Stand: 08.05.2018 16:52 Uhr

Insekten: Schatzhüterin auf Umwegen

Hof Buschenhagen am Barther Bodden © ndr.de Foto: Ina Lebedjew
Der Hof Buschenhagen am Barther Bodden ist ein preisgekrönter "Ort der Biologischen Vielfalt."

Einzigartige Lebensräume zwischen Rostock und Rügen zu schützen und darüber zu reden - das ist der Kern von "Schatz an der Küste". Einem Projekt, das die Bundesregierung vor ein paar Jahren ins Leben gerufen hat. Mit an Bord sind alle, die in Mecklenburg-Vorpommern in Sachen Umwelt- und Naturschutz Rang und Namen haben - unter anderem die Michael Succow Stiftung, der BUND, der NABU und die Ostseestiftung.

Von der Hausbesitzerin zur Schatzhüterin

"Hier ist vor ein paar Jahren eine riesige Weide umgestürzt - in eine Art Moorlandschaft. Und die darf jetzt hier liegen bleiben und als Insektenhotel dienen!" Andrea Gollan ist mehrfach preisgekrönte Schatzhüterin. Eigentlich wollte ihr Mann den Baum sofort kurz und klein machen, seine Frau stoppte ihn. Weil Totholz für Käfer, Bienen, Spinnen und Falter Futter, Baumaterial und Versteck in einem ist, erzählt sie. Vor 22 Jahren haben die beiden ein großes, ziemlich verfallenes Bauernhaus gekauft, drum herum ein weitläufiges Gelände. Sie sanierten den Hof über Jahre, pflanzten gut 1.000 Bäume und Büsche, legten einen riesigen Teich an und einen imposanten Garten voller Blumen. Heute ist hier viel Platz für Feriengäste, Seminargruppen und Menschen, die einfach abschalten wollen.

Eine Insekten-Insel in der Landschaft

Der Blick vom höchsten Punkt des Hofes reicht bis zum Barther Bodden, vor dem geöffneten Fenster sausen Schwalben vorbei, frische Frühlingsluft weht herein. "Wir versuchen, hier im Kleinen eine Insel zu schaffen und die auch - wenn möglich - immer ein bisschen größer zu machen. Hier drüben konnten wir noch eine Streuobstwiese dazukaufen. Und ich hoffe, dass es dort auch bald grünt und blüht." Zehn Hektar bewirtschaften die Gollans extensiv - also ökologisch, anders als die Landwirte in der Nachbarschaft. Ein Problem, erklärt Doktor Sabine Grube, Biologin und Leiterin des Projektes "Schatz an der Küste". Denn Stoffe machen nicht vor Grundstücksgrenzen halt. Dabei brauchen Insekten giftfreie Lebensräume mit Vielfalt.

Große Felder lassen Insekten verschwinden

"Was ein großes Problem hier in unserer Landschaft ist, sind diese riesigen, leergeräumten Monokulturen. Wo tatsächlich keine Feldgehölze, keine Blühstreifen, keine Artenvielfalt insgesamt ist. So dass also die Raupen und die erwachsenen Tiere wenig vielfältige Nahrung finden." Und kaum überleben, obwohl viele Insekten nur ein paar Wochen haben. Um den Hof Buchenhagen reichen grüne und gelbe Felder bis zum Horizont. Etwas müsse passieren in der Landwirtschaft, sagt Sabine Grube: "Es wäre sinnvoll, wenn diese riesigen Ackerschläge verkleinert würden, dass einfach der Weg, den Insekten und Vögel zurücklegen müssen, nicht mehr so weit ist."

Bienen, Schmetterlinge und kleine Vögel brauchen "Trittsteine"

Eine kleinteilige Landschaft, Plätze, an denen winzige Tiere Pausen einlegen können, nennen Fachleute Trittsteine. Je enger die beieinander liegen, desto besser. Der Hof Buschenhagen mit seinen ökologisch bewirtschafteten Weiden, blühenden Büschen, Totgehölz, Teichen und Tümpeln sei dafür bestes Beispiel. Allerdings: Von Monokulturen auf Ökolandbau umzusteigen, gibt Sabine Grube zu, ist ein schwieriger Weg für die Bauern, gerade mit Blick aufs Geld. "Die sind in diesem Zwiespalt - sie müssen davon leben, sie müssen wirtschaften. Und das ist eben an viele nicht naturfreundliche Bewirtschaftungsformen gebunden. Das ist ein Widerspruch, den ich bei den Landwirten sehe."

Schatzhüterin wurde oft belächelt

Eine Glocke am Barther Bodden © ndr.de Foto: Ina Lebedjew
Belohnung für die Mühen: Ein Jahr lang gehört der Wanderpokal zum "Ort der Biologischen Vielfalt" Andrea Gollan und ihrem Hof Buschenhagen.

Andrea Gollan ist von Hause aus Künstlerin, Psychotherapeutin und Heilpraktikerin. Jahrelang hat sie sich um den Hof, diese Oase inmitten von Feldern gekümmert und wurde dafür oft belächelt. Dass plötzlich Menschen zu ihr kommen, die begreifen, was sie tut und warum, hat mit einem Wettbewerb zum Projekt "Schatz an der Küste" zu tun: "Im letzten Winter saß ich etwas geknickt hier rum und dachte, was mach ich hier überhaupt?! Und dann hab ich die Ausschreibung gesehen und mich hingesetzt und zwei Seiten lang alles aufgeschrieben. Es tun sich neue Verbindungen auf zu Menschen. Ich fühle mich bestätigt, Es wird jetzt wertgeschätzt, was früher belächelt und abgetan wurde."

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Radio MV | 08.05.2018 | 18:10 Uhr

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