Stand: 21.06.2020 06:08 Uhr

Investitionen in die Zukunft der Feuerwehren

Alt Jabel: Feuerwehrleute wickeln Löschschläuche am Rande des munitionsverseuchten Gebiets auf dem ehemaligen Truppenübungsplatz bei Lübtheen auf. © dpa-Bildfunk Foto: Jens Büttner
Feuerwehrleute in Alt Jabel während des großen Waldbrandes 2019.

Rund ein Jahr nach dem verheerenden Waldbrand auf dem ehemaligen Truppenübungsplatz in Lübtheen im Landkreis Ludwigslust-Parchim hat Umweltminister Till Backhaus (SPD) ein landesweites Waldbrandschutzkonzept vorgestellt. Ein wesentlicher Teil ist ein automatisiertes Branderkennungssystem. Damit sollen Feuer im Wald schneller erkannt und genau geortet werden. Dafür zuständig sei die Waldbrandeinsatzzentrale in Mirow im Landkreis Mecklenburgische Seenplatte. Mithilfe des auf Kameras gestützten Systems soll sie Waldbrände früher erkennen und die Leitstellen informieren.

Mehr Laubbäume im Nadelwald

Auch der vorbeugende Brandschutz steht im Mittelpunkt des Konzeptes. So sollen die Nadelwälder mit Laubbäumen aufgeforstet, sogenannte Wundstreifen angelegt und regelmäßig gepflegt werden. Sie sollen verhindern, das sich ein Waldbrand ungehindert ausbreitet. Nach knapp einer Million Euro 2018 sind die Ausgaben für den Waldbrandschutz bereits im vergangenen Jahr deutlich gestiegen. In diesem und im kommenden Jahr sollen jeweils mehr als drei Millionen Euro investiert werden. Mit der Technischen Uni Dresden wird die Landesforstanstalt zudem ein mehrjähriges Forschungsprojekt zur Brandprävention angehen.

Neue Einsatzfahrzeuge für die Feuerwehren

Auch in die Brandbekämpfung investiert das Land. Der Landesfeuerwehrverband rechnet damit, dass Anfang des kommenden Jahres die ersten neuen Feuerwehr- Fahrzeuge an die Wehren ausgeliefert werden können. Das Land Mecklenburg- Vorpommern stellt in den nächsten drei Jahren 50 Millionen Euro für den Kauf neuer Fahrzeuge bereit. Die Anschaffung neuer Einsatzfahrzeuge nehme eine gewisse Zeit in Anspruch, sagte der Präsident des Landesfeuerwehrverbandes Hannes Möller. Bei der Ausschreibung der Aufträge seien Fristen zu beachten. Außerdem gebe es nicht so viele Hersteller für diese Spezialfahrzeuge.  Besonders kleine Feuerwehren sollen vom Landesprogramm "Zukunftsfähige Feuerwehr" profitieren. Etwa 150 normale Feuerwehrautos sollen davon gekauft werden. Angeschafft werden sollen auch elf spezielle geländegängige Tanklöschfahrzeuge zur Bekämpfung von Waldbränden.

"Kleine Wehren nicht berücksichtigt"

Das Programm wurde nach dem Brand im mit Alt-Munition belasteten Wald bei Lübtheen vor rund einem Jahr aufgelegt. Kritik an dem Programm kommt vor allem von den kleinen Wehren, die nicht berücksichtigt wurden - der Bedarf sei viel höher als geplant. Allein im Landkreis Ludwigslust-Parchim sind 21 Wehren nicht berücksichtigt. Im Landkreis Rostock sind es elf. Dabei wachsen die Anforderungen an die Feuerwehren auch durch den Klimawandel. In den vergangenen Jahren hat aufgrund der Dürre die Zahl der Brände auf Ackerflächen zugenommen. Nicht alle Landwirte und Feuerwehren waren auf diese Entwicklung der typischen Feldbrände eingestellt. In Vorpommern haben von Bränden betroffene Landwirte bereits gehandelt und ihre Beregnungsanlagen mit Adaptern für die Feuerwehr ausgestattet. Die Tutower Feuerwehr hat eine übersichtliche Karte, wo sie im Notfall schnell ans Wasser kommt, sagt deren Wehrleiter. Wo es keine Beregnung gibt, sollte zumindest ein Wasserwagen am Feldrand stehen und ein ausreichend breiter Streifen ums Feld herum gepflügt werden, raten die Brandexperten.

Mehr Brunnen im Wald

Besser mit Löschwasser versorgt werden sollen auch die Feuerwehren rund den Wald bei Lübtheen. Auf dem Gelände des ehemaligen Truppenübungsplatzes werden 13 Brunnen gebohrt. Sie sollen Feuerwehren im Brandfall mit Löschwasser versorgen. Beim Waldbrand im vergangenen Sommer war der Wassermangel neben der Munition im Boden das größte Problem für die Einsatzkräfte. Bauern mussten Wasser mit großen Tanks zum Waldrand bringen. Außerdem wurde im Bereich des Übungsplatzes begonnen, die Flächen in einem Radius von 1.000 Metern um die Dörfer zu beräumen und Brandschutzschneisen und Wege für die Feuerwehren anzulegen. Das soll verhindern, dass wieder - wie beim Brand vor einem Jahr - Dörfer evakuiert und hunderte Menschen ihre Häuser verlassen müssen.

Munitionsräumung dauert lange

Die Beräumung der Munition hingegen wird noch lange dauern, schätzt der Präsident des Landesfeuerwehrverbandes, Hannes Möller. Und sie ist teuer. Pro Hektar kostet sie 10.000 bis 15.000 Euro, schätzt der Munitionsbergungsdienst. Trotzdem glaubt Möller nicht, dass ein Feuer im Wald von Lübtheen wieder solche Folgen hätte wie 2019. Die Feuerwehren und die anderen Einsatzkräfte seien inzwischen viel besser vorbereitet.

Weitere Informationen
Freiwillige Feuerwehr Neustadt-Glewe löscht einen Waldbrand © /ndr.de Foto: Ralf Drefin

50 Millionen Euro für Freiwillige Feuerwehren in MV

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Radio MV | 20.06.2020 | 06:00 Uhr

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