war ein Grund für die Auszeichnung zum Waldgebiet des Jahres. Zwischen den Eichen laufen Schweine und auch Damwild in einem Gatter umher. Bei den Schweinen handelt es sich um die Rasse Turopolje, die ursprünglich aus Kroatien stammt. "Diese Schweine gehören einfach zum Bild des Hudewaldes dazu", sagt Hecker. Durch den Verbiss von Jungpflanzen konnten sich einzelne Eichen und auch Buchen in den Waldweidegebieten besonders gut entwickeln. Diese alte Kulturlandschaftsform des Hudewaldes ist in Deutschland kaum noch vorhanden.

Die Auszeichnung zum Waldgebiet des Jahres erfolgt offiziell am 7. Mai in Ivenack. Der Tiergarten ist ganzjährig für Besucher geöffnet, der Baumkronenpfad von März bis Oktober. Jedes Jahr kommen rund 120.000 Besucher in die Ivenacker Eichen.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Radio MV | 02.01.2020 | 20:15 Uhr

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